Steigende Anzahl der Neuerkrankungen an Typ-1-Diabetes in Europa bei Kindern unter 15 Jahren

Prognose für das Jahr 2020: Zirka 24.400 Fälle von Typ-1-Diabetes in Europa bei Kindern unter 15 Jahren

 

München (11. August 2009) – Die aktuellen Ergebnisse der EURODIAB-Studie zeigen, dass die Neuerkrankungen an Typ-1-Diabetes bei Kindern unter 15 Jahren in Europa kontinuierlich steigen. Für Deutschland flossen Daten aus Baden-Württemberg und Düsseldorf ein. Auch hier stieg die Anzahl der Neuerkrankungen von 1989 bis 2003 pro Jahr um 3,7 beziehungsweise 4,7 Prozent. Aufgrund dieser Daten sieht die Prognose für die kommenden Jahre bis 2020 nicht gerade positiv aus: Schätzt man für das Jahr 2005 zirka 15.000 Fälle von Typ-1-Diabetes bei Kindern unter 15 Jahren in Europa, gehen die Forscher für das Jahr 2020 von 24.400 Fällen aus. Angesichts dieser übermäßigen Zunahme von Typ-1-Diabetes weist das Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. auf die Notwendigkeit von Ursachenforschung hin.

Die Ursachen von Typ-1-Diabetes sind bis heute noch nicht geklärt. Trotzdem muss sich die Gesellschaft mit einer steigenden Neuerkrankungsrate auseinandersetzen. Die Verbreitung von so genannten Risikogenen erklärt den Anstieg der Erkrankungen aber nicht. Eine solche Entwicklung würde viel länger dauern, als der kurze Zeitraum von 1989 bis 2003, in dem die Forscher der EURODIAB-Studie den Anstieg festgestellt haben. Sie verweisen für eine Erklärung auf mehrere verschiedene Hypothesen: In Frage kommen moderne Lebensgewohnheiten, Umweltfaktoren, Geburten mit Kaiserschnitt oder der Rückgang von Infektionen im Kindesalter.

Um diese Vermutungen zu überprüfen, ist das Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. ein Studienzentrum der internationalen TEDDY-Studie. Die TEDDY-Studie möchte die umweltbedingten Ursachen von Typ-1-Diabetes aufdecken. Deshalb bietet sie für Neugeborene bis zu drei Monaten deutschlandweit eine kostenlose Typ-1-Diabetes-Risikountersuchung an. Die Eltern können sich auf diese Weise über das individuelle Risiko ihres Neugeborenen informieren. Stellt das Institut für Diabetesforschung ein erhöhtes Risiko fest, kann das Baby am zweiten Teil der TEDDY-Studie teilnehmen. Hier untersucht das Institut für Diabetesforschung das Kind regelmäßig und sammelt umfassend Daten zu Infektionen, Lebens- und Essgewohnheiten.

Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin des Instituts für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. , zeigt sich besorgt über die aktuellen Ergebnisse: "Gerade bei diesem Anstieg an Neuerkrankungen und der beunruhigenden Prognose für die nächsten Jahre dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen. Wir müssen versuchen, die Ursachen von Typ-1-Diabetes zu erforschen und so die Welle an Erkrankungen bei Kindern aufzuhalten. Deshalb hoffen wir, dass möglichst viele Eltern mit ihren Neugeborenen an der TEDDY-Studie teilnehmen. Denn nur mit einer hohen Teilnehmerzahl können wir von den Daten Rückschlüsse auf die Ursachen ziehen". Doch auch die Eltern haben einen Vorteil von der Teilnahme an der TEDDY-Studie: Zu den regelmäßigen Untersuchungen im zweiten Teil der Studie zählen auch Autoantikörpertests. Dadurch kann die Diagnose des Typ-1-Diabetes gegebenenfalls frühzeitig gestellt werden, so dass das Risiko für Komplikationen wie zum Beispiel Stoffwechselentgleisungen sinkt.

Interessierte Eltern melden sich bei der Forschergruppe Diabetes

Leitung Prof. Anette-Gabriele Ziegler
Kölner Platz 1, 80804 München
Tel. 0800 / 33 83 339
E-Mail: teddy.germany@lrz.uni-muenchen.de

 

  • Quelle: Patterson, Christopher C. et al, Incidence trends for childhood typ 1 diabetes in Europe during 1989-2003 and predicted new cases 2005-20: a multicentre prospective registration study, The Lancet, Vol 373, June 13, 2009, 2027-33

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Forschergruppe Diabetes vom 11.08.2009 (tB).

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