Studie zur Patientenberatung bei Krebsfrüherkennung

Risiko Überbehandlung: Kaum ein Arzt informiert richtig

 

Berlin (24. Oktober 2013) – Viele Ärzte informieren ihre Patienten nicht über das Risiko der Überdiagnose und Überbehandlung bei der Krebsfrüherkennung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern am Harding Zentrum für Risikoforschung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, die in der medizinischen Fachzeitschrift „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde.

 

Auf eine vor dem Brustkrebstod bewahrte Frau kommen etwa zehn überdiagnostizierte und überbehandelte Frauen. Dieses Statistikergebnis wurde bereits 2006 in einem Cochrane Review veröffentlicht und basiert auf den Daten von einer halben Million Frauen. Die meisten Patienten wissen jedoch nicht, dass dieses Risiko überhaupt besteht. Denn sie werden von ihren Ärzten nicht über das Risiko der Überdiagnose und der daraus resultierenden Überbehandlung als Folge der Krebsfrüherkennung aufgeklärt, wie eine aktuelle Studie des Harding Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin zeigt.

 

„Überdiagnose ist das Auffinden von Pseudokrebs. Damit sind Gewebeveränderungen gemeint, die der pathologischen Definition von Krebs genügen, jedoch nie zu einem Tumor voranschreiten, der Symptome verursacht oder gar tödlich ist“, sagt Odette Wegwarth, die mit Gerd Gigerenzer die Studie leitete. „Die Überdiagnose resultiert dann häufig in unnötigen Operationen, Chemotherapien und Strahlenbehandlungen, die den Behandelten keinerlei Überlebensnutzen, dafür aber körperlichen und seelischen Schaden zufügen“, so Odette Wegwarth.

 

Befragt wurden insgesamt 317 US-amerikanische Frauen und Männer im Alter von 50 bis 69 Jahren – die Altersgruppe, welche  Krebsfrüherkennung am häufigsten nutzt. 83 Prozent der Befragten gaben an, eine oder mehrere Krebsfrüherkennungsmaßnahmen regelmäßig zu nutzen. Jedoch berichteten nur neun Prozent davon, dass ihr Arzt sie über die Möglichkeit der Überdiagnose und Überbehandlung im Vorfeld informierte. 

 

Es fehlt den Patienten demnach an Wissen über das Risiko für eine mögliche Überdiagnose und Überbehandlung. Viele wissen weder, dass es besteht, noch was es bedeuten kann. Dabei ist der Wunsch nach Information da: So sagten 80 Prozent der Studienteilnehmer, dass sie über mögliche Schäden informiert werden möchten – und zwar, bevor sie sich einem Früherkennungsverfahren unterziehen. „Die Beratung der Ärzte stimmt nicht mit dem Informationsbedürfnis ihrer Patienten überein“, sagt Odette Wegwarth.

 

Dass das Thema Krebsfrüherkennung jedoch kein rein rationales ist, zeigen weitere Studienergebnisse: Gut die Hälfte aller Befragten gab an, eine derzeit noch nicht genutzte Früherkennung nur dann beginnen zu wollen, wenn diese in nicht mehr als einer überbehandelten Person pro einer vor dem Krebstod geretteten Person resultiere. Sollten die Befragten jedoch die gleiche Entscheidung zu einem bereits  genutztem Früherkennungsverfahren treffen, war die Mehrheit bereit, auch dann weiter an ihrer Früherkennung teilzunehmen, wenn diese in zehn überbehandelten Personen pro einer vor dem Krebstod geretteten Person resultiere. „Dieses Ergebnis weist darauf hin, dass viele Menschen einen tiefverankerten Glauben an den Nutzen der von ihnen bereits genutzten Krebsfrüherkennung haben, welcher selbst durch Negativinformation nur schwer zu erschüttern scheint“, so Studienleiterin Odette Wegwarth.

 


 

Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 24.10.2013 (tB).

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