Studien-Protokoll der Wirksamkeitsstudie zu „DiaLife“ veröffentlicht

Kommt Diabetes-Schulungsprogramm für Angehörige in die Regelversorgung?

 

Berlin (15. Oktober 2019) – Das vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) entwickelte Angehörigen-Programm „DiaLife“ wird derzeit wissenschaftlich evaluiert. Es soll künftig zum festen Bestandteil einer strukturierten Versorgung der Menschen mit Diabetes Typ 1 oder 2 werden. Dazu muss wissenschaftlich fundiert der Nachweis erbracht werden, welche Bedeutung die Angehörigen-Schulung für eine erfolgreiche Therapie der Patienten hat. Das jetzt erschienene Studienprotokoll gibt Einblicke in die Methode.

„Das Leben mit einer Diabetes-Erkrankung fordert nicht nur vom Betroffenen, sondern auch von seinen Angehörigen ein Umdenken“, erklärt Dr. rer. medic. Nicola Haller, Vorsitzende des VDBD. Daher hat der VDBD in einem mehrjährigen Projekt erstmalig ein vom Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Schulungsprogramm entwickelt, das sich gezielt an Angehörige von Diabetes-Patienten richtet. Bei der Entwicklung des Schulungsprogramms Arbei tete der VDBD mit dem Universitätsklinikum Jena, der SRH Hochschule für Gesundheit Gera sowie dem RED-Institut zusammen. „Wenn Diabetesberaterinnen im Rahmen von „DiaLife“ Angehörigen Informationen und geeignete Strategien im Umfang mit der Krankheit an die Hand geben, hat das Vorteile für sie selbst, aber natürlich auch für den Betroffenen“, betont Dr. Gottlobe Fabisch, Geschäftsführerin des VDBD.

Umso wichtiger wäre es, dass das Schulungsprogramm zum festen Bestandteil der Versorgung von Menschen mit Diabetes wird. „Idealerweise sollte ‚DiaLife‘ in den Leistungskatalog von Krankenkassen aufgenommen werden“, so Fabisch. Daher läuft momentan eine cluster-randomisierte, kontrollierte Studie (cRCT), über die der Nachweis für die Wirksamkeit von „DiaLife“ erbracht werden soll.

Insgesamt nehmen bundesweit 17 Schwerpunktpraxen an der Evaluationsstudie teil. Die Diabetesberaterinnen, die die Studie in den Praxen betreuen, haben mit viel Engagement die Rekrutierung der Studienteilnehmer übernommen und so zur erfolgreichen Umsetzung des Forschungsvorhabens beigetragen. In der Studie werden zwei Versuchsgruppen untersucht: In den teilnehmenden Praxen der Interventionsgruppe bekommen die Angehörigen gleich zu Beginn eine DiaLife-Schulung und werden vor und direkt nach der Schulung sowie nach 6 und 12 Monaten befragt. In den Praxen mit der Kontrollgruppe dagegen findet eine Schulung erst nach Abschluss der Studie statt, die Befragung erfolgt jedoch mit denselben Messinstrumenten wie in der Interventionsgruppe. „Alle teilnehmenden Angehörigen sowie die betroffenen Patienten füllen zu mehreren Messzeitpunkten während der Studie Fragebögen aus“, erzählt Fabisch, die als Projektleiterin an der Konzeption des Programms und der Studie beteiligt war. „Dabei konzentrieren wir uns auf Fragen, die den physischen und psycho-sozialen Hintergrund der Patienten und Angehörigen erforschen: Gibt es beispielsweise weniger persönliche Konflikte oder Missverständnisse, wenn Betroffene infolge einer Unterzuckerung eher gereizt oder bei hohen Blutzuckerwerten depressiv sind?“ Der Erfolg der Schulungsmaßnahme wird für die Zielgruppe der Angehörigen am Wissenszuwachs zur Erkrankung Diabetes bemessen. Aber auch wichtige Aspekte wie Lebensqualität, Chronischer Stress, Stimmung und Depressive Verstimmung, Selbstwirksamkeit, Belastungen durch die Erkrankung (des Patienten) und die Familieninteraktion werden erfasst.

Die Studienphase läuft noch bis Ende 2019. Anschließend erfolgt die statistische Auswertung der gesamten Daten, deren Ergebnisse Mitte 2020 vorliegen werden. Parallel zu der Testphase können interessierte Diabetesberaterinnen und Diabetesassistentinnen durch eine Teilnahme an einem Trainerseminar die Berechtigung zur Schulung mit diesem Programm erwerben. Diese werden über die VDBD AKADEMIE angeboten.

 

 


Quelle: Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD), 15.10.2019 (tB).

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