Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom

SWITCH-Studie prüft die Rolle verschiedener Tyrosinkinase-Inhibitoren in der Erstlinientherapie

 

Frankfurt am Main (6. Februar 2009) – Sowohl Sorafenib als auch Sunitinib verlängern die Überlebenszeiten bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (NZK). Unklar ist jedoch bislang, ob eine Erstlinientherapie mit dem Wirkstoff Sorafenib oder Sunitinib günstiger ist. Diese Lücke soll die SWITCH-Studie, eine als Sequenzstudie angelegte randomisierte Phase III-Studie, schließen.

 Bis zur Zulassung der Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) galt eine Immuntherapie mit Interferon als Standard bei der Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metasta­sierten NZK. Die Therapieschemata haben sich inzwischen gewandelt, da durch die TKIs ein deutlicher Fortschritt bei der Behandlung erzielt werden konnte. Diese neuen, ziel­gerichteten Substanzen der „Targeted Therapy“ bessern signifikant die Dauer des pro­gressionsfreien wie auch des Gesamtüberlebens bei Patienten mit dem üblicherweise Chemo- wie auch Strahlentherapie resistenten Karzinom.


 

Sorafenib verlängert das progressionsfreie und das Gesamtüberleben

Als erstes Arzneimittel für eine zielgerichtete Therapie des fortgeschrittenen NZK wurde, so Dr. Mathias Roßberg, Bayer Vital GmbH, Leverkusen, der Wirkstoff Sorafenib (Nexavar®) beim NZK zugelassen. Der Tyrosinkinase-Inhibitor vermittelt eine antipro­liferative und eine antiangiogene Wirkung und hemmt somit das Tumorwachstum über mehrere Angriffspunkte. „Er verlängert signifikant das progressionsfreie Überleben wie auch das Gesamtüberleben“, berichtete Dr. Roßberg bei einer Pressekonferenz der Bayer Vital GmbH in Frankfurt.

Kurz darauf wurde mit Sunitinib ein weiterer TKI zur Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms zugelassen. Es gibt allerdings noch keine Daten aus kontrollierten Vergleichstudien, die es erlauben, einen klaren Algorithmus zur Sequenz der Erst- und Zweitlinientherapie zu formulieren. Das soll sich nun durch die Prüfer- und Studien­gruppen-initierte SWITCH-Studie ändern.

 

In der Untersuchung, die laut Dr. Simone Wesselmann, Berlin, unter der Verantwortung der Sponsor GmbH der Deutschen Krebsgesellschaft durchgeführt wird, werden Pa­tienten mit fortgeschrittenem NZK entweder zuerst mit Sorafenib und bei einer Tumor­progression mit Sunitinib behandelt oder in umgekehrter Reihenfolge. Die Studien­formalien (insbesondere die Einreichung bei Behörden und Ethikkommissionen) werden dabei durch die CRO (Clinical Research Organisation) CenTrial GmbH abgewickelt. Als Partner mit dabei ist auch die CRO  iOMEDICO  AG, die laut Dr. Norbert Marschner, Freiburg, die weiteren administrativen Aufgaben übernimmt und für das Studienmoni­toring und die Datendokumentation verantwortlich zeichnet.

 

SWITCH-Studie – große internationale Sequenzstudie

Es handelt sich bei der SWITCH-Studie um ein ehrgeiziges Studienprojekt. Im Rahmen der prospektiven randomisierten Multicenterstudie sollen laut Priv.-Doz. Dr. Lutz Trojan, Mannheim, 540 Patienten aus 80 Prüfzentren in Dänemark, Deutschland, Niederlande, Österreich und Schweden zunächst entweder mit täglich 800 mg Sorafenib oder 50 mg Sunitinib behandelt werden. Kommt es unter der Therapie zu einer Krankheitspro­gression, so erfolgt nach einem zwei- bis höchstens vierwöchigen therapiefreien Intervall der „SWITCH“ auf den jeweils anderen Tyrosinkinase-Inhibitor. Umgestellt wird das Regime auch, wenn die ursprünglich eingeleitete Therapie aufgrund von Toxizität der jeweiligen Substanz nicht fortgeführt werden kann.

 

Die Studie ist im Non-Inferiority-Design angelegt. Es werden laut Trojan Hinweise dafür erwartet, mit welchem Tyrosinkinase-Hemmer im Idealfall bei der Behandlung zu beginnen ist. Primärer Endpunkt der Studie ist das gesamtprogressionsfreie Überleben über die Erst- und Zweitlinientherapie. Sekundäre Endpunkte sind die jeweils pro­gressionsfreien Zeiten in den einzelnen Studienabschnitten sowie das Gesamtüberleben. Weitere Parameter sind nach Trojan die Sicherheit und Verträglichkeit der beiden Tyrosinkinase-Inhibitoren. „Wir gehen davon aus, dass ein progressionsfreies Überleben von rund 17 Monaten erzielt wird, wovon etwa elf Monate auf die Erstlinientherapie und rund sechs Monate auf die Zweitlinientherapie entfallen dürften“, erklärte der Mediziner in Frankfurt.

 

Über Bayer Vital

Die Bayer Vital GmbH vertreibt in Deutschland die Produkte der in der Bayer HealthCare AG zusammengeführten Divisionen Animal Health, Consumer Care, Diabetes Care und Bayer Schering Pharma. Bayer Vital konzentriert sich auf das Ziel, in Deutschland innovative Produkte in Zusammenarbeit mit den Partnern im Gesundheitswesen zu erforschen und Ärzten, Apothekern und Patienten anzubieten. Die Produkte dienen der Diagnose, der Vorsorge und der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Damit will das Unternehmen einen nachhaltigen Beitrag leisten, die Gesundheit von Mensch und Tier zu verbessern. Mehr über Bayer Vital steht im Internet: www.bayervital.de

 


 

Quelle: Presse-Konferenz der Firma Bayer zum Thema „Start einer großen internationalen Studie der Deutschen Krebsgesellschaft – erste prospektive Studie zur Sequenztherapie mit TKIs beim Nierenzellkarzinom“ am 6. Februar 2009 in Frankfurt am Main.

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