Abb.: Per Bluetooth werden die Interaktion des Patienten mit dem Tablet (rechts) auf das Tablet des Arztes (links) übertragen. Bild: FAUSyndrom-Kurztest (SKT)

Mit dem Tablet geistige Leistungsfähigkeit erfassen

 

Erlangen (14. März 2014) – Der Syndrom-Kurztest (SKT) ist ein international anerkannter Test, um die Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung zu erfassen. Seit etwa 30 Jahren ist er, in nahezu unveränderter Form, vor allem im Bereich Alzheimer- und Demenzdiagnostik im Einsatz. Durchgeführt wird der SKT ganz klassisch mit Papier- und Bleistift – im Zeitalter von Tablets und Smartphones nicht mehr zeitgemäß. In einem interdisziplinären Forschungsprojekt wollen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) nun eine digitale Version des Tests entwickeln.

 

Der SKT wurde an der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen von Hellmut Erzigkeit entwickelt und hat sich als einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Tests für Demenz-Screening etabliert. Aufgrund seines spielerischen Charakters und der kurzen Durchführungsdauer von gerade 15 Minuten erfreut sich der SKT, trotz seiner Komplexität, hoher Akzeptanz und wird vom Probanden oftmals sogar mit Freude bearbeitet. Er besteht aus neun Untertests, die alle einem Zeitlimit unterliegen. Unter anderem müssen die Probanden Gegenstände benennen und wiedererkennen oder Zahlen lesen und ordnen. Für die Auswertung werden die in den Untertests ermittelten Punktwerte unter Berücksichtigung von Alter und Intelligenzniveau in Normwerte umgerechnet. Vertrieben wird der SKT von dem Erlanger Unternehmen Geromed GmbH, dessen Mitarbeiter zwar eine große Erfahrung mit dem Test haben, nicht jedoch die wissenschaftlichen Möglichkeiten, die für eine Digitalisierung erforderlich sind.

Ein Fall für Experten, wie sie an der FAU am Lehrstuhl für Mustererkennung von Prof. Dr. Joachim Hornegger forschen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Mark Stemmler vom Lehrstuhl für Psychologische Diagnostik arbeiten die Wissenschaftler derzeit an einer digitalen Version, basierend auf zwei Tablet-PCs. Ein Tablet erhält der Patient, ein Tablet der Arzt. Jede Interaktion des Patienten mit dem Tablet wird automatisch auf dem Tablet des Arztes angezeigt – und liefert damit Informationen darüber, welche Inhalte der Proband zum jeweiligen Zeitpunkt bearbeitet. Zukünftig sollen auch neue Technologien wie beispielsweise Spracherkennung und Eye-Tracking in die Tablet-Software integriert werden.

Eine digitale Version (eSKT) hätte im klinischen Alltag entscheidende Vorteile: Die erhobenen Daten können leicht in einer digitalen Patientenakte gespeichert werden. „Wir wollen den digitalen SKT als Routineuntersuchung in Krankenhäusern für Patienten über 65 Jahren etablieren“, erklärt Prof. Stemmler. „Da ist es natürlich von Vorteil, dass Tablets im Bett liegend gehalten und bedient werden können. Das ist ein riesiger Fortschritt.“ Bevor die digitale Version jedoch fit für den Markt ist, gilt es, umfangreiches Datenmaterial zu erheben: Wie verhalten sich Probanden an einem Tablet? Unterscheiden sich Ergebnisprofile gleicher Probanden in einzelnen Untertests bzw. im Gesamtergebnis vom klassischen SKT? Dies zu untersuchen wird Aufgabe der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kornhuber, Leiter der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, sein. Dafür suchen die Wissenschaftler noch Teilnehmer. Voraussetzung: Die Probanden müssen älter als 65 Jahre sein und unter keiner bekannten Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörung (wie beispielsweise Demenz oder Alzheimer) leiden. Interessenten können sich unter andreas.erzigkeit@uk-erlangen.de melden.

 

 

Abb.: Per Bluetooth werden die Interaktion des Patienten mit dem Tablet (rechts) auf das Tablet des Arztes (links) übertragen. Bild: FAU

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Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 14.03.2014 (tB) Thomas Backe

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