Telefonschwester:

neues Betreuungskonzept bei Herzinsuffizienz

 

Herzinsuffizienz-Schwester Susanne Muck bei der Arbeit am Telefon. Quelle: Prof. Dr. Christiane Angermann, Universitätsklinikum WürzburgBerlin (15. August 2008) – Zwei Drittel aller Patienten mit Herzinsuffizienz ("Herzschwäche") werden nicht optimal behandelt. Dadurch sinken ihre Lebensqualität und ihre Lebenserwartung. Ein neues Projekt am Universitätsklinikum Würzburg soll jetzt die leitliniengemäße Therapie und aktive Mitarbeit der Patienten bei der Krankheitsbewältigung sicherstellen.  

Klaus F. sitzt vor dem Telefon. Er wartet auf den Anruf "seiner" Krankenschwester. Sie meldet sich jetzt jeden Monat und stellt ihm Fragen. Zum Beispiel wie es ihm geht, wie viel er wiegt und wie sein Blutdruck in der letzten Zeit war. 15 bis 20 Minuten dauert so ein Gespräch. Klaus F. ist froh über die Anrufe. Er lernt viel über seine Krankheit und fühlt sich sicherer. Klaus F. leidet an Herzinsuffizienz. Sein Herz ist nach einem Infarkt geschwächt und pumpt nicht mehr richtig. "Herzinsuffizienz ist in Deutschland einer der häufigsten Gründe, warum Patienten ins Krankenhaus kommen und eine der Haupt-Todesursachen", erklärt Dr. Stefan Störk aus der Arbeitsgruppe von Professor Christiane Angermann an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Würzburg. "Eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz hat eine genauso schlechte Prognose wie eine fortgeschrittene Krebserkrankung." Bei der Versorgung der Patienten gibt es Defizite: Nur etwa 35 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten werden gemäß aktuellen Therapieempfehlungen behandelt, wie das von Angermann und ihren Mitarbeitern initiierte Würzburger Herzinsuffizienz-Register gezeigt hat. Die Folgen: stärkere Beschwerden und verkürzte Überlebenszeit.

Hausärzte und Klinikärzte kooperieren
Mit dem "Interdisziplinären Netzwerk Herzinsuffizienz" (INH) möchte die Würzburger Arbeitsgruppe dafür sorgen, dass sich die Versorgung von Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz in Deutschland verbessert. Die Mediziner haben deshalb mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein spezielles Betreuungsprogramm für die Patienten entwickelt. Es basiert auf der partnerschaftlichen Kooperation von Hausärzten, niedergelassenen und klinisch tätigen Kardiologen sowie speziell ausgebildeten Krankenschwestern. Neben den regelmäßigen Anrufen durch das Pflegepersonal ist Hilfe zur Selbsthilfe ein Kernstück des Projektes. Die Patienten erhalten zum Beispiel Unterstützung bei der Selbstüberwachung von Blutdruck, Körpergewicht und Herzinsuffizienz-Symptomen. Außerdem werden ihnen ausführliche Informationsmaterialien zum Krankheitsbild zur Verfü-gung gestellt, und die medizinischen Fachkräfte achten auf die genaue Einhaltung des im Rahmen der Leitlinien individuell optimierten Medikamentenplanes sowie auf einen gesundheitsförderlichen Lebensstil. Zwischen Krankenschwestern und ärztlichen Herzspezialisten besteht ein enger Dialog. Die Krankendaten der Patienten werden wöchentlich von einem Arzt überprüft. Außerdem steht den Schwestern und Patienten im Zweifelsfall immer ein ärztlicher Ansprechpartner zur Verfügung.

Behandlung nach Leitlinien verlängert Leben
Bisher nehmen in und um Würzburg 310 Herzinsuffi-zienz-Patienten an dem neuen Programm teil. 350 sollen es insgesamt noch werden. Dann wollen die Forscher überprüfen, ob und in welcher Weise die Teilnehmer von dem Projekt tatsächlich profitieren. Dazu vergleichen sie in der INH-Studie bis Ende 2006 den Krankheitsverlauf der im Netz betreuten Patienten mit dem von 350 anderen Patienten, die an vergleichbar schwerer Herzinsuffizienz leiden, aber nicht am Programm teilnehmen. Angermann hat wenig Zweifel am Erfolg: "Studien belegen, dass eine leitliniengemäße Therapie die Lebensqualität der Patienten verbessert, Krankenhausaufenthalte verringert und das Leben verlängert. Wir schaffen hierfür die Voraussetzungen."
Die Telefonschwestern haben dabei eine Schlüsselrolle. Sie notieren die Antworten der Patienten auf einem standardisierten Protokollbogen und leiten daraus das weitere Vorgehen ab. Störk: "Wenn zum Beispiel ein Patient kurzfristig Gewicht zugenommen hat, kann das darauf hindeuten, dass sich durch die Herzinsuffizienz Wasser in seinem Körper einlagert. Die Schwester wird dem Patienten dann empfehlen, den Arzt aufzusuchen beziehungsweise den Arzt von sich aus informieren. Sie wird zudem überprüfen, ob der Patient seine Medikamente noch korrekt einnimmt."

Oft haben die Patienten auch Fragen an die Schwester. Störk: "Die Patienten bekommen durch die regelmäßigen Telefonate Routine und Selbstvertrauen darin, ihre Krankheit selbst zu managen. Sie lernen unter anderem, welche Symptome auf eine Verschlechterung hindeuten können und was dann zu tun ist." Um von Anfang an Vertrauen zwischen Patient und Behandlungsteam zu schaffen, stellt sich die zukünftig betreuende Telefonschwester dem Patienten bei Aufnahme in das Programm persönlich vor. Dabei erklärt sie, in welcher Weise der neue Ansatz das Leben mit der chronischen Herzinsuffizienz verbessern soll. 

Ansprechpartnerin


Prof. Dr. Christiane Angermann
Leiterin des Schwerpunktes Kardiologie an der Poliklinik I
der Universität Würzburg
Klinikstraße 6 – 8
97070 Würzburg
Tel.: 09 31/2 01-7 04 60
Fax: 09 31/2 01-7 12 40
E-Mail:
angermann_c@medizin.uni-wuerzburg.de  


 

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom 15.08.2008

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