Test zur Beurteilung des Entwicklungsrisikos aktiver TB bei latent infizierten Menschen

 

Hilden/Berlin (9. Januar 2012) – QIAGEN und die Abteilung Immunologie des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie (MPIIB) in Berlin gaben heute ihre Zusammenarbeit zur Entwicklung eines neuen molekulardiagnostischen Tests bekannt. Der Test soll dabei helfen, das Risiko zu bestimmen, mit dem eine mit latenter Tuberkulose (TB) infizierte Person im Laufe ihres Lebens auch eine aktive TB-Erkrankung entwickeln wird. Finanzielle Details wurden nicht veröffentlicht.

 

Schätzungen zufolge ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit Mycobacterium tuberculosis infiziert, ohne dabei an aktiver TB zu leiden. Ungefähr 5 bis 10 Prozent der Patienten mit latenter TB – besonders diejenigen mit einem geschwächten Immunsystem – tragen das Risiko, im Verlaufe ihres Lebens eine aktive TB zu entwickeln. Die Identifizierung und Behandlung dieser Betroffenen ist somit entscheidend für die Kontrolle der Krankheit.

 

Der neue Test soll zur Nachkontrolle derjenigen Patienten eingesetzt werden, die positiv auf latente TB getestet wurden. Er soll dabei helfen, die Betroffenen frühzeitig – noch vor Ausbruch einer ansteckenden und etwa durch Befall der Atemwege potenziell lebensbedrohlichen aktiven TB – zu behandeln.

 

Dieser neue, sogenannte Reflex-Test baut auf der richtungsweisenden Forschungsarbeit des MPIIB auf. Er soll auf der PCR-Technologie (Polymerase-Kettenreaktion) basieren, mit der modularen Automationsplattform QIAsymphony kompatibel sein und mehrere Biomarker abdecken. Der Nachweis ist als Reflex-Test zu QIAGENs QuantiFERON-TB Gold Test, dem fortschrittlichen Goldstandard für den Nachweis latenter TB, vorgesehen. Der Test wird von QIAGEN vermarktet werden, mit der Verfügbarkeit der ersten Kits wird nicht vor 2013 gerechnet.

 

Bei einer TB-Infektion verändern sich die Transkriptionsprofile der Immunzellen im Blut. Diese Veränderungen in der Genexpression zeigen eine Immunreaktion des Körpers an und ermöglichen eine Unterscheidung zwischen der latenten und aktiven Form der Erkrankung. Die Zusammenarbeit zwischen QIAGEN und dem MPIIB hat zum Ziel, aus den vom Max-Planck-Institut identifizierten Biomarkern diejenigen Marker zu selektieren, mit deren Hilfe sich bei Patienten mit einer latenten TB die Anfälligkeit für bzw. die Widerstandsfähigkeit gegen eine aktive TB vorhersagen lässt, und diese Marker in einen molekularen Test zu überführen.

 

Die zur Identifizierung der entsprechenden genetischen Marker für die Entwicklung aktiver TB notwendigen Daten werden gemeinsam von beiden Parteien erhoben, analysiert und ausgewertet. QIAGEN wird für das Design und die Herstellung des Tests zuständig sein, während das MPIIB Zugang zu seinen Markergruppen bieten und neue, sogenannte Biosignaturen entwickeln wird.

 

"Wir sind sehr erfreut über die Zusammenarbeit mit dem MPIIB zur gemeinsamen Entwicklung eines innovativen und fortschrittlichen Präventionsinstruments gegen die weltweite Tuberkulosegefahr", erklärt Dr. James Rothel, Vice President, Head of Scientific Affairs bei QIAGEN. "Dieser Test ergänzt hervorragend unsere QuantiFERON-Technologie. Die Kombination aus ‘prämolekularen’ und DNA/RNA-basierten Diagnosetechnologien markiert unserer Überzeugung nach die nächste Generation des Screenings und der Erkennung infizierter Patienten noch vor dem Ausbruch einer aktiven TB. Diese Initiative hat das Potenzial, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten erheblich zu verringern. Durch eine frühzeitige Behandlung der Patienten vor Ausbruch einer aktiven TB sind zugleich erhebliche Kosteneinsparungen möglich. Die Zusammenarbeit mit dem MPIIB unterstreicht QIAGENs Strategie zur Erweiterung seines Portfolios um neue und innovative Testverfahren für die Profilierung von Krankheiten, um die Lebensqualität von Menschen zu verbessern."

 

Die Kooperation baut auf QIAGENs Übernahme von Cellestis Limited sowie der fortschrittlichen QuantiFERON-Technologie für eine hochsensitive und frühe Krankheitsdiagnostik im August 2011 auf. Cellestis vermarktet bereits erfolgreich QuantiFERON-TB Gold, einen führenden Test zum Nachweis latenter TB. Mit Hilfe der zugrunde liegenden prämolekularen Technologie können viele potenziell lebensbedrohliche Krankheiten noch vor Auftreten erster Symptome oder ihrem Ausbruch erkannt werden. Hierfür werden in Blutproben systemisch amplifizierte molekulare Zielmoleküle nachgewiesen, die Informationen aus dem Gedächtnis des menschlichen Immunsystems enthalten. QuantiFERON hat das Potenzial, den Ausbruch aktiver Krankheiten im Frühstadium zu minimieren, indem Risikopatienten identifiziert und anschließend mithilfe herkömmlicher molekularer Diagnostika auf DNA- und RNA-Basis untersucht werden können. Diese Technologie erweitert QIAGENs führendes Portfolio von über 120 Tests zur Diagnose verschiedener Infektionskrankheiten, darunter HIV, Hepatitis oder Influenza, unterstützt durch Instrumente wie den QIAsymphony RGQ für effiziente und automatisierte Arbeitsabläufe im Labor.

 

In westlichen Industrienationen sehen aktuelle Screening-Protokolle üblicherweise vor, dass alle positiv auf TB getesteten Personen (bei Risikopatienten im Schnitt bis zu 20% der untersuchten Personen) einem Nachfolgetest auf aktive TB unterzogen werden. Ein Test, der aktive TB-Infektionsmarker mit Risikomarkern für die Progression von latenter zu aktiver TB kombiniert, könnte die Wirksamkeit von Behandlungsoptionen und Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung beträchtlich erhöhen. Der Markt für Tests auf latente TB wird in Industrieländern auf rund 50 Millionen Stück pro Jahr geschätzt.

 

"Auch wenn die höchsten Morbiditäts- und Mortalitätsraten durch Tuberkulose in den Entwicklungsländern auftreten, machen der weltweite Reiseverkehr und die globalen Zuwanderungsströme TB zu einem Problem für die ganze Welt", erläutert Professor Stefan Kaufmann, Direktor der Abteilung Immunologie am MPIIB in Berlin. "Wir sind der Überzeugung, dass QIAGEN als ein führendes Unternehmen auf dem Gebiet der Infektionsdiagnostik der richtige Kooperationspartner ist, um neue wissenschaftliche Erfolge erzielen und gemeinsam die bisher unzureichenden Präventions-, Diagnose- und Therapieinstrumente für TB verbessern zu können. Durch diese Zusammenarbeit erhalten wir Zugang zu wichtigen Technologien und können so die Weiterentwicklung unseres Impfprogramms intensivieren."

 

Die Abteilung Immunologie des MPIIB führt wegweisende Forschungsarbeiten über Infektionskrankheiten durch, die die Gesundheit der Menschen in aller Welt gefährden. Ein bedeutendes Projekt ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen TB in Kombination mit der Definition von Biomarkern, um eine zuverlässige Unterscheidung zwischen latenter und aktiver TB zu ermöglichen. "Ergebnisse dieser Forschungsreihe könnten klinische Studien zur Erforschung von Impfstoffen beschleunigen. Durch die Identifikation von Markern, die bei Menschen mit einer latenten TB das Entwicklungsrisiko einer aktiven TB prognostizieren können, wird auch eine Einschätzung der Wirksamkeit eines möglichen Vakzins während der klinischen Studien ermöglicht", erklärt Prof. Stefan H.E. Kaufmann.

 

 

Über Tuberkulose

 

Obwohl Tuberkulose (TB) schon sehr lange als Infektionskrankheit bekannt ist, stellt sie immer noch ein globales Gesundheitsrisiko mit hoher Morbidität und weltweit 1,4 Millionen Todesfällen im Jahr dar.* TB wird durch den bakteriellen Erreger Mycobacterium tuberculosis verursacht und befällt überwiegend die Lunge. Bei den meisten infizierten Personen ist der Erreger eingedämmt und unter Kontrolle, man spricht daher von einer "latenten Infektion". Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist fast ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Erreger infiziert, aber nur 5 bis 10 Prozent der Infizierten entwickeln überhaupt im Laufe ihres Lebens die aktive Krankheit, wenn sie nicht behandelt werden. Obwohl eine Diagnose aktiver TB das größte Potenzial bietet, das Infektionsrisiko einzudämmen, werden nach WHO-Schätzungen nur 60 Prozent aller aktiven TB-Fälle überhaupt identifiziert. Zur nachhaltigen Verringerung des globalen Gesundheitsrisikos werden dringend Instrumente für eine rasche Diagnose, Prävention und Therapie benötigt. Die WHO hat ein strategisches Programm zur drastischen Reduzierung der globalen TB-Belastung bis zum Jahr 2015 aufgelegt, das beispielsweise die Entwicklung neuer Instrumente unterstützen und ihren frühzeitigen und wirksamen Einsatz fördern soll.

 

* WHO: 2011/2012 Tuberculosis Global Facts
http://www.who.int/tb/publications/2011/factsheet_tb_2011.pdf

 

Über das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie (MPIIB): Das MPIIB wurde 1993 gegründet. Nach anfänglicher Arbeit in provisorischen Laborräumen konnte 2000 der Institutsneubau bezogen werden. Er befindet sich in Berlin-Mitte unweit des Regierungsviertels auf dem traditionsreichen Campus der Charité, wo vor etwa 100 Jahren von Robert Koch, Paul Ehrlich und Emil Behring bereits wichtige Entdeckungen zu Infektionskrankheiten gemacht wurden. Ausschlaggebend für die Standortwahl war die angestrebte enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Kliniken zur Bearbeitung klinisch relevanter Projekte aus dem Bereich der Infektiologie. Weitere Informationen über das MPIIB sind unter http://www.mpiib-berlin.mpg.de/home.html zu finden.

 

 

Über QIAGEN

 

QIAGEN N.V. ist eine niederländische Holdinggesellschaft und weltweit führender Anbieter von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien. Probenvorbereitungstechnologien werden eingesetzt, um DNA, RNA und Proteine aus biologischen Proben wie Blut oder Gewebe zu isolieren und für die Analyse vorzubereiten. Testtechnologien werden eingesetzt, um solche isolierten Biomoleküle sichtbar zu machen. QIAGEN entwickelt Verbrauchsprodukte sowie Lösungen zu deren Automatisierung und verkauft seine Produkte weltweit an molekulardiagnostische Labore, die akademische Forschung, pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen sowie an Kunden in Märkten für angewandte Testverfahren (u.a. Forensik, Veterinär- und Lebensmitteltestung, pharmazeutische Prozesskontrolle). QIAGENs Testtechnologien umfassen eines der weltweit breitesten Portfolios an molekulardiagnostischen Tests. Dieses beinhaltet auch den digene HPV Test, der als Goldstandard in der Erkennung von Hochrisiko-Typen der humanen Papillomaviren (HPV) gilt, der primären Ursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Zum Portfolio gehört auch eine breite Palette an Nachweisverfahren für Infektionskrankheiten sowie therapiebegleitende Diagnostika. Zum 30. September 2011 beschäftigt QIAGEN weltweit rund 3.800 Mitarbeiter an über 35 Standorten. Weitere Informationen über QIAGEN finden Sie unter www.qiagen.com

 

 


Quelle: Qiagen, 09.01.2012 (tB).

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