Therapeutische Herausforderung

Asenapin erleichtert das Management manischer Episoden bei Bipolar-I-Störungen

 

Philadelphia, USA (6. Mai 2012) – Die Behandlung manischer Episoden im Rahmen von Bipolar-I-Störungen gehört zu den größten Herausforderungen in der Psychiatrie. Häufig treten Komorbiditäten mit anderen psychiatrischen aber auch mit somatischen Erkrankungen auf. Hinzu kommen ein nicht zu unterschätzendes Suizidrisiko und der erhebliche Einfluss der Erkrankungen auf die Lebensqualität von Patienten und Angehörigen. All das erfordert den rationalen Einsatz einer effektiven und gut verträglichen Therapie, die darüber hinaus auch einfach und praktikabel in der Anwendung ist.

 

Mit dem atypischen Antipsychotikum Asenapin (Sycrest®) haben sich die Therapiemöglichkeiten für erwachsene Patienten mit mäßigen bis schweren manischen Episoden einer Bipolar-I-Störung erweitert. Asenapin führt zu einer schnellen Verbesserung manischer Symptome, erhöht die Chance auf Remission, ist darüber hinaus einfach zu dosieren und im Allgemeinen gut verträglich [1-4].

 

Sowohl in der Monotherapie als auch in der Kombinationstherapie hat sich Asenapin in klinischen Studien und in der praktischen Erfahrung der teilnehmenden Experten bewährt. Prof. Dr. Roger McIntyre, Toronto (Kanada) gab einen Überblick über die aktuelle Studienlage zu Asenapin. In zwei ähnlich aufgebauten plazebo- und aktivkontrollierten Kurzzeitstudien bei jeweils knapp 500 Patienten mit deutlich manischen oder gemischten Episoden führte Asenapin (5–10 mg/2 x tägl.) in Monotherapie zu einer schnell einsetzenden Verbesserung der manischen Symptome [1,2]. Bei Einschluss in die Studien wiesen die Patienten einen Young Mania Rating Scale (YMRS)-Gesamtwert von mindestens 20 Punkten auf. Nach drei Wochen Therapie mit Asenapin sank der YMRS-Score um 10,8 bzw. 11,5 Punkte im Vergleich zu 5,5 bzw. 7,8 Punkten unter Plazebo und 12,6 bzw. 14,6 Punkten unter Olanzapin (5-20 mg/1x tägl.) [1,2]. Bereits an Tag 2 der Behandlung war Asenapin gegenüber Plazebo signifikant überlegen. In der doppelblinden Verlängerung der beiden Studien über bis zu 52 Wochen nahm die manische Symptomatik noch weiter ab [3,4]. Die Response- und Remissionsraten unter Asenapin betrugen am Ende der zwölfmonatigen Therapiedauer 97,8% [4]. Über den gesamten Beobachtungszeitraum war die symptomatische Verbesserung mit der unter Olanzapin vergleichbar. Auch die YMRS-Responder- und Remitterraten waren ähnlich [4].

 

Im praktischen Alltag werden Patienten mit Bipolar-I-Störungen häufig mit mehreren Medikamenten behandelt. „Polypharmazie ist eher die Regel als die Ausnahme“, betonte McIntyre. Mit Asenapin habe der behandelnde Arzt ein effektives und interaktionsarmes Antipsychotikum für die adjunktive Therapie von Bipolar-I-Patienten mit Manie an der Hand. Die Ergebnisse der APOLLO-Studie belegen die überlegene Wirksamkeit und Verträglichkeit von Asenapin als Add-on-Therapie zu Lithium oder Valproat im Vergleich zu einer Lithium- bzw. Valproat-Monotherapie bei Patienten, die zuvor auf diese Stimmungsstabilisierer nicht ausreichend angesprochen hatten [5].

 

 

Asenapin – ein Atypikum mit besonderen pharmakologischen Eigenschaften

 

Von anderen atypischen Antipsychotika unterscheidet sich Asenapin durch sein Multi-Rezeptorprofil, berichtete Prof. Dr. Henry A. Nasrallah, Cincinnati (USA). Es ist zudem aufgrund seiner chemischen Struktur das erste tetrazyklische Antipsychotikum. Während die meisten Atypika eine hohe Affinität zum D2-Rezeptor haben, bindet Asenapin stärker an den 5-HT2A-Rezeptoren als an den D2-Rezeptor [6]. Eine zu starke D2-Blockade werde mit extrapyramidal-motorischen Symptomen (EPS) und Prolactinanstieg in Verbindung gebracht, was wiederum durch eine antagonistische Wirkung an Serotoninrezeptoren moduliert werde, erklärte der Experte. Die höhere Affinität von Asenapin an 5-HT2A- im Vergleich zu D2-Rezeptoren könnte somit der Grund für das im Vergleich zu anderen atypischen Antipsychotika geringere Risiko für EPS und Hyperprolactinämie sein. Zudem hat Asenapin geringere Affinitäten zu H1- und α1-Rezeptoren und nahezu keine Affinität zu muskarinergen Rezeptoren [6]. Das könne möglicherweise die in den klinischen Studien beobachtete geringe Inzidenz von Gewichtszunahme, Sedierung, metabolischen und kardiovaskulären Nebenwirkungen erklären, so Nasrallah.

 

Auch im Hinblick auf Medikamenteninteraktionen weist Asenapin nach den Worten des Experten günstige Eigenschaften auf. Der Abbau der Substanz erfolge über zwei Wege, der direkten Glukuronidierung über UGT1A4 und oxidativer Metabolisierung durch das Cytochrom-P450 (CYP)-System. Die Verabreichung von Asenapin zusammen mit Fluvoxamin, einem starken CYP1A2-Inhibitor, sollte nur mit Vorsicht erfolgen. Asenapin scheint in vivo ein schwacher Inhibitor von CYP2D6 zu sein. Bei gleichzeitiger Anwendung von Asenapin und Arzneimitteln, die sowohl Substrat als auch Inhibitor von CYP2D6 sind ist Vorsicht geboten [7]. Die gemeinsame Anwendung mit anderen Inhibitoren der CYP-Isoenzyme wie Paroxetin, Imipramin, Cimetidin, Carbamazepin oder Valproat hatte hingegen in den klinischen Studien keine relevanten Veränderungen der Pharmakokinetik von Asenapin zur Folge [7].

 

 

Praktische Tipps für die Optimierung des Therapieerfolgs

 

Aus ihrer bisherigen klinischen Erfahrung heraus gaben die Experten auf dem APA-Symposium den anwesenden Ärzten einige praktisch relevante Ratschläge, wie sie die Ergebnisse der Asenapin-Therapie noch weiter optimieren können.

 

Nasrallah wies auf die Vorteile der sublingualen Applikation von Asenapin hin. So werde eine rasche Resorption über die orale Mukosa und ein schneller Wirkungseintritt gewährleistet. Dem Patienten sollte jedoch ausführlich erklärt werden, dass er die Tablette mit trockenen Händen und unzerbrochen unter die Zunge legen sollte, bis sie sich vollständig aufgelöst hat. „Aber auch wenn die Patienten die Tablette in der Wange verstecken wollen, bis die Schwester wieder fortgegangen ist, wird sie schnell resorbiert“, ergänzte Nasrallah. Zehn Minuten nach der Einnahme sollte Essen und Trinken vermieden werden. Der Experte rät seinen Patienten, schon vor der Tabletteneinnahme etwas zu trinken, damit sie sich anschließend nicht durstig fühlen und vielleicht doch die zehnminütige Karenzzeit durchbrechen.

 

Asenapin, so der Konsens der Experten, führe im Rahmen manischer Episoden einer Bipolar-I-Störung zu einer guten Reduktion manischer Symptome und zeichne sich durch ein günstiges metabolisches Profil aus.

 

 

Literatur

 

  • [1] McIntyre RS, Cohen M, Zhao J et al. Asenapine in the treatment of acute mania in bipolar I disorder: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Affect Disord 2010, 122 (1-2): 27-38. [2] McIntyre RS, Cohen M, Zhao J et al. A 3-week, randomized, placebo-controlled trial of asenapine in the treatment of acute mania in bipolar mania and mixed states. Bipolar Disord 2009, 11 (7): 673-686.
  • [3] McIntyre RS, Cohen M, Zhao J et al. Asenapine versus olanzapine in acute mania, a double-blind extension study. Bipolar Disord 2009, 11 (8): 815-826.
  • [4] McIntyre RS, Cohen M, Zhao J et al. Asenapine for long-term treatment of bipolar disorder: a double-blind 40-week extension study. J Affect Disord 2010, 126 (3): 358-365.
  • [5] Szegedi A et al. Asenapine as adjunctive treatment for acute mania associated with bipolar disorder: Results of a 12-week core study and 40-week extension. J Clin Psychopharmacol 2012, 32: 46-55.
  • [6] Shahid M et al. Asenapine: a novel psychopharmacological agent with a unique human receptor signature. J Psychopharmacol 2009, 23: 65-73.
  • [7] Fachinformation Sycrest®, Oktober 2011

 

 

Über Sycrest®

 

Sycrest® ist ein Antipsychotikum, das seit dem 1. September 2010 in allen 27-EU-Ländern für die Behandlung mäßiger bis schwerer manischer Episoden einer Bipolar-I-Störung bei Erwachsenen zugelassen ist. Weitere Hinweise zur Verschreibung finden sich in der Fachinformation von Sycrest®. Sycrest® ist eine eingetragene Handelsmarke von N.V. Organon, einer Tochtergesellschaft der Firma Merck & Co., Inc., Whitehouse Station, N.J., U.S.A.

 

 

Über Lundbeck

 

Lundbeck ist ein international tätiges Pharmaunternehmen, das 1915 in Dänemark gegründet wurde und heute 5.900 Mitarbeiter in 57 Ländern beschäftigt. Der deutsche Firmensitz ist in Hamburg. Das „Unternehmen ZNS“ hat sich auf die Entwicklung und den Vertrieb innovativer Medikamente zur Behandlung von psychischen und neurologischen Erkrankungen spezialisiert.

 


 

Quelle: Satellitensymposium der Firma Lundbeck zum Thema “Incorporating a treatment option into the management of patients with bipolar I disorder or schizophrenia" im Rahmen des 165. APA-Kongresses, Philadelphia/USA, 06.05.2012. (tB)

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