Therapie der weiblichen Belastungsinkontinenz mit Duloxetin

Expertenerfahrungen: Aus der Praxis – für die Praxis

Bad Homburg, 20. März 2008 – Welche Erfahrungen machen Kliniker und Niedergelassene bei der Therapie von Symptomen der weiblichen Harninkontinenz und welche Handlungsempfehlungen lassen sich daraus ableiten? Antworten gaben spezialisierte Gynäkologen bei einem Lunch-Symposium von Lilly Deutschland auf dem diesjährigen Fortbildungskongress der Frauenärztlichen BundesAkademie (FBA). Die Experten betonten dabei den Stellenwert von Duloxetin1 und gaben Empfehlungen für die Behandlung. Daneben stellten sie sich den Fragen, welcher Arzt welche Patientin therapieren sollte – und wie die Wirtschaftlichkeit der Therapie belegt werden könnte.

„In Klinik und Praxis gibt es keine nennenswerten Unterschiede bei der Herangehensweise an die konservative Behandlung einer Harninkontinenz“, berichtet Dr. Rainer Lange, niedergelassener Gynäkologe aus Alzey. Im Dialog tauschte der Praktiker gemeinsam mit Dr. Gert Naumann, Leiter der Abteilung Urogynäkologie an der Mainzer Universitätsklinik, Erfahrungen zu Therapie und Diagnostik aus. In der Regel gäbe es zwei Möglichkeiten, wenn eine inkontinente Patientin ihren Arzt aufsuche: überweisen oder selbst behandeln. „Auch Frauenärzte, die nicht urogynäkologisch tätig sind, können nach Durchführung der Basisdiagnostik eine konservative Therapie der Belastungsinkontinenz initiieren“, ergänzte Naumann. Wichtig sei dabei, dass die Diagnostik zu einer klaren Differenzierung zwischen Drang- und Belastungsinkontinenz führe, erläuterte Lange weiter, „ist die Symptomatik nicht eindeutig, sollte vor Behandlungsbeginn ein spezialisierter Urogynäkologe hinzugezogen werden“.

Tipps zur Therapie
Für die Behandlung von Symptomen der weiblichen Belastungsinkontinenz empfehlen internationale Leitlinien2,3 den primären Einsatz konservativer Maßnahmen. Das einzige Medikament, das für die Indikation zugelassen ist, ist Duloxetin. „Damit ist der Wirkstoff ein wichtiger Baustein in der konservativen Therapie“, berichtete Privat Dozent Dr. Ralf Tunn, Leiter der Abteilung Urogynäkologie am Deutschen Beckenbodenzentrum am St. Hedwig Krankenhaus in Berlin und Vorsitzender des Symposiums.

Aber nicht nur Duloxetin sollte nach Meinung der Referenten in der Therapie berücksichtigt werden: „Belastungsinkontinenz ist eine multikausale Erkrankung. Folgerichtig sollte die Behandlung multimodal erfolgen“, erläuterte Lange. Er setze das Medikament daher meist gemeinsam mit einem angeleiteten Beckenbodentraining ein. Naumann ergänzte: „Die konservative Therapie mit reinem Beckenbodentraining wirke sich in der Regel erst nach einer gewissen Übungsdauer auf die Kontinenz aus. Hier kann Duloxetin mit seinem schnellen Wirkeintritt4 motivierend wirken.“ Zudem habe auch eine doppelblinde, randomisierte Studie5 die gute Wirksamkeit einer Kombinationstherapie gezeigt.

Kontinuierliche Compliance
Eine Kombination mit Beckenbodentraining ist nach Ansicht der Referenten auch eine Grundvoraussetzung für einen möglichen Auslassversuch. „Dieser sollte nach frühestens sechs bis neun Monaten erfolgreicher Therapie durchgeführt werden“, erläuterte Naumann. „Das Angebot eines Auslassversuches kann bereits früher erfolgen. Wir haben hierbei die Erfahrung gemacht, dass das Wissen um ein mögliches Ende der Therapie die Compliance der Patientin – gerade auch in Bezug auf ein konsequentes Beckenbodentraining – verbessern kann“.

Ebenfalls von großer Bedeutung für Therapieerfolg und Compliance sei ein intensives Patientinnenmanagement. „Hierzu gehören eine einschleichende Dosierung und eine ausführliche Aufklärung der Patientin vor Therapiebeginn“, erläuterte Tunn. „Duloxetin kann man nicht einfach auf den Tisch legen“, bestätigte auch Naumann, „es muss der Patientin erklärt werden“. Darüber hinaus sollte sie auch im weiteren Verlauf der Behandlung kontinuierlich begleitet werden: Neben der Verbesserung der Compliance kann eine konstante Begleitung den Vorteil haben, dass ebenso beständig dokumentiert wird. „Gerade bei einer Spezialisierung auf Harninkontinenz kann eine ausführliche Dokumentation, etwa im Falle eines Regresses, sehr hilfreich sein“, berichtete aus eigener Erfahrung Dr. Thomas Hagemeier, niedergelassener Gynäkologe und Konsiliararzt aus Suhl. Allgemein gehöre hierzu das Erfassen des Rentner-Anteils sowie eventuell anderer Praxisbesonderheiten. Wichtig sei in jedem Fall zudem die Dokumentation der klaren Diagnosestellung und – besonders im Hinblick auf die Verordnung von Duloxetin – der Inkontinenz-Episoden, etwa belegt anhand eines Miktionsprotokolls.

Abschließend appellierte Hagemeier an das Auditorium, das Thema Regress nicht totzuschweigen: „Lassen Sie uns untereinander mehr austauschen“.


Quelle: Lunch-Symposium „Belastungsinkontinenz – Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis” im Rahmen des Fortbildungskongresses der Frauenärztlichen BundesAkademie, 29. Februar 2008, Düsseldorf, veranstaltet von Lilly Deutschland GmbH.

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung