Tiere öffnen Türen zum Menschen mit Demenz

 

Neuer Ansatz in NRW: Tiergestützter Besuchsdienst will Betroffenen mehr Lebensfreude und ihren Angehörigen Entlastung geben

 

Köln (19. September 2008) – Tiere können den Kontakt zu Menschen mit Demenz sehr erleichtern. Während viele Familienangehörige ebenso wie professionell Pflegende keinen Zugang mehr zu den Erkrankten finden, sind Tiere oft so etwas wie „Türöffner" in deren eigene, scheinbar versunkene Welt.

„Wir kennen unzählige Menschen mit Demenz, die monatelang kein Wort mehr gesprochen und kaum auf menschliche Ansprache reagiert haben, plötzlich aber wie verwandelt waren, als ein Tier auftauchte", sagte Ines Jonas vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und der Landesinitiative Demenz-Service NRW auf einem Pressegespräch anlässlich des am 21. September stattfindenden Welt-Alzheimertages, bei dem der neue tiergestützte Besuchsdienst „4 Pfoten für Sie" für von Demenz betroffenen Familien in Köln vorgestellt wurde.

 

„Auf Tiere reagieren – nicht nur demenzkranke – Menschen sehr emotional. Sie rufen Gefühle und Erinnerungen in ihnen hervor, die sie auch wieder mit dem Leben um sich herum in Kontakt treten lassen", so Jonas weiter. Aus diesem Grund setzt sich das KDA seit vielen Jahren für die Ermöglichung von Tierbegegnungen in Einrichtungen der Altenhilfe ein. Entsprechend begrüßenswert sei daher auch das neue, so genannte „niedrigschwellige" Angebot, bei dem ehrenamtlich tätige Hundehalter zusammen mit ihren Vierbeinern Demenzkranke und ihre Angehörigen zuhause aufsuchen und betreuen werden.

 

Mit diesem in Nordrhein-Westfalen bisher einmaligen Angebot möchte die Landesinitiative Demenz-Service NRW neue Wege gehen, um von Demenz betroffene Familien zu entlasten und den Betroffenen mehr Lebensqualität zu schenken.

 

„Allerdings ist für diese verantwortungsvolle Tätigkeit und ihre Anerkennung nach dem Pflegeversicherungsgesetz eine vorangehende Qualifizierung unabdingbar", ergänzte Änne Türke vom Demenz-Servicezentrum für die Region Köln und das südliche Rheinland. 


Dort ist in Kooperation mit dem Verein „Porzer Bürger für psychisch Kranke", dem KDA und der  Hundeschule „Happy Dogs – Happy People" ein Schulungsprogramm für den tiergestützten Besuchsdienst „4 Pfoten für Sie"  entwickelt worden. „Es sieht vor, dass ab Januar 2009 interessierte Ehrenamtliche in 36 Stunden Grundkenntnisse zum Thema Demenz und zum fachgerechten Einsatz von Tieren vermittelt bekommen. Dabei geht es beispielsweise um Kommunikation mit Demenzkranken, Umgang mit herausforderndem Verhalten und die Wirkung von Tieren auf Menschen", erklärte Türke.

 

Wie umfassend das Schulungsprogramm ist, zeigt die Einbindung der Hundeschule. „Ein professioneller Blick auf den Hund ist wichtig, um die Mensch-Tier-Beziehungen richtig beurteilen zu können und um Überforderungen beim Tier zu vermeiden", erklärte der Inhaber von „Happy Dogs – Happy People", Michael Nehmann. „Denn nur wenn es den Tieren gut geht, können sie uns Menschen auch gut tun."

 

„Die bisherige Resonanz auf „4 Pfoten für Sie"  ist groß", berichtete Birte Turk vom Verein „Porzer Bürger für psychisch Kranke". „Uns liegt eine große Anzahl von Nachfragen sowohl von Seiten der von Demenz betroffenen Familien, die den Hundebesuchsdienst schon sehnsüchtig erwarten, als auch von potenziellen freiwilligen Besuchsdienstlern vor."

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe vom 19.09.2008.

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