MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Rezidivbehandlung des Platin-sensitiven Ovarialkarzinoms

Trabectedin verlängert die Gesamtüberlebenszeit signifikant

 

Berlin (7. Juli 2011) – Mit der Kombination aus Trabectedin plus pegyliertem Doxorubicin (PLD) steht erstmals eine Platin- und Taxan-freie Rezidivtherapie für Patientinnen mit Platin-sensiblem Ovarialkarzinom zur Verfügung, welche die Überlebenszeit der Patientinnen signifikant verlängert. Dies zeigen die Endergebnisse der randomisierten Phase III-Studie OVA-301, deren Ergebnisse auf der diesjährigen ASCO-Jahrestagung vorgestellt wurden. Einen besonders deutlichen Überlebensvorteil hatten die Patientinnen mit einem Platin-freien Intervall (PFI) von 6-12 Monaten.

 

„Das sind beachtenswerte Ergebnisse“, betonte Prof. Jalid Sehouli, Direktor der Frauenklinik an der Charité Berlin, auf einem Pressegespräch von PharmaMar1. Dass für die rezidivierte Therapiesituation Gesamtüberlebensdaten generiert werden, ist laut Sehouli selten. Noch seltener sei es, dass sich ein Überlebensvorteil zeigt. Trabectedin ist laut Sehouli bislang die einzige Substanz, die bei rezidivierten Patientinnen mit Platin-sensiblem Ovarialkarzinom einen Überlebensvorteil erreicht hat.

 

 

Trabectedin/PLD induziert Überlebensvorteil in der Rezidivsituation

 

Die aktuellen Überlebensdaten basieren auf der Endauswertung der OVA-301-Studie und einer medianen Nachbeobachtungszeit von 47,4 Monaten. Über 650 Patientinnen mit rezidiviertem Platin-sensiblen Ovarialkarzinom waren alternativ mit 1,1 mg/m² Trabectedin (3h-Infusion) plus 30mg/m² PLD, jeweils alle drei Wochen, bzw. im Kontrollarm mit 50 mg/m² PLD als Monotherapie alle vier Wochen, behandelt worden. Sowohl für das Gesamtkollektiv als auch für alle PFI-Subgruppen mit Platin-sensiblem Ovarialkarzinom zeigten sich signifikante Wirksamkeitsvorteile, die sich in der finalen Auswertung der Studiendaten in einem Überlebensvorteil niederschlugen. Besonders deutlich profitierte die Subgruppe der Patientinnen mit einem PFI von 6-12 Monaten, die als eingeschränkt Platin-sensibel gelten. Hier erreichte die Kombination Trabectedin/PLD eine relative Reduktion des Sterberisikos um 36% (HR 0,64; p=0,0027). Die mediane Gesamtüberlebenszeit dieser Patientinnen wurde um sechs Monate auf insgesamt 22,4 Monate im Vergleich zu 16,4 Monaten im Kontrollarm verlängert. Für das Gesamtkollektiv reduzierte die Kombination Trabectedin/PLD das relative Sterberisiko um 18% gegenüber den Patientinnen im Kontrollarm (HR 0,82, p=0,029). Die Patientinnen mit einem PFI über zwölf Monate überlebten unter Trabectedin/PLD im Median 36,5 versus 31,7 Monate (HR 0,83). Die Gesamtgruppe der Platin-sensiblen Patientinnen (PFI ≥ 6 Monate) überlebte im Median 27 Monate im Vergleich zu 24,1 Monaten unter PLD-Monotherapie, was einer relativen Reduktion des Sterberisikos um 22% (HR 0,78) entspricht. Im Rahmen der Auswertung erwies sich das kontinuierliche PFI im Behandlungsverlauf als wichtiger Prädiktor für die Gesamtüberlebenszeit der Patientinnen. Dies erklärt, dass sich die Vorteile der neuen Kombination bei der progressionsfreien Überlebenszeit2 in einem Überlebensvorteil niederschlugen3.

 

 

Trabectedin: keine Alopezie

 

Ein wichtiger Vorteil von Trabectedin ist laut Sehouli die Verträglichkeit, die in der Rezidivsituation einen besonders hohen Stellenwert hat. Er wies darauf hin, dass Trabectedin keine Alopezie induziert. Hand-Fuß-Syndrome (Grad 3-4) waren aufgrund der niedrigeren PLD-Dosierung deutlich seltener als im Monotherapiearm (4% vs. 20%). Hauptnebenwirkung war/ist die Hämatotoxizität, die die Patientinnen subjektiv nicht bzw. kaum spüren und die sich durch supportive Maßnahmen klinisch handhaben lässt.

 

Die hohe Wirksamkeit der neuen Platin- und Taxan-freien Kombination führt Sehouli unter anderem auf den einzigartigen Wirkmechanismus von Trabectedin sowie auf synergistische Effekte beider Substanzen zurück. Die Reduktion des relativen Sterberisikos, speziell in der Subgruppe der nur eingeschränkt Platin-sensitiven Patientinnen (PFI 6-12 Monate), sei ein wichtiger Schritt, die Prognose der Patientinnen zu verbessern. Zukünftig stelle sich die Frage, ob es nicht auch mit Blick auf die Verträglichkeit günstiger ist, nach Platin-haltiger Erstlinientherapie die Platin-freie Kombination mit Trabectedin/PLD zu geben und erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder eine Platin-haltige Therapie einzusetzen. Letzteres sei möglich, da Trabectedin keine Kreuzresistenz zu Platin besitzt. Sehouli verwies auf die aktuelle Leitlinie der AGO-Ovar, in der Trabectedin als Option für die Rezidivtherapie aufgenommen ist.

 

 

Quellen 

  1. PharmaMar Fach-Pressegespräch „ASCO 2011 – Neue therapierelevante Daten zur Behandlung des Ovarialkarzinoms bei Trabectedin“ am 07. Juli 2011 in Berlin.
  2. Monk et al., JCO 2010, 28: 3107-14
  3. Monk et al., Proc ASCO JCO 2011, 29 (suppl): #5046

 

 


Quelle: Pressegespräch der Firma PharmaMar zum Thema “ASCO 2011 – Neue therapierelevante Daten zur Behandlung des Ovarialkarzinoms bei Trabectedin“ am 07.07.2011 in Berlin (Ogilvy Healthworld Düsseldorf) (tB).

MEDICAL NEWS

COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…