Verschlechterung der Wundversorgung durch Corona-Pandemie

Wie können patientenorientierte Lösungen und optimierte Behandlungspfade die Versorgung verbessern?

 

Monheim (14. Oktober 2021) — Die Corona-Krise hat behandelnde Ärzte und Pflegedienste bei der Versorgung von Patienten mit akuten und chronischen Wunden vor große Herausforderungen gestellt. Diabetespatienten gehören zu den größten Patientengruppen mit chronischen Wunden, bei denen eine rechtzeitige und konsequente Wundbehandlung essenziell ist, um insbesondere der Entwicklung des Diabetischen Fußsyndroms (DFS) vorzubeugen. Eine enge Zusammenarbeit aller an der Wundversorgung beteiligten Akteure und der Einsatz innovativer Technologien, wie z.B. UrgoStart® Plus, können dazu beitragen, chronische Wunden bestmöglich zu versorgen und Folgeschäden, z.B. Amputationen, zu verhindern. Bei entsprechender Schulung und Wundversorgung könnte eine Vielzahl dieser Amputationen vermieden werden.1

Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben zu einer Verschlechterung der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden geführt. Manche Patienten gingen aus Sorge vor einer COVID-19-Infektion zu spät oder zu selten zum Arzt, die persönliche Betreuung durch Pflegekräfte zu Hause musste oft auf das Nötigste beschränkt werden und wurde nicht selten von Angehörigen übernommen. Hinzu kommt, dass Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, wie z. B. Diabetes, ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf einer COVID-19-Infektion haben2 und daher besondere Vorsicht geboten war. Die COVID-19 bedingte Sterblichkeit liegt bei komorbiden Patienten grundsätzlich höher als in der Durchschnittsbevölkerung: 7,3 % bei Diabetespatienten im Vergleich zu 2,3 %.3

 

Höhere Amputationsraten durch unzureichende Wundversorgung während der Pandemie

Das Diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine häufige Folgeerkrankung bei Diabetes und tritt bei 1 von 4 Diabetespatienten auf.4 Oft einhergehend mit Depressionen5 und einer erhöhten Infektionswahrscheinlichkeit6 kann das DFS auch in einer Amputation enden.7 Diese Amputationen könnten bei entsprechender Schulung und Wundversorgung in bis zu 85 % der Fälle1 vermieden werden. „Im Zuge der Corona-Pandemie wurden Wund-Diagnosen häufig zu spät gestellt und Behandlungen verzögert eingeleitet“, erklärt Prof. Dr. med. Ralf Lobmann, Stuttgart. Dies führte zu komplikationsreicheren Verläufen mit höheren Amputationsraten. So zeigte eine Studie bei Diabetespatienten während der Pandemie eine 10,8 % höhere Wahrscheinlichkeit für Amputationen im Vergleich zum Zeitraum vor der Pandemie.8 Auch die Fallzahl und der Schweregrad von Wundinfektionen erhöhten sich.8

 

Engere Vernetzung aller Akteure für optimiertes Wundmanagement

Die veränderte Versorgungsrealität während der Pandemie ermöglichte aber auch eine engere sektorenübergreifende Zusammenarbeit und die Entwicklung angepasster Behandlungswege (Pathways)9,10, die maßgeblich die Entwicklung und Etablierung von telemedizinischen Systemen und die Digitalisierung des Wundverlaufs vorangebracht haben. „Die Telemedizin, Entscheidungshilfen, Behandlungspfade und digitale Tools können dazu beitragen, relevante Patienten schneller zu identifizieren und ein optimales Wundmanagement sicherzustellen“, unterstreicht Dr. med. Arthur Grünerbel, München. Eine engmaschige Begutachtung und Versorgung durch Fach- und Hausärzte, ausgebildete Wundmanager und MFAs und der Einsatz von innovativen  Verbandmitteln (z. B. UrgoStart® Plus, das aus zwei exklusiven Technologien besteht: der TLC-NOSF-Wundheilungsmatrix® und polyabsorbierenden Fasern) können viel dazu beitragen, den Patienten optimal zu versorgen, Wunden schneller zu heilen und somit Folgeschäden zu verhindern.

 

Healico App erleichtert die Wunddokumentation

Zur Erleichterung einer effizienten und Datenschutzkonformen Wunddokumentation, auf die das gesamte Behandler- und Pflegeteam des Patienten Zugriff hat, hat URGO Medical die Healico App entwickelt, welche auch den datenschutzrechtlichen Vorgaben der DSGVO entspricht. Die digitale Anwendung erlaubt die Speicherung von Fotos der Wunden von Patienten und ermöglicht die Interaktion zwischen dem medizinischen Fachpersonal in der  Pflege, in der ärztlichen Praxis sowie auch mit dem stationären Bereich. Dadurch kann nicht nur das Wundmanagement optimiert, sondern auch wertvolle Zeit gewonnen werden, die wiederum dem Patienten zugutekommt.

Auch der Fußpass11 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und das neue Fast-TrackSchema für die Pflege12, mit dem Wunden systematisiert untersucht und eingeordnet werden können, sind hilfreiche Instrumente, die die Therapie unterstützen können, so Grüner-bel.

 

Die Kontrolle behalten bei keimbelasteten Wunden

Infizierte Wunden stellen oft eine besondere Herausforderung für das gesamte Behandler- und Pflegeteam dar und erfordern häufig – insbesondere unter den erschwerten Bedingungen einer Pandemie – individuelle Lösungen. „Infizierte Wunden heilen nicht“, verdeutlicht Jan Forster, Fachkrankenpfleger und Dozent aus Bremen. Erst wenn die Infektion beseitigt ist, könne eine Heilung erfolgen. Ob eine lokale Infektion vorliegt und welche antiseptische Therapie anzuwenden ist, könne man in der Praxis mit Hilfe des sogenannten TILI-Scores13 ermitteln. Hier stellen Wundauflagen mit der TLC-Ag-Wundheilungsmatrix eine gute und erstattungsfähige Option dar.

Art und Stadium der Wunde sind ausschlaggebend für die Wahl des verwendeten Materials, das bei der Wundversorgung zum Einsatz kommt. Hier steht heute ein breites Angebot an modernen Produktlösungen zur Verfügung, die für jede Wunde eine passende Option bietet. „Das wichtigste Ziel bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden“, so Jan Forster, „ist eine Verbesserung der Lebensqualität durch eine Beschleunigung des Wundheilungsprozesses.“ So können Wundauflagen mit TLC-NOSF-Wundheilungsmatrix® bei chronischen Wunden zu einer verkürzten Wundheilungsdauer beitragen.

Das Thema Kompression spielt bei der Vorbeugung von Komplikationen aufgrund venöser und arteriovenöser Gewebeschwächung eine große Rolle. Durch angepassten Druck auf die unteren Extremitäten kann ein Rückfluss des Blutes und damit einhergehende Blutstauung verhindert werden. Letztere ist für zahlreiche Wunden verantwortlich. Die richtige Druckverteilung ist dabei essenziell und eine Herausforderung für das Pflegepersonal. Eine orientierende Markierung, wie bei dem Mehrkomponenten-Kompressionssystem UrgoK2®, hilft bei der Einstellung des therapeutisch notwendigen Drucks. „Zudem haben MehrkomponentenKompressionssysteme den Vorteil, dass sie über mehrere Tage, ohne zu verrutschen, getragen werden können. Dies reduziert gerade in Pandemie-Zeiten die Anzahl der notwendigen Patientenkontakte, so dass der Wechsel von Wundauflage und Kompressionssystem in der gleichen Frequenz erfolgen kann“, erklärt Jan Forster.

„Die Folgen der Corona-Krise für Menschen mit chronischen Wunden haben uns gezeigt, wie wichtig eine eng vernetzte Betreuung und individuell auf die Patienten zugeschnittene Lösungen sind“, sagt Prof. Dr. Lobmann abschließend. Patientenorientierte Lösungen und optimierte interdisziplinäre und multiprofessionelle Behandlungspfade können die Wundversorgung dieser Patienten entscheidend verbessern.

 

 

URGO GmbH

Als kompetenter und zuverlässiger Partner für Ärzte, Pflegedienste, Fachhändler, Homecareunternehmen, Sanitätshäuser, Kliniken und Apotheken bietet die URGO GmbH optimale und innovative Lösungen zur bedarfsgerechten Behandlung und bestmöglichen Versorgung von Wunden.
URGO GmbH gehört zum Unternehmensbereich von URGO Medical, welche Teil der französischen familiengeführten Unternehmensgruppe URGO ist.
Mit den Standorten in Sulzbach/Saar und Monheim/Rhein beschäftigt URGO GmbH 225 Mitarbeiter deutschlandweit und steuert die Aktivitäten für die DACH-Region. Europaweit zählt URGO Medical zu den führenden Herstellern im Bereich der modernen Wundversorgung.
Die Mission der URGO GmbH ist es, für jede Wunde eine innovative Lösung zu finden, um die Lebensqualität der Menschen nachhaltig zu verbessern.

 

 

Literaturverweise

  1. IDF Diabetes Atlas, 9th edn. International Diabetes Federation, 2019. http://www.diabetesatlas.org. Aufgerufen 05.10.2021
  2. Ruan Q, Yang K, Wang W, Jiang L, Song J. Clinical predictors of mortality due to COVID-19 based on an analysis of data of 150 patients from Wuhan, China. Intensive Care Med. March 2020. doi:10.1007/s00134-020-05991-x
  3. COVID-19 Clinical Guidance For the Cardiovascular Care Team. ACC Clinical Bulletin. Februar 2020. https://www.acc.org//~/media/Non-Clinical/Files-PDFs-Excel-MS-Word-etc/2020/02/S20028-ACC-Clinical-Bulletin-Coronavirus.pdf. Aufgerufen 05.10.2021
  4. Setacci C et al. Diabetic patients: epidemiology and global impact. J Cardiovasc Surg. 2009, 50(3):263-73
  5. Fu-Hui J et al. The Incidence of Depression in Patients With Diabetic Foot Ulcers: A Systematic Review and Meta-Analysis. The International Journal of Lower. 2020; Extremity Wounds 1-13
  6. 6 Lavery LA et al. Risk factors for foot infections in individuals with diabetes. Diabetes Care. 2006;29:1288-93
  7. Armstrong DG et al. Diabetic Foot Ulcers and Their Recurrence. N Engl J Med 2017; 376: 2367–75.
  8. 8 Casciato DJ et al. Diabetes-related major and minor amputation risk increased during the COVID-19 pandemic. J Am Podiatr Med Assoc. 2020 Nov 3:20-224. doi: 10.7547/20-224. Epub ahead of print
  9. 9 Rogers LC et al. All Feet On Deck-The Role of Podiatry During the COVID-19 Pandemic: Preventing hospitalizations in an overburdened healthcare system, reducing amputation and death in people with diabetes. J Am Podiatr Med Assoc. 2020 Mar 25. doi: 10.7547/20-051
  10. Meloni M et al. Fast-track pathway for diabetic foot ulceration during COVID-19 crisis: A document from Inter-national Diabetic Foot Care Group and D-Foot International. Diab Metab Res Rev 2020;e3396
  11. Deutsche Diabetes Gesellschaft, https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fuerbehandelnde/diabetes-fusspaesse, Abruf am 08.10.2021
  12. Fast-Track-Behandlungspfad für Patienten mit Diabetes mellitus und Ulkus / Wunde am Fuß für nichtärztliches Personal. https://www.fussnetz-bayern.de/files/poster-behandlungspfad.pdf. Aufgerufen 08.10.2021
  13. Dissemond J et al. Therapeutic index for local infections score (TILI): a new diagnostic tool. J Wound Care. 2020 Dec 2;29(12):720-726. doi: 10.12968/jowc.2020.29.12.720. PMID: 33320745

 

 

Download

 

 

 


Quelle: Virtuelles Pressegespräch der Firma URGO medical am 14.10.2021 zum Thema “Wundmanagement 2021 – den Herausforderungen der Pandemiemit patientenorientierten Lösungen begegnen” (tB).

Schlagwörter: , ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…