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Versorgung von Schizophreniepatienten

Gelingt der Transfer wissenschaftlichen Fortschritts in die Praxis?

 

Bonn/Wedel (11. April 2008) – Behandlungsmöglichkeiten und Therapieziele der Versorgung von Schizophreniepatienten haben sich in den letzten zehn Jahren gravierend verändert. Mit der Etablierung von atypischen Neuroleptika wurden eine gut verträgliche Langzeittherapie und die Beeinflussung auch von Negativ- und Begleitsymptomatik möglich. Einer der jüngsten Fortschritte in der Psychopharmakotherapie ist die Zulassung von retardiertem Quetiapin (Seroquel® Prolong) zur täglichen Einmalgabe. Durch schnelle Aufdosierung und einfache Dosierung kann das neue Präparat zur Verbesserung der Compliance beitragen. Moderne Therapiekonzepte nutzen darüber hinaus auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie die Psychoedukation und beziehen im sogenannten „Shared Decision Making“ Patienten und Angehörige aktiv in die Therapieplanung ein. Eine Umsetzung dieser Maßnahmen gelingt zurzeit im Rahmen der Regelversorgung nur begrenzt. Chancen hierfür bieten sich jedoch im Rahmen von Projekten zur Integrierten Versorgung.

 

In den letzten zehn Jahren hat die Psychiatrie entscheidende Fortschritte gemacht. Mit atypischen Neuroleptika ist heute eine gut verträgliche Langzeittherapie mit guter Wirksamkeit auf Positiv- und Negativsymptomatik sowie auf depressive, aggressive und kognitive Begleitsymptome möglich. Starke extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen gehören weitgehend der Vergangenheit an. Gleichzeitig gewinnen Patienten- und Angehörigen-relevante Outcome-Parameter immer mehr an Bedeutung.

 

„Jahrzehntelang konnten wir hauptsächlich Positivsymptome beeinflussen und hatten mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen zu kämpfen“, sagte Professor Gaebel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Rheinische Kliniken Düsseldorf – Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Präsident der DGPPN, auf einer Pressekonferenz von AstraZeneca. „Mit der Etablierung der Antipsychotika der zweiten Generation haben sich die Therapiemöglichkeiten bei der Behandlung von Patienten mit Schizophrenie deutlich erweitert.“ Ziel der Behandlung ist heute nicht mehr allein eine gute Kontrolle der Positivsymptomatik sondern eine möglichst weitreichende Remission der Beschwerden. Die moderne Therapie zielt auf eine Verbesserung/Wiederherstellung der kognitiven und beruflichen Leistungsfähigkeit der Betroffenen, ihre affektive Stabilität, das psychosoziale Funktionsniveau und eine möglichst gute Lebensqualität ab.

 

Kernproblem in der Behandlung von Schizophreniepatienten bleibt allerdings die Compliance. Das Absetzen der antipsychotischen Medikation ist einer der stärksten Prädiktoren für einen klinischen Rückfall (1). Eine möglichst einfache, einmal tägliche Dosierung kann die Therapietreue der Patienten unterstützen. Gute Voraussetzungen hierfür bietet die retardierte Form von Quetiapin (Seroquel® Prolong). Sie lässt sich schnell aufdosieren und wird einmal täglich zur Nacht eingenommen. Darüber hinaus können nicht-medikamentöse Maßnahmen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Auch hier hat die Psychiatrie in den vergangenen Jahren einen deutlichen Wandel erfahren. Im „Shared Decision Making“ wird der Patient als Partner in die Therapie einbezogen und an möglichst vielen Entscheidungen beteiligt. Dazu gehören auch Absprachen zwischen Arzt und Patient z. B. darüber, wie die Therapie während eines Rückfalls weitergeführt werden soll. Auch die Aufklärung des Patienten mittels Psychoedukation und die Einbeziehung der Angehörigen haben sich als sehr nützlich erwiesen.

 

Die Möglichkeiten, die neue Medikamente und neue Therapiekonzepte bieten, lassen sich in der Regelversorgung durch niedergelassene Psychiater und Psychotherapeuten bislang aber nur schwer oder gar nicht umsetzen. „Im Rahmen der Regelversorgung ist eine optimale ambulante Versorgung von psychisch Kranken zurzeit aus budgetären Gründen kaum möglich“, erklärt Dr. Frank Bergmann, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN). „Ein ganzheitlicher Therapie-Ansatz, der – gemäß bio-psycho-sozialem Krankheitsmodell – Pharmakotherapie, psychiatrische Therapie, störungsspezifische Psychotherapie sowie Psychoedukation beinhaltet, wird in der Regelversorgung nicht vergütet“, so Bergmann weiter.

 

Eine Chance auf eine bessere und kosteneffizientere Versorgung bieten Modelle zur Integrierten Versorgung. Im Rahmen dieser speziellen Verträge zwischen Leistungserbringern und Kassen lassen sich z. B. Reibungsverluste zwischen den Sektoren vermeiden und Patienten sektorenübergreifend betreuen. Aufgrund der besseren Vergütung können die Patienten hier leitlinienkonform behandelt werden. Moderne Medikamente und Therapiekonzepte finden dabei Anwendung. Aber nicht nur die Qualität der Behandlung lässt sich durch integrierte Versorgungsmodelle verbessern, auch Kosten können reduziert werden. Denn durch die bessere Versorgung lassen sich Rückfälle und kostenintensive Krankenhausaufenthalte vermeiden. Diese Möglichkeit wird jedoch in der Psychiatrie immer noch zu selten genutzt.

 

„Integrierte Versorgungsmodelle bieten die Möglichkeit wissenschaftlichen Fortschritt in die tägliche Praxis zu überführen“, erklärte Professor Dr. Dr. Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen. „Allerdings kann nur dann ein relevanter Teil der Patienten davon profitieren, wenn es uns gelingt, erfolgreiche Modellprojekte in einem größeren Umfang – oder sogar als Teil der Regelversorgung – zu etablieren.“

 

Literatur

  1. Robinson D et al.: „Predictors of relapse following response from a first episode of schizophrenia or schizoaffective disorder“, Arch Gen Psychiatry 1999; 56: 241-247


Quelle: Pressekonferenz der Firma AstraZeneca zum Thema "Gelingt der Transfer wissenschaftlicher Fortschritte in die Praxis? Möglichkeiten und Realität der Versorgung von Schizophrenie-Patienten" am 11.04.2008 in Bonn (GCI HealthCare).

 

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