Viele Medikamente nicht bei pädiatrischen Patienten zugelassen

Versorgungsdefizite bei Kindern und Jugendlichen mit Psoriasis

 

Wiesbaden (29. April 2015)  ̶  Bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit schwerer Psoriasis besteht Optimierungsbedarf. Die Frühdiagnose der Erkrankung ist für Nicht-Dermatologen nicht immer einfach, zudem sind bisher nur wenige topische und systemische Therapeutika für pädiatrische Patienten zugelassen, wie führende Dermatologen bei einem AbbVie-Symposium während der Tagung Dermatologische Praxis in Frankenthal betonten.


Eine Psoriasis besteht oft lebenslang. Bei einem Krankheitsbeginn in der Kindheit ist mit einer Erkrankungsdauer von 60 Jahren und länger zu rechnen, betonte Professor Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen und Direktor der Psoriasis-Ambulanz am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Leidensdruck und Stigmatisierung von Patienten mit gut sichtbaren Hautläsionen sind bei Kindern und Jugendlichen besonders groß. Mit zunehmender Krankheitsdauer kumulieren die seelischen Belastungen der Patienten; die Lebensqualität wird immer weiter eingeschränkt1.

 

 

Risiko lebenslanger kumulierender Belastungen und Chronifizierung

 

Nach dem CLCI (Cumulative Life Course Impairment)-Konzept sind elf Faktoren für die Lebensbelastung und die Prognose von Psoriasis-Patienten besonders relevant, berichtete Prof. Augustin2. Dazu zählen insbesondere Schweregrad der Erkrankung, Erkrankungsdauer und frühzeitiger Krankheitsbeginn, aber auch Erleben von Stigmatisierung, Fehlen von sozialer Unterstützung, negativer Einfluss auf die Arbeit, schlechte Krankheitsbewältigung und Komorbiditäten. So leiden Kinder und Jugendliche mit Psoriasis rund doppelt so häufig unter weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder rheumatoider Arthritis als Gleichaltrige ohne Psoriasis3. Auch das Risiko für psychiatrische Störungen ist deutlich erhöht4. „Je schwerer die Psoriasis und die erlebte Stigmatisierung sind und je mehr physische und psychische Komorbiditäten bestehen, desto vulnerabler sind die Patienten und desto höher ist das Risiko für einen chronischen Verlauf“, so Prof. Augustin.

 

Der Zeitpunkt der Intervention sollte daher nicht verschlafen werden, betonte der Dermatologe, denn ein früher Therapiebeginn könne zur Verbesserung von Prognose und Lebensqualität der Patienten beitragen. Gerade die Früherkennung der Hauterkrankung könnte für Nicht-Dermatologen jedoch schwierig sein, sagte Dr. Sandra Philipp, Hautärztin an der Charité in Berlin. Als wichtigste Differentialdiagnose nannte sie das atopische Ekzem, insbesondere das nummuläre Ekzem mit etwa münzgroßen Hautläsionen. Es können auch Mischformen zwischen atopischem Ekzem und Psoriasis vorliegen.

 

 

Nationale Versorgungsziele: Früherkennung und frühzeitige Therapie

 

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und der Bundesverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) haben u.a. folgende nationale Versorgungsziele 2010-2015 bei Psoriasis formuliert5:

 

  • Frühzeitige Behandlung und gute Lebensqualität
  • Früherkennung von Psoriasis-Arthritis und Komorbidität

 

Auch die Weltgesundheitsorganisation sieht Handlungsbedarf bei der Psoriasis-Versorgung und hat 2014 in einem Statement-Papier mehr Aufmerksamkeit für die Erkrankung gefordert6. Bisher gibt es keine S3-Leitlinie zur Psoriasis-Therapie im Kindesalter. Führende Experten und Gremien haben deshalb ein nationales Konsensuspapier mit Evidenz-basierten Empfehlungen erstellt7. Darin wird ebenfalls auf die Therapielimitationen bei Kindern und Jugendlichen hingewiesen, sowohl in der topischen als auch der systemischen Therapie, weil die meisten Medikamente nicht für alle Altersgruppen zugelassen sind. Auch Phototherapien werden in der Regel erst bei über 10-Jährigen empfohlen und sollten nicht langfristig eingesetzt werden, sagte Dr. Philipp. Standard sei neben der Basistherapie die spezifische lokale Therapie mit Glukokortikoiden und Vitamin-D-Analoga. Wenn dies nicht ausreiche, eine großflächige Psoriasis vorliege oder chronisch wiederkehrende Schübe auftreten, sollte systemisch behandelt werden, so die Dermatologin.

 

 

Zulassung des Antikörpers Adalimumab

 

Seit 26. März 2015 gibt es eine neue systemische Therapieoptionen für Kinder und Jugendliche mit schwerer chronischer Plaque-Psoriasis: Die Europäische Kommission hat den therapeutischen Antikörper Adalimumab (Humira®) für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ab vier Jahren mit unzureichendem Ansprechen auf topische Therapie und Phototherapien zugelassen. Es handelt sich dabei um die niedrigste Alterszulassung für ein Biologikum zur Psoriasistherapie bei Kindern. Die zulassungsrelevanten Daten aus Phase-III-Studien zur Therapie mit Adalimumab werden im Juni auf dem World Congress Dermatology (WCD) in Vancouver vorgestellt und demnächst veröffentlicht.

 

Psoriasis ist im Kindesalter nicht selten: In Europa sind rund 750.000, in Deutschland 150.000 Kinder betroffen8, berichtete Prof. Augustin. Am häufigsten beginne die Erkrankung bei Kindern zwischen dem zweiten und dritten sowie dem zehnten und zwölften Lebensjahr, sagte Dr. Philipp. Die meisten haben eine Plaque-Psoriasis (60%-75%), auch im Gesicht, den Armbeugen oder im Genitalbereich – die Plaques seien dabei häufig kleiner, flacher und weniger schuppend als bei Erwachsenen9, so die Dermatologin. Bei bis zu 30% der Betroffenen liegt nach ihren Erfahrungen eine Psoriasis guttata (mit sehr kleinen Plaques) oder eine Nagel-Psoriasis vor. Symptomatisch leiden die Patienten vor allem unter Juckreiz.

 

 

Über AbbVie

 

AbbVie (NYSE:ABBV) ist ein globales, forschendes BioPharma-Unternehmen, das 2013 aus der Aufteilung von Abbott entstanden ist. Ziel von AbbVie ist es, mit seiner Expertise, seinem einzigartigen Innovationsansatz und seinen engagierten Mitarbeitern innovative Therapien für einige der komplexesten und schwerwiegendsten Krankheiten der Welt zu entwickeln und bereitzustellen. Aktuell beschäftigt AbbVie weltweit mehr als 26.000 Mitarbeiter und vertreibt seine Medikamente in über 170 Ländern. In Deutschland ist AbbVie an seinem Hauptsitz in Wiesbaden und seinem Forschungs- und Produktionsstandort in Ludwigshafen vertreten. Insgesamt beschäftigt AbbVie Deutschland rund 2.400 Mitarbeiter.

 

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Literatur  

  1. Kimball A et al., JEADV 2010; 24: 989-1004
  2. Augustin M. in „Current Problems of Dermatology“, Vol.44, Hrsg. Linder D, Kimball A, Karger-Verlag, 2013
  3. Augustin M et al., Br J Dermatol 2010; 162; 633-636
  4. Kimball A et al., J Am Acad Dermatol 2012; 67(4): 651-657.e2
  5. Nationale Versorgungsziele Psoriasis 2010-2015, www.versorgungsziele.de
  6. News Release WHO, 23/May/2014: World Health Assembly progress on noncommunicable diseases and traditional medicine. http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/WHA-20140523/en/
  7. Sticherling M et al., JDDG 2011; 9: 815-824
  8. Augustin M: Versorgung der Psoriasis in Deutschland, Fakten 2014, 1. Auflage, Januar 2014
  9. Benoit S, Hamm H: Hautarzt 2009; 60: 100-108

 


Quelle: AbbVie, 29.04.2015 (tB).

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