Vorbericht zur Stammzelltransplantation bei Patienten mit Multiplem Myelom erschienen

 

Allogene Transplantationen sollten nur im Rahmen von Studien eingesetzt werden

 

Berlin (19. Januar 2011) – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat am 19.10.2011 die vorläufigen Ergebnisse zur Bewertung des Nutzens von Stammzelltransplantationen bei Patientinnen und Patienten mit multiplem Myelom vorgelegt. Ziel des Projekts ist es insbesondere, verschiedene Varianten der Stammzelltransplantation miteinander zu vergleichen. Bis zum 16.02.2010 können interessierte Personen und Institutionen schriftliche Stellungnahmen zu diesem Vorbericht abgeben.

 

 

Vielfältige Behandlungsvorschläge …

 

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung des Bluts, die von Patient zu Patient sehr unterschiedlich verlaufen kann. Die Erkrankung wird meist erst behandelt, wenn Patientinnen oder Patienten unter Beschwerden zu leiden beginnen. Allerdings sind die Heilungsaussichten nicht gut. Leitlinien empfehlen in dieser Situation bei vielen Patienten eine sogenannte autologe Stammzelltransplantation, bei der eigene Stammzellen des Patienten verwendet werden.

 

Bei einer Stammzelltransplantation wird zunächst mit einer Hochdosis-Chemotherapie das kranke Knochenmark des Patienten zerstört (Konditionierung). Anschließend werden Stammzellen eines Spenders übertragen, die sich neu im Knochenmark ansiedeln. Bei einer autologen Stammzelltransplantation werden dem Patienten die Stammzellen vor der Hochdosis-Chemotherapie entnommen und danach wieder rückübertragen. Stammt das Transplantat von einer anderen (fremden) Person, spricht man von einer allogenen Stammzelltransplantation. Hierbei unterscheidet man zwischen verwandten und nicht verwandten Spendern. Auch allogene Transplantationen werden heute von einigen Ärzten bei Patienten mit Multiplem Myelom eingesetzt.

 

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG systematisch nach Studien gesucht, die verschiedene Varianten der Stammzelltransplantation bei Patienten mit Multiplem Myelom miteinander verglichen haben. Insgesamt hat das IQWiG 5 Therapievergleiche untersucht und dabei insbesondere nach Daten zur Überlebenszeit, unerwünschten Ereignissen und Lebensqualität gesucht.

 

 

… wenige verlässliche Studien

 

Insgesamt konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts nur 15 geeignete Studien finden, die für eine Bewertung des Nutzens verwendbare Daten berichteten. Für viele der untersuchten Therapievergleiche ließen die Studien jedoch keine verlässlichen Aussagen zu. Zur Lebensqualität fanden sich überhaupt keine Daten.

 

Dennoch kann das IQWiG einige Schlussfolgerungen ziehen. Für die autologe Transplantation fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Beleg, dass eine zweimalige Übertragung mit patienteneigenen Stammzellen im Vergleich zu einer eimaligen Transplantation die Zeit bis zu einem Rückfall verlängern kann.

 

Für die allogene Übertragung von Stammzellen von verwandten Spendern geben die bisherigen vorläufigen Ergebnisse aber Anlass zur Vorsicht: Nach den Daten könnte die Lebenserwartung der Patienten, die eine allogene Transplantation mit einer aggressiven Vorbehandlung erhalten, sogar verkürzt sein im Vergleich zu Patienten, die eigene Stammzellen erhalten. Sicher nachgewiesen ist, dass die von einer anderen Person stammenden Zellen bei manchen Patienten eine Abstoßungsreaktion auslösen, die selbst tödlich enden kann. Diese Nebenwirkung kann bei einer Übertragung eigener Zellen nicht auftreten.

 

 

Zwiespältige Antworten

 

Möglicherweise hängen Nutzen und Schaden der allogenen Transplantation aber von der Aggressivität der Vorbehandlung ab. In manchen Studien war eine sogenannte dosisreduzierte Konditionierung eingesetzt worden. Diese Variante ist weniger aggressiv (toxisch) und damit verträglicher. Die Studien gaben einen Hinweis, dass Patienten, die eine allogene Stammzelltransplantation mit solch einer dosisreduzierten Konditionierung bekamen, länger überlebten als Patienten, die eigene Stammzellen erhalten hatten. Diesem Hinweis auf einen Nutzen stand jedoch ebenfalls ein Beleg für einen Schaden durch Abstoßungsreaktionen gegenüber.

 

Wegen solcher offenen und komplexen Fragen plädiert das IQWiG dafür, allogene Transplantationen bei Patienten mit Multiplem Myelom nur im Rahmen von Studien vorzunehmen, die klare Aussagen über Nutzen und Schaden erlauben. In diesen Studien sollten zudem nur dosisreduzierte Konditionierungen eingesetzt werden.

 

 

Zum Ablauf der Berichtserstellung

 

Die erste Version des Berichtsplans für dieses Projekt hatte das IQWiG im August 2006 vorgelegt und nach einer Ergänzung im Juni 2007 um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit einer Würdigung und dem überarbeiteten Berichtsplan im November 2007 publiziert. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern die Stellungnahmen Fragen offen lassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. Danach wird der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht an den Auftraggeber G-BA weitergeleitet.

 

Einen Überblick über Hintergrund, Vorgehensweise und weitere Ergebnisse des Vorberichts gibt folgende Kurzfassung (PDF, 69 kB).

 

 


Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 18.01.2011 (tB).

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