Abb.: Schlagzeilen über Epidemien beeinflussen deren Wahrnehmung - inwiefern untersuchten HZI-Forscher in einer Studie. © HZI / DornbuschWahrnehmung der Ebola-Krise in Deutschland

Unzureichende Aufklärung über Ebola

 

Braunschweig (23. März 2015) – Ob Schweinegrippe, SARS oder Ebola, immer wieder sind in den letzten Jahren weltweit Epidemien ausgebrochen. Ausbrüche, die für Schlagzeilen sorgen und das Verhalten von Menschen beeinflussen, selbst wenn diese weit weg vom Krisengebiet leben. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun untersucht, wie der aktuelle Ebola-Ausbruch von den Menschen in Niedersachsen wahrgenommen wurde und wie er ihr Verhalten beeinflusst hat.


Wie eine Epidemie weltweit wahrgenommen wird, beeinflusst das Verhalten der Menschen und kann dadurch Auswirkungen für den Verlauf der Epidemie vor Ort haben. „Wenn die Leute Angst haben, sich mit Ebola zu infizieren, könnten sie anfangen, bestimmte Personen zu meiden- beispielsweise afrikanische Mitbürger oder Personen, die von einem Afrika-Aufenthalt zurückkehren“, sagt Prof. Rafael Mikolajczyk, Leiter der Arbeitsgruppe Epidemiologische und statistische Methoden am HZI. „Dies ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem, sondern kann auch verstärkt zum Verheimlichen der Erkrankung und damit zu Übertragungen führen.

Er und seine Kollegen haben deshalb in Niedersachsen rund tausend Bürgerinnen und Bürger dazu befragt, was sie über das Virus wissen, wie sie das Risiko einer Erkrankung einschätzen und wie sehr sie sich davon bedroht fühlen. Dabei fanden die Forscher unter anderem heraus, dass fast jeder dritte Befragte tatsächlich Angst vor einer Erkrankung hatte, viele aber trotzdem ihr Verhalten ändern würden, wenn in einem Krankenhaus in ihrer Nähe ein Ebola-Patient aus Afrika behandelt werden würde. Etwa die Hälfte der Befragten wäre darüber hinaus für eine verpflichtende Impfung gegen das Ebola-Virus.

„Während damit zu rechnen war, dass ein Großteil der Befragten sich nicht direkt von Ebola bedroht fühlt, überrascht es uns doch, dass so viele Leute ihr Verhalten ändern würden, wenn ein Erkrankter zur Behandlung im nahegelegenem Krankenhaus eingeflogen wurde“, sagt Nicole Rübsamen, Doktorandin am HZI und Erstautorin der Studie.

„Bei unserer Befragung wussten beispielsweise nur vier Prozent der Teilnehmer, über welche Wege das Virus übertragen wird und über welche nicht“, sagt Mikolajczyk. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Bevölkerung zu wenig über die Krankheit weiß. Im schlimmsten Fall kann eine von einer solchen falschen Wahrnehmung verursachte Verhaltensänderung sich auch auf den Verlauf der Epidemie vor Ort auswirken und dort zusätzliche Probleme verursachen“, sagt Rübsamen. „Wenn die Leute zu viel Angst vor der Ansteckung haben, melden sich womöglich weniger Helfer und die Epidemie wird langsamer gestoppt.“

Umso wichtiger ist es laut den Forschern, die Bevölkerung detailliert zu informieren und Fehleinschätzungen bei künftigen Epidemien zu vermeiden. „Eine Panik hilft beim Ausbruch einer Epidemie niemandem weiter und muss unbedingt vermieden werden, da es sonst zu Überreaktionen kommt, die für den Kampf gegen die Krankheit schädlich sind“, sagt Mikolajczyk.

 

 

Originalpublikation

 

  • Nicole Rübsamen, Stefanie Castell, Johannes Horn, André Karch, Jördis J. Ott, Heike Raupach-Rosin, Beate Zoch, Gérard Krause, Rafael T. Mikolajczyk
    Ebola Risk Perception in Germany, 2014
    Emerging Infectious Diseases, 2015,
    DOI: 10.3201/eid2106.150013


Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

 

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Am seinem Standort in Braunschweig-Stöckheim blickt das Zentrum auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Bereits 1965 begannen hier die ersten Arbeiten; 2015 feiert das HZI 50-jähriges Jubiläum.

 

 

Abb. oben: Schlagzeilen über Epidemien beeinflussen deren Wahrnehmung – inwiefern untersuchten HZI-Forscher in einer Studie. © HZI / Dornbusch

 

 

Weitere Informationen

 

 

 


Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, 23.03.2015 (tB).

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