Durchbruch bei „Schwangerschaftsvergiftung“

Weltweit erste erfolgreiche Behandlung einer Präeklampsie

 

Köln (25. Mai 2010) – Ein Expertenteam der Uniklinik Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Benzing, Direktor der Klinik IV für Innere Medizin, und Prof. Dr. Peter Mallmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik, hat ein neues Verfahren zur Therapie der sogenannten „Schwangerschaftsvergiftung“ (Präeklampsie), einer gefürchteten Schwangerschaftserkrankung, entwickelt.

 

Die Präeklampsie tritt bei circa 5 – 8 Prozent aller Schwangeren nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und ist mit erhöhtem Blutdruck (Hypertonie) und dem Verlust von Eiweiß im Urin (Proteinurie) verbunden. Der Schweregrad der Erkrankung variiert, sie kann jedoch für Mutter und Kind lebensgefährlich sein. In Deutschland sterben bei der Geburt jährlich fünf Frauen an den Folgen der Präeklampsie. Schätzungsweise 15.000 – 20.000 Kinder müssen jährlich vorzeitig „geholt“ werden.

Bislang gibt es für die Präeklampsie keine Therapie. Um das Leben der schwangeren Mutter und das des Kindes zu schützen, bleibt einzig der Kaiserschnitt, der mit hohen Gefahren für das Kind verbunden ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby bei der Geburt stirbt oder mit Behinderungen überlebt beträgt je nach Schwangerschaftsalter bis zu 80 Prozent.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Harvard Medical School aus Boston hat das Kölner Expertenteam nun einen vielversprechenden Ansatz zur Therapie dieser schwerwiegenden Erkrankung entwickelt. Im Blut von Präeklampsie-Patientinnen entdeckte man ein Eiweiß, welches zur Krankheitsentstehung beiträgt. Dieses Eiweiß heißt „sFlt1“ und kann inzwischen im Blut quantitativ nachgewiesen werden. Die Höhe der gefundenen Werte lässt Aussagen über die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung zu und über die zu erwartende Schwere. So entwickeln Frauen mit erhöhten „sFlt1“-Werten bis zu doppelt so häufig eine Präeklampsie.

An der Uniklinik Köln wurden nun weltweit die ersten beiden Patientinnen erfolgreich mit einer neuen Blutwäsche behandelt. Hierbei wird das auslösende Eiweiß aus dem Blut gewaschen. Die Mediziner sprechen von einem möglichen sensationellen Durchbruch. „Zum ersten Mal sind wir dem Ziel, Patientinnen mit Präeklampsie eine effektive Therapie anbieten zu können, ganz nahe“, so Prof. Peter Mallmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik. „Selbst wenn unsere Therapieform nicht dazu beiträgt, einen völlig normalen Schwangerschaftsverlauf zu erreichen, so kann das Kind trotzdem länger im Bauch bleiben. Für die Entwicklung des Fötus sind das entscheidende Tage und Wochen.“

Sein Kollege Prof. Thomas Benzing freut sich darüber, dass man mit Hilfe der Technik der Blutwäsche eine neue Therapieform für eine bisher nicht behandelbare Krankheit gefunden hat: „Das ist das Resultat einer konsequenten Spitzenforschung von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen an der Uniklinik Köln und der Harvard Universität.“ Der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende der Uniklinik Köln, Prof. Dr. Edgar Schömig, freut sich über die erfolgreiche, interdisziplinäre Zusammenarbeit in seinem Haus: „Mit diesem Therapieansatz können wir der Schwangerschaftsvergiftung ein wenig von ihrem Schrecken nehmen. Diese innovative Behandlung kommt direkt aus der Forschung, dient aber bereits heute unseren Patientinnen. Das ist universitäre Forschung im besten Sinn.“

 


 

Quelle: Uni Köln, 25.05.2010 (tB).

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