Weltweite Kampagne gegen Akutschmerz

 

Mit dem "Global Year against Pain" kämpfen Ärzte, Forscher  und Pflegewissenschaftler der Uni Witten/Herdecke gegen unnötige Schmerzen

 

Witten/Herdecke  (8. November 2010) – "Indianerherz kennt kein’ Schmerz" – das ist für Prof. Dr. Edmund Neugebauer so ein Satz, der ihm Schauer über den Rücken laufen lässt: "Nach einer Operation oder bei invasiven Verfahren, sind akute Schmerzen überflüssig, nutzlos und nachteilig. Heute können wir diese  Schmerzen ausschalten, die schmerzfreie Operation ist längst machbar. Nur viele Ärzte und Pflegende wissen es noch nicht und die Patienten fordern es bisher  zu wenig ein", erklärt der Schmerzforscher und Inhaber des Lehrstuhls für Chirurgische Forschung vom UW/H-Campus Köln-Merheim. Die Kliniken der Stadt Köln (Universitätsklinikum der UW/H) waren das bundesweit erste Krankenhaus, das bereits 2006 im Rahmen der Initiative Schmerzfreie Klinik das TÜV- Zertifikat für eine gute Schmerztherapie erhalten hat. Neugebauer leitet federführend die weltweite Kampagne "Global Year against Pain", das die Internationale Schmerzgesellschaft IASP am 18. Oktober 2010 ausgerufen hat.

 

 

Patienten leiden unnötig

 

Mehr als 80 Prozent der Patienten in deutschen Krankenhäusern leiden unnötig an starken Schmerzen. Das hat eine kürzliche Analyse bei über 4.000 Patienten durch das Team des Projekts "Schmerzfreies Krankenhaus" ergeben. Sowohl auf konservativen als auch auf chirurgischen Stationen gaben mehr als die Hälfte der Patienten an, unerträgliche Schmerzen zu haben. Das "Zähne-zusammenbeißen" hat Folgen: Wer Schmerzen hat, atmet flach – Lungenentzündungen können die Folge sein. Wenn jede Bewegung schmerzt, liegen Patienten länger, erholen sich langsamer, werden schlapp. Mangelhaft behandelte akute Schmerzen verursachen oft dauerhafte Schmerzen. Ist der Schmerz erst einmal chronisch geworden – und dies ist abhängig vom operativen Eingriff zu 10-50 % der Fall – leiden Patienten oft jahrelang. Schmerzexperten fordern daher eine bessere Therapie akuter Schmerzen in Notaufnahmen, im Krankenhaus, nach Operationen und an der Schnittstelle zwischen Krankenhaus und hausärztlicher Versorgung. Sie setzen sich u.a. ein für mehr Studien zum Akutschmerzmanagement, die unter Routinebedingungen durchgeführt werden (auch mit älteren Patienten, die an mehreren Krankheiten leiden) und Kosten-Nutzen-Faktoren einbeziehen.

 

 

Verständliche Leitlinien

 

Leitlinien zum Schmerzmanagement sollen allgemeinverständlich verfasst seinund vor Ort zur Verfügung stehen. Stetige Evaluation und Anpassung sollten selbstverständlich sein. Patienten, Angehörige und die Öffentlichkeit sollten informiert werden und zusätzliche Möglichkeiten der Schmerzlinderung kennen. Eine entsprechende evidenzbasierte Patientenleitlinie befindet sich in Vorbereitung. Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Kampagne inklusive einer Bürgerversammlung findet in Bremen anlässlich des Jahreskongresses der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Akutschmerz vom 25. – 27. November statt.

(www.akutschmerzkongress.de)

 

Die DGSS plant im Global Year against Acute Pain einenTag des Akutschmerzes sowie ein Symposium zum Globalen Jahr des Akutschmerzes im Mai/Juni 2011 in Berlin.

 

 

Mehr Informationen im Netz

 

http://www.dgss.org

http://www.iasp-pain.org

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=78168

http://www.tuv.com/de/vorgehensweise_initiative_schmerzfreie_klinik.html

http://www.quips-projekt.de

 

 


Quelle: Private Universität Witten/Herdecke, 08.11.2010 (tB).

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