Weniger Arbeitslose wichtiger als qualifizierte Betreuung demenzkranker Menschen?

 

Berlin (19. August  2008) – Das neue Pflegeweiterentwicklungsgesetz sieht Verbesserungen in der Betreuung und Versorgung demenzkranker Menschen vor. Damit wird einer der häufigsten Kritikpunkte an der Pflegeversicherung aufgegriffen. „Mit der Initiative der Bundesagentur für Arbeit, ab Herbst eine große Zahl Langzeitarbeitsloser für die Betreuung demenzkranker Menschen zu schulen,  wird die Verbesserung der Arbeitslosenstatistik über die berechtigten Ansprüche der Pflegebedürftigen gestellt“, meint Gudrun Gille, Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe e.V. „Für die Betreuung und Begleitung von demenzkranken Menschen ist eine qualifizierte pflegefachliche Versorgung erforderlich!“ so Gille weiter. „Um auf die Besonderheiten im Alltag der Pflegebedürftigen und die daraus resultierenden Probleme dieser Menschen und ihrer Angehörigen eingehen zu können, bedarf es spezieller Fachkenntnisse und Erfahrungen.“ Hier bestehe der größte Handlungsbedarf.

 

Eine hohe Sozialkompetenz und ein wertschätzender Umgang sind notwendig. Beides ist sicherlich auch bei einigen langzeitarbeitslosen Menschen vorhanden, die nicht über eine Berufsqualifikation als dreijährig ausgebildete Pflegefachkraft verfügen. Doch erst in der Verbindung mit der fachlichen Qualifikation wird daraus ein sinnvolles Betreuungsangebot. Umso wichtiger ist es, qualifizierte Betreuer und Pflegefachkräfte in einer angemessenen  Anzahl in Altenhilfeeinrichtungen zu beschäftigen. Dies ist aktuell in nur wenigen Einrichtungen die Realität.

 

Die Arbeit mit demenzkranken Menschen ist eine hohe psychische Belastung. Beschäftigte mit geringerer Qualifikation können z.B. häufig Gefühle von Nähe und Distanz nicht professionell unterscheiden. Sie brauchen qualifizierte Anleitung, Begleitung und Beaufsichtigung. Die Arbeit im multiprofessionellen Team erfordert zusätzliche Strukturen und mehr Absprachen, die wiederum Zeit in Anspruch  nehmen, die der Pflege der Betroffenen verloren geht. Demenzkranke Menschen können sich nicht wehren. Nur durch die Professionalität der Akteure ist hier die menschenwürdige und qualifizierte Betreuung und Pflege zu gewährleisten.

 

Die Initiative der Bundesagentur für Arbeit, 10.000 Langzeitarbeitslose in Kurzkursen von 160 Std. für diese Aufgaben zu qualifizieren, lässt vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit 1-EURO-Kräften in Pflegeeinrichtungen das Schlimmste befürchten. Es werden unabhängig von der persönlichen Eignung und Motivation arbeitslose Menschen in diese Kurse gedrängt werden. Ein Scheitern im Alltag ist vorprogrammiert. Auch die vorgesehenen 160 Stunden sind in jedem Fall  zu gering für die Anforderungen. Zu befürchten ist mit der neuen Qualifikation für Langzeitarbeitslose mehr Bürokratie und Kosten. Hinweise, dass die Betroffenen tatsächlich eine bessere Versorgung erwarten können, sehen wir mit dieser Maßnahme nicht.  

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe e.V. vom 19.08.2008.

 

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