Neue Studie zeigt, dass kennzahlenbasierte Steuerung während der Coronavirus-Pandemie die Kapazitäten im Krankenhaus optimiert und so bessere gesundheitliche Versorgung ermöglicht

Wenn Kennzahlen im Krankenhaus Leben retten

 

Witten/Herdecke (12. Mai 2021) — Während der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie waren Krankenhäuser erstmals mit der Situation konfrontiert, ihre Infrastruktur anzupassen, um die bisherige Gesundheitsversorgung bei steigenden Hospitalisierungsraten aufrechtzuerhalten. Schnell setzte sich in der Ressourcenplanung ein zentraler Indikator – die Anzahl der COVID-19-Betten – durch. Das Ziel: Standardbetriebsabläufe und das physische Layout des Krankenhausbetriebs sollten unter Krisenbedingungen beherrschbar bleiben. Auf dem Höhepunkt der ersten Welle wurde dieser Indikator in mehrere „Bettenindikatoren“ ausdifferenziert, um Versorgungskapazitäten aufzubauen, die Personalplanung voranzutreiben und frühzeitig Lösungen für die Materialbeschaffung zu finden.

Dr. Nadine Gerhardt von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und ihre Ko-Autoren setzten sich sodann mit der Frage auseinander, wie die kennzahlenbasierte Steuerung in deutschen Krankenhäusern seit Beginn der COVID-19-Krise dazu beiträgt, Kapazitäten zu planen und die Pflegeversorgung nachhaltig sicherzustellen. Ihre Untersuchungen sind jüngst in der Studie „Organizing care during the COVID-19 pandemic: The role of accounting in German hospitals“ erschienen.

 

Kennzahlenbasierte Kapazitätsoptimierung

„Wir fanden heraus, dass sich im Krankenhaus-Management seit Ausbruch der Pandemie ein zentrales Set von Kennzahlen rund um die Anzahl der Betten für COVID-19-Patietinnen und Patienten durchgesetzt hat. Mit Hilfe dieser Indikatoren war es dem Krankenhausmanagement möglich, die bestehenden Versorgungskapazitäten zu problematisieren, neu zu organisieren und planbar zu machen, um die Behandlung von allen Patientinnen und Patienten nachhaltig zu gewährleisten“, fasst Studienautorin Dr. Nadine Gerhardt das Ergebnis der Beobachtungen zusammen. In den letzten Monaten der ersten Welle seien diese Bettenindikatoren dann verwendet worden, um neue Notfallkonfigurationen zu virtualisieren, die allmähliche Rückkehr zur „Normalität“ im Krankenhausalltag zu erleichtern und gleichzeitig Kapazitäten zu erhalten, um auf künftige COVID-19-Wellen vorbereitet zu sein. Steuerungsrelevante Kennzahlen hätten entscheidend dazu beigetragen, aus einer völlig unklaren Situation planbare Handlungen abzuleiten und Entscheidungsgrundlagen zu liefern.

 

Theorie & Methode

In früheren Studien stand die allokative Funktion des Rechnungswesens in Krisensituationen im Fokus, d.h. die Verteilung von Ressourcen – etwa den Geldern, die ein Krankenhaus aus verschiedenen Quellen zur Kostendeckung erhält. „In unserer Studie nutzen wir einen neuen Indikator-basierten Ansatz, um die Frage zu beantworten, wie das Rechnungswesen konkret dazu beiträgt, in der COVID-19-Krise Strukturen und Prozesse planbar zu halten“, erklärt Dr. Nadine Gerhardt den theoretischen Kontext der Untersuchung.

Dazu erforschte das Autorenteam Entscheidungsprozesse in fünf Krankenhäusern, die Teil desselben Konzerns und geografisch über fünf verschiedene Bundesländer in Deutschland verteilt sind. Im Untersuchungszeitraum März bis August 2020 führten die Autorinnen und Autoren zahlreiche Interviews mit Ärztinnen, Ärzten, Krankenhausmanagerinnen und –managern durch.

 

 

Originalpublikation

 

 


Quelle: Universität Witten/Herdecke, 12.05.2021 (tB).

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