Langzeitstudie zu Herzinfarkt-Patienten

Wer sich häufig ärgert stirbt früher

 

Düsseldorf (31. August 2011) – Herzinfarkt-Patienten die sich häufig ärgern oder gestresst sind haben eine schlechtere Prognose. Das sind die Ergebnisse einer Zehn-Jahres-Studie des Instituts für Klinische Physiologie in Pisa (Italien), die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Paris vorgestellt wurde. Negative Emotionen wie Feindseligkeit, Wut, Depressionen, Angst und soziale Isolation sind Herz-schädigend, während positive Gefühle wie Phantasie, Mitgefühl und spirituelle Interessen das Herz schützen, berichten die Studienautoren.

 

Die Studie mit 228 Teilnehmern aus 13 italienischen Herzstationen, die zwischen 1990 und 1995 einen Herzinfarkt erlitten hatten, untersuchte den Einfluss von Verhaltensmustern auf die Prognose von Infarkt-Patienten. Die Patienten wurden zunächst einem Persönlichkeitstest (Cattells Sixteen Personality Factors Questionnaire and Psy Inventory) unterzogen und dann zehn Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit gab es 51 kardiale Ereignisse wie einen neuerlichen Herzinfarkt. Mithilfe eines statistischen Analyseverfahrens (Cox Modell) untersuchten die Studienautoren, welche Faktoren (z.B. Alter, Geschlecht, psychische Faktoren, klinische Daten etc.) eine Vorhersage dieser Ereignisse ermöglichten. Die Ergebnisse zeigten, dass das in besonders hohem Ausmaß auf Ärger- und Stress-bezogene Störungen zutraf. Patienten mit einem hohen Niveau von Ärger und Wut hatten ein 2,3fach höheres Risiko als Patienten die sich wenig ärgerten. Bei Menschen mit einem hohen Stress-Niveau betrug das Risiko das 1,9fache gegenüber jenen mit wenig Stress.

Während unter den Patienten, die sich wenig ärgerten, 78,5 Prozent in zehn Jahren keinen weiteren Herzinfarkt hatten, waren es unter denen mit einem hohen Wut- und Ärger-Niveau nur 57,4 Prozent.

„Diese Zusammenhänge sind bedeutsam für Patienten nach einem akuten Herzinfarkt mit ihrer speziellen Verletzlichkeit und ihrem erhöhten Risiko. Die gute Nachricht ist, dass diese Patienten die Chance haben, ihr Verhalten zu ändern“, so Studienleiter Dr. Franco Bonaguidi. „Das ist ein günstiger Zeitpunkt für psychologische Interventionen und Verhaltenstherapie, wenn Patienten dies brauchen.”

Diese Ergebnisse, so die Studienautoren, legen die Notwendigkeit eines multidimensionalen therapeutischen Zugangs nahe, der neben körperlicher und medikamentöser Therapie auch eine psychotherapeutische Behandlung einschließt. Diese sollte nicht nur übertriebene Wut und Ärger behandeln, sondern auch tiefer liegenden Schmerz, der sich häufig in Wut und Ärger ausdrückt.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7.800 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.


 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK), 31.08.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung