Wie wir ein Gesicht erkennen

 

Jena (10. Januar 2010) – Es ist ein alltäglicher und scheinbar selbstverständlicher Prozess: Wir sehen ein bekanntes Gesicht und erkennen die Person. Doch welche Mechanismen laufen bei der Personenwahrnehmung ab? Wieso können wir das Gesicht identifizieren, egal ob es lacht, weint oder Grimassen schneidet? Mit den Mechanismen der Gesichter- und Personenwahrnehmung und ihrer Speicherung im Gehirn beschäftigen sich bereits seit längerem auch Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Gruppe um Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger wird für ihre Untersuchungen zur "Beschreibung und Analyse neuronaler Korrelate der Gesichtserkennung" nun der Thüringer Forschungspreis 2009 in der Kategorie "Grundlagenforschung" verliehen, wie das Thüringer Wissenschaftsministerium gerade bekannt gegeben hat. Prof. Schweinberger, Dr. Jürgen M. Kaufmann und Dr. Holger Wiese erhalten ein Preisgeld in Höhe von 17.500 Euro.

"Wir freuen uns besonders über diese Auszeichnung", sagt Prof. Schweinberger, "da sie unsere grundlegenden Arbeiten, die an der Schnittstelle zwischen der Psychologie und den Neurowissenschaften liegen, honorieren, lange bevor wir eine direkte Praxisanwendung entwickelt haben. Daher ist der Preis auch Ansporn, diese Grundlagenforschungen weiter zu führen und in die Anwendung zu überführen". "Dieser Preis bestätigt erneut die hohe Qualität der Forschungen an der Friedrich-Schiller-Universität", freut sich auch Forschungs-Prorektor Prof. Dr. Herbert Witte. "Gerade die Verleihung an eine weitere Gruppe aus der Psychologie – nachdem die Psychologen um Amélie Mummendey 2005 und Wolfgang Miltner 2001 ausgezeichnet wurden – zeigt, dass die Universität ihre Forschungsschwerpunkte richtig gesetzt hat", sagt Witte.

"Gesichter liefern eine Vielzahl an sozialen Informationen, etwa über Alter, Geschlecht, Identität oder Gefühlszustand einer Person, und werden vermutlich durch andere Hirnmechanismen verarbeitet als andere visuelle Reize", erläutert Prof. Schweinberger. Bei der Begegnung mit einem unbekannten Menschen würden durch das gegenseitige Taxieren bestimmte Kategorien abgerufen, beispielsweise "jung" oder "alt", "männlich" oder "weiblich". "Dadurch stecken wir die Personen, deren individueller Hintergrund uns fehlt, bewusst oder unbewusst in verschiedene Schubladen", veranschaulicht der Jenaer Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Psychologie den zumeist nur Sekundenbruchteile währenden Vorgang im Alltag.

Wie die Gesichterwahrnehmung funktioniert, wie Gesichter im Gehirn repräsentiert werden und wie die Wiedererkennung mit anderen Informationen verknüpft wird, gehört zu den zentralen Forschungsfragen von Schweinberger, der bereits drei neuronale Verbindungszentren mitidentifiziert hat.

Jedoch ist die Gesichtswahrnehmung nur ein Teilgebiet des weitaus komplexeren Feldes der Personenwahrnehmung. Um diese zu erforschen, etablierte Schweinberger 2009 die Forschergruppe "Person Perception", die erheblich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, an der Universität Jena, die für die Forschungen u. a. hervorragend ausgestattete Labore zur Verfügung stellt.

Der in drei Kategorien vergebene und mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Thüringer Forschungspreis wird am 11. Februar in der Friedrich-Schiller-Universität Jena verliehen. Der öffentliche Festakt mit allen Preisträgern findet um 13.30 Uhr in der Aula des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) statt.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der  Friedrich-Schiller-Universität Jena vom 10.01.2010 (tB).

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