Wiedereinstieg erwünscht – aber bitte flexibel!

Perspektiven für Berufsrückkehrerinnen in der Gesundheitswirtschaft

 

Gelsenkirchen (20. April 2010) – Die Chancen für einen Wiedereinstieg in den Beruf stehen in der Gesundheitswirtschaft nicht schlecht. Die Wachstumsbranche mit bundesweit 4,6 Millionen Beschäftigten (2009) verzeichnet Beschäftigungsgewinne vor allem im Bereich Altenhilfe, Gesundheits- und Krankenpflege und Physiotherapie. Rund 15 bis 20 Prozent ihres Personals rekrutieren die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft aus Berufsrückkehrern, meist qualifizierten Fachkräften, denen erhebliche Flexibilität abverlangt wird. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels könnte hier eine beachtliche Reserve mobilisiert werden, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Fachhochschule Gelsenkirchen).

 

Im Rahmen eines vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Projektes hat das IAT in Kooperation mit der "Landesinitiative Netzwerk W – Förderung der Aktivitäten regionaler Netzwerke zur Unterstützung der Rückkehr in den Beruf" (hier: die Städte Bochum und Herne) die Perspektiven für Wiedereinsteigerinnen in der Gesundheitswirtschaft untersucht. Häufig stehen die belastenden Arbeitsbedingungen, aber auch die Unsicherheit vieler Arbeitgeber bezüglich der weiteren Entwicklung des lokalen Gesundheits- und Pflegesektors der Nutzung der vorhandenen Jobpotenziale gegenüber. Mögliche Tätigkeitsfelder für Wiedereinsteigerinnen stehen nicht selten auch in Konkurrenz zu Beschäftigungsoptionen für ältere Pflegekräfte. "Ein systematisches Personal- und Wiedereinstiegsmanagement mit alltagsnahen (über-)betrieblichen Qualifizierungsangeboten steht zudem bislang aus", so die IAT-Wissenschaftlerinnen Michaela Evans und Sandra Dörpinghaus.

 


"Beschäftigungsknick" durch mehrjährigen Ausstieg

Seit 2000 hat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Gesundheitswirtschaft um 13 Prozent zugelegt, Teilzeit sogar um mehr als die Hälfte und geringfügige Beschäftigung um ein Drittel. In der Branche mit hohem Anteil weiblicher Beschäftigter (z.B. Arzthelfer/innen 99%, Zahntechnik 56%) gibt es besonders in der Altersgruppe der 25-bis 39-Jährigen einen "Beschäftigungsknick". Wer nach dem meist 2- bis 5-jährigen Ausstieg wieder einsteigt, tut das in 2/3 der Fälle beim früheren Arbeitgeber. Der berufliche Wiedereinstieg von "außen" ist eher die Ausnahme. Viele halten während der Familienphase Kontakt zum Arbeitsumfeld, informell oder über geringfügige Beschäftigung.

Wie die Untersuchung zeigt, hängen die Chancen zum Wiedereinstieg ab von der Ausstiegsdauer, dem konkreten Tätigkeitsfeld und dem Qualifikationsniveau. In spezialisierten Fachbereichen, z.B. Intensivpflege, Anästhesiepflege, OP-Bereich, steigen die Beschäftigten aus Sorge um Entwertung ihres Fachwissens häufiger möglichst früh wieder ein. Der Wiedereinstieg erfolgt primär als "training on the job", allerdings kollidieren die für Arbeitgeber interessanten Arbeitszeiten – Wochenende, Ferien – oft mit Familienzeiten. Ein qualifikations- und motivationsgerechter, belastungsreduzierter Arbeitseinsatz für Wiedereinsteigerinnen gilt zwar als gemeinsames Ziel, in der Praxis scheitern flexible Wiedereinstiegsangebote aber oft an organisatorischen Hindernissen: "Das können wir organisatorisch gar nicht leisten!"

Derzeit steht Facharbeit auf der Wunschliste der Arbeitgeber ganz oben, z.B. die examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Altenpflegerin kann gerne zurückkehren. Ohne abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf stehen die Chancen eher schlecht. Aber auch neue Qualifikationsstufen entstehen zwischen gesundheitsbezogener Facharbeit und Hilfstätigkeiten, etwa bei patienten- und bewohnernahen, aktivierenden Betreuungs- und Begleitungsdiensten, Assistenzqualifikationen, Serviceleistungen im Bereich Dokumentation, Koordination und Beratung. Niedrigschwellige Einstiege bieten sich für Versorgungsassistenten, Verpflegungsassistenten, Patientenbegleitung, Stationssekretärinnen oder Servicekräfte für das "Patientenhotel" (Wahlleistungspatienten im Krankenhaus). An Bedeutung gewinnen werden auch Pflege, Betreuung und Begleitung von Menschen mit Migrationshintergrund (kultursensible Pflege und Altenhilfe) und der Umgang mit demenziell veränderten Menschen.


Quelle: Institut Arbeit und Technik, 20.04.2010 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung