„Wir sind auf dem richtigen Weg“ – Aktuelle Studie stärkt Intensivmediziner in ihrer Behandlungsstrategie

  • Stationen kämpfen mit immer mehr Kündigungen des Pflegepersonals

 

Nürnberg (29. März 2021) — Auf den Intensivstationen in Deutschland gelingt es immer häufiger, schwerkranke Covid-19-Patienten zu retten: Wie aus einer aktuellen medizinischen Studie der Universität Erlagen hervorgeht, liegt die Sterblichkeit der beatmeten Patienten inzwischen bei rund 39 Prozent. Zum Ende der zweiten Pandemie-Welle musste man noch von etwa 50 Prozent ausgehen.

 

Kortison und Blutverdünnungsmedikamente gewinnen an Bedeutung

„Diese Ergebnisse zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg!“, sagt Professor Dr. Frank Wappler, Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI). Er spricht für mehr als 15.000 Anästhesistinnen und Anästhesisten, von denen viele seit Monaten auf den Intensivstationen Covid-19-Patienten behandeln. „Wir werden in der Versorgung der Patienten laufend besser, weil wir über die Erkrankung immer mehr wissen, aus der Erfahrung mit den Krankheitsverläufen und aus medizinischen Studien.“ Ein Beispiel dafür sei der Einsatz von Dexamethason: Inzwischen habe man herausgefunden, dass durch das Kortison mehr beatmete Covid-19-Patienten überleben. Ein anderes Beispiel ist die Verwendung von Medikamenten zur Vermeidung von Blutgefäßverschlüssen: Auch sie haben in der Therapie stark an Bedeutung gewonnen, wobei es auf strikt patientenbezogene Dosierung ankommt.

Für die Studie zur Sterblichkeit von Covid-19-Patienten wurden die Krankheitsverläufe von mehr als 1300 Patienten aus 14 deutschen Universitätskliniken von Januar bis September vergangenen Jahres untersucht. Waren die Patienten beatmet, lag die Sterblichkeit bei 38,8 Prozent. Im Schnitt blieben die beatmeten Patienten etwas vier Wochen im Krankenhaus.

 

Anästhesisten greifen auf bewährte Maßnahmen zurück

DGAI-Präsident Wappler geht davon aus, dass viele Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen auch deshalb gerettet werden können, weil die Anästhesistinnen und Anästhesisten auch auf ihre grundlegenden Fähigkeiten zurückgreifen können. Sie verfügten beispielsweise über jahrzehntelang gewachsene Erfahrungen mit Beatmungskonzepten. Mit Hilfe der Ärztinnen und Ärzte seien wesentliche intensivmedizinische Messtechniken weiterentwickelt worden. Das so genannte „künstliche Koma“, die Analgosedierung, trage dazu bei, dass sich die Patienten erholen und notwendige Behandlungen ohne Leiden ausgeführt werden könnten. Und außerdem wisse man aus der anästhesiologischen Forschung, welche Verfahren weiterentwickelt werden müssen und welche Therapieansätze nicht sinnvoll sind.

 

„Lockerungen sind im Augenblick unverantwortlich“

Alle Bestrebungen, die Corona-Auflagen zu lockern, hält Professor Wappler im Augenblick für unverantwortlich: „Den Intensivstationen droht durch die Menge an Covid-19-Patienten in den nächsten Wochen nicht nur erneute Überlastung. Die Branche ist längst auch schon für Jahre geschädigt, weil Ärzte und Pflegekräfte nach zwei Corona-Wellen einfach nicht mehr können und vor allem Schwestern und Pfleger aus dem Beruf flüchten“, erklärt Wappler. Diese Folgen werde man allgemein noch über Jahre zu spüren bekommen. Statt zu lockern, gelte es weiterhin Abstand zu halten, sich zu gedulden und die Zahl der Geimpften so schnell wie möglich zu erhöhen.

Gleichzeitig ist sich Professor Wappler sicher, dass die Sterblichkeit von schwerkranken Covid-19-Paitenten in den nächsten Jahren noch weiter gesenkt werden kann: „Mit immer mehr Patienten und immer genaueren Studien wachsen unsere Erkenntnisse weiter.“ Diese Entwicklung mit weiteren Untersuchungen, Fachartikeln und Diskussionen auf Kongressen brauche jedoch Zeit.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) / Berufsverband Deutscher Anästhesisten e.V. (BDA), 29.03.2021 (tB).

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