Modernes Wundmanagement

Wundauflagen mit TLC und NOSF schließen selbst hartnäckige chronische Wunden

 

Freiburg (18. Juni 2010) ­­– Wundauflage ist nicht gleich Wundauflage, das machten Experten auf einem Symposium der Urgo GmbH, Sulzbach, deutlich. So sorgen UrgoCell® Contact und UrgoCell® START Contact mit den Technologien TLC-Contact und NOSF nicht nur für ein gleichbleibend feuchtes Wundmilieu; sie fördern auch die Produktion wichtiger Strukturproteine und hemmen im Falle der NOSF-Technologie proteolytische Enzyme, die in chronischen Wunden den Heilungsprozess behindern. Die Effektivität der Auflagen bei Diabetischem Fuß, Ulcus cruris, Dekubitus und chronischen Wunden anderer Genese wurde in mehreren klinischen Studien belegt.

 

Manche Einschätzungen in der Medizin halten sich einfach hart­näckig. Zu ihnen zählt auch jene, wonach Wundauflagen lediglich die Wunde schützen, überschüssiges Exsudat abführen und ein feuchtes Wundmilieu erhalten. „Dabei sind die Effekte von Wundauflagen auf den Heilungsprozess weit komplexer“, wie Dr. Jean Charles Kerihuel (Paris) erläuterte.

 

„Die Oberflächeneigenschaften einer Wundauflage haben auch Aus­wirkungen auf die Aktivität und Lebensfähigkeit jener Zellen, die an der Wundheilung beteiligt sind“, so Kerihuel. Seinen Worten zufolge beeinflussen die Mikrostruktur und sogar arzneimittelähnliche Eigen­schaften der Auflage die Genexpression, den Metabolismus und die Fähigkeit der Zellen zur Anhaftung und Gruppierung. Materialien, die in diesem Sinne förderlich wirken, können daher auch die Wundheilung beschleunigen. Hierzu zählen laut Kerihuel die Wund­auflagen mit der TLC- und der NOSF-Technologie von URGO.

 

 

Mehr Fibroblasten und mehr Strukturproteine unter TLC-Matrix

 

Wundauflagen mit der Lipidokolloid-Technologie TLC (Techno­logie LipidoColloid) bestehen aus einem Netz von Polyesterfasern, die mit Hydrokolloidpartikeln und Vaseline getränkt sind. Die Hydro­kolloidpartikel verflüssigen sich in Kontakt mit dem Wundsekret und formen ein Gel, das mit der Vaseline eine lipidokolloidale Grenz­schicht bildet. Sie erhält ein feuchtes, heilungsförderndes Milieu unter dem Verband und verhindert ein Verkleben mit der Wunde. „Eine Vergleichsstudie zeigte, dass sich Fibroblasten unter der TLC-Wundauflage Urgotül® besser vermehren und mehr Kollagen, Hyaluronsäure und Fibronektin produzieren als unter Vergleichs­produkten ohne TLC-Matrix“, beschrieb Kerihuel die Vorteile.1

 

 

Blockade proteolytischer Enzyme durch NOSF

 

Die NOSF (Nano-Oligosaccharid-Faktor)-Technologie zielt schließ­­­lich darauf ab, proteolytische Matrix-Metalloproteasen (MMP) in Wunden zu inaktivieren. Normalerweise beseitigen diese Enzyme Zelltrümmer und schadhafte Proteine der extrazellulären Matrix. In chronischen Wunden sind sie jedoch im Überschuss vorhanden und spalten auch Wachstumsfaktoren, die die Granulation und Epitheli­sierung der Wunde steuern. „Unter diesen Bedingungen stagniert die Wundheilung in der Enzündungsphase“, sagte Kerihuel.

 

Anders als eine konventionelle hydroaktive Wundauflage hemmt die NOSF-Komponente die Aktivität dieser überschüssigen Matrix-Metalloproteasen.2 Weitere Effekte von NOSF wurden an Haut­explantaten mit künstlich induzierten Verbrennungen aufgedeckt. Die Untersuchungen zeigen, dass NOSF die Produktion intra- und extrazellulärer Strukturpoteine und damit die Entwicklung eines dichteren Gewebes fördert. Vor allem die Regeneration der Epidermis wird auf diese Weise unterstützt und die Wundheilung insgesamt stimuliert.3

 

Die Vorteile der URGO-Wundauflagen mit TLC- und NOSF-Tech­nologie sind mittlerweile auch in klinischen Untersuchungen gut dokumentiert.

 

 

Belegte Wirksamkeit bei Diabetischem Fuß

 

„In der SPID-Studie reduzierte eine TLC-NOSF-Wundauflage die Wundoberfläche bei diabetischen Fußulzera innerhalb von zwölf Wochen um durchschnittlich 62,7 %“, sagte Dr. Solange Ehrler (Straßburg). An der Studie nahmen 33 Patienten mit Läsionen vom Grad 1A nach der Klassifikation der Universität Texas teil (oberflächliche Wunden ohne Infektion und ohne Ischämie). „31,3 % der Wunden waren nach einer mittleren Dauer von 8,8 Wochen abgeheilt“, sagte Ehler. Darüber hinaus wurde bei 99,7 % der Verbandwechsel ein ‚sehr leichtes’ oder ‚leichtes’ Ent­fernen dokumentiert, und in 95,7 % der Fälle stellte das Pflege­personal keinerlei Verkleben mit der Wunde fest. „Angesichts dieser Daten stellt die TLC-NOSF-Wundauflage ein vielver­sprechendes Produkt für die Behandlung des diabetischen Fußes dar“, schloss Ehler.

 

 

Effektiv bei hartnäckigen Bein- und Druckgeschwüren

 

In der STARTER-Studie wurde die TLC-NOSF-Auflage UrgoCell® START Contact bei 47 Patienten mit Ulcus cruris venöser oder gemischter Ursache und mit Dekubitalulzera untersucht. Die Unterschenkel­geschwüre bestanden im Schnitt seit 127 Tagen und waren zur Hälfte Rezidive. Die Druckgeschwüre waren im Mittel seit 76 Tagen vorhanden und entsprachen dem Stadium 3 der EPUAP-Klassi­fika­tion (Verlust aller Hautschichten einschließlich Schädigung oder Nekrose des sub­kutanen Gewebes).

 

„Nach sechswöchiger Behandlung hatte sich die Wundoberfläche bei den Dekubitalulzera um durchschnittlich 44,7 % reduziert, bei den Bein­geschwüren um 65,2 %“, sagte Dr. Serge Bohbot, Medical Director von Laboratoires Urgo, Frankreich. Dabei wurden die Wundauflagen sehr gut toleriert und waren leicht zu wechseln. Nach Ansicht der Ärzte und Schwestern ließ sich UrgoCell® START Contact in 85,8 % der Fälle sehr leicht, in 14,2 % der Fälle leicht entfernen. Keinerlei Schmerzen und Blutungen waren bei 92,4 % beziehungsweise bei 92,3 % der Verbandwechsel zu dokumentieren.

 

 

Mediane Wundflächenreduktion von über 80 Prozent bei chronischen Wunden verschiedener Genese

 

In der deutschen Anwendungsbeobachtung CONTACT wurde der Einsatz der TLC-Wundauflage UrgoCell® Contact und der TLC-NOSF-Auflage UrgoCell® START Contact bei 1.397 Patienten doku­mentiert. Die Teilnehmer litten an Ulcus cruris, Diabetischem Fuß­syndrom, Dekubitus und chronischen Wunden anderer Genese und waren zuvor mit anderen Wundauflagen behandelt worden. Bei   37,7 % der Patienten handelte es sich um rezidivierte Wunden.

 

„Nach einer mittleren Behandlungsdauer von knapp acht Wochen ließ sich mit UrgoCell® Contact und UrgoCell® START Contact eine mediane Reduktion der Wundoberfläche um 83,8 % erzielen“, sagte Dr. Karl-Christian Münter (Hamburg). 26 % der Wunden waren nach Einschätzung der Ärzte abgeheilt, 53 % hatten sich deutlich, 12,6 % etwas gebessert.“ Münters Worten zufolge beurteilten mehr als die Hälfte der Ärzte die Auflagen als äußerst nützlich. 98,4 % der Patienten waren mit den Auflagen ‚zufrieden’ oder ‚sehr zufrieden’.

 

Nach Einschätzung der Experten zeigen diese Daten, dass moderne Wundauflagen die effektivste und günstigste Maßnahme darstellen, um chronische Wunden zu schließen.

 

  

Quellen

 

  1. Bernard et al. JWC 2005
  2. Coulomb et al. 2008
  3. Lati et al. Einfluss des Nano-Oligosaccharid Faktors (NOSF) auf die Wundheilung

 

 

Download

 

  • Dr. med. Dr. phil. Jean Charles Kerihuel: „Wirkung von Lipokolloidwundauflagen mit und ohne NOSF auf die an der Wundheilung beteiligten Zellen“
    Folien: Keycharts_Kerihuel.pdf Keycharts_Kerihuel.pdf (2.12 MB)

 

 

 

 

 


 

Quelle: Symposium „Evidenzbasierte und patientengerechte Wundversorgung mit Lipidokolloid-Schaumstoffwundauflagen (TLC)“. 13. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW), Freiburg, 18.06.2010 (Medizin und Markt) (tB).

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