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Deutscher Wundkongress 2019

Patienten profitieren von kontinuierlicher Wundversorgung – 
Exsudat und Schmerzen managen, Versorgungsprozesse optimieren

Bremen/Heidenheim (4. Juni 2019) – Eine regelrechte Wundversorgung ist grundlegend für einen optimalen Wundverschluss. Im Versorgungsalltag ist diese nicht immer gewährleistet. Schmerzen werden unter Umständen nicht ernst genug genommen oder die Rolle des Exsudats und die damit verbundene Auswahl der geeigneten Wundauflage unterschätzt. Der Austausch aller Behandlungspartner untereinander und mit Betroffenen und Angehörigen bedarf zusätzlicher Anstrengungen. Wie eine zeitgemäße Wundversorgung aussehen und Versorgungsprozesse optimiert werden können, berichteten Experten auf dem von HARTMANN initiierten Symposium „Sicherstellung der Kontinuität in der Wundversorgung“ anlässlich des Deutschen Wundkongresses am 09. Mai in Bremen. 


Chronische Wunden bedeuten für den Patienten gravierende Einschränkungen in der Lebensqualität. Nicht allein, weil sie häufig mit Schmerzen assoziiert sind. Das spiegelt sich in den Ergebnissen einer Umfrage1 wider, in der Patienten zu den Zielen der Wundbehandlung befragt wurden. Auf den Wunsch nach einer vollständigen Wundheilung folgte auf Platz zwei mit 97 Prozent die Schmerzfreiheit. 

„Schmerzen werden von jedem Betroffenen jedoch immer individuell und subjektiv empfunden“, merkte Kerstin Protz, Hamburg, an. „Daher sollten wir sie immer ernst nehmen und zu Beginn eine adäquate Schmerzanamnese durchführen.“ Unter Zuhilfenahme von Schmerzskalen sollte im persönlichen Gespräch eruiert werden, in welcher Situation die Schmerzen auftreten und wie stark sie empfunden werden. Sind die Patienten selber nicht in der Lage, ihren Schmerz zu äußern, kann dies über Fremdbeobachtung mittels geeigneter Instrumente, z.B. dem Zürich Observation Pain Assessment erfolgen. „Auch über die Vitalzeichen und die Körpersprache lässt sich viel über den Zustand der Patienten herausfinden“, klärte die Expertin auf. „Über Mimik, Gestik, Stimme und die Körperhaltung lassen sich bereits Rückschlüsse auf die Schmerzen ziehen.“ Gerade im Zusammenhang mit der Wundbehandlung besteht zudem häufig eine Schmerzerfahrung und eine Schmerzerwartung. So sollten auch diese Erfahrungen dokumentiert, in die Anamnese eingefügt und im Behandlungsplan berücksichtigt werden.


Ziel: schmerzfreier Verbandwechsel

Gerade der Verbandwechsel kann ein akuter Schmerzauslöser sein. Ein rasches Abziehen der Wundauflage, Verbände mit Klebeflächen oder Wunden, die zu lange offen unverbunden bleiben, triggern die bereits überreizten Nerven in der Wundumgebung zusätzlich. Eine entsprechende Patientenaufklärung über die geplante Versorgung sowie eine gute Vorbereitung und ruhige Durchführung des Verbandwechsels können bereits zu einer Schmerzlinderung beitragen. So sollten Analgetika zeitnah unter Beachtung des Wirkeintritts vor dem Verbandwechsel verabreicht, die Wundspüllösung angewärmt und mit nicht so großem Druck eingesetzt und Wundauflagen ohne Klebefläche bevorzugt werden. „Heutzutage gibt es Verbände, die sich schmerzfrei entfernen lassen. Vor allem, wenn sie eine feucht-warme Wundbehandlung bevorzugen. Bei freiliegenden Sehnen oder Patienten mit Pergamenthaut eignen sich beispielsweise Gelplatten, die sich atraumatisch lösen“, berichtete Kerstin Protz. „Superabsorber hingegen eignen sich hervorragend bei Patienten mit viel Exsudat, z.B. bei Tumorexulzerationen oder unter einer Kompressionstherapie. Wenn diese dann noch silikonbeschichtet sind, muss man auch beim Verbandwechsel keine Schmerzen befürchten.“

„Es ist wichtig, die richtige Wundauflage, angepasst an den Zustand der Wunde, auszuwählen“, mahnte auch Astrid Probst, Reutlingen. Dazu gehört ein optimiertes Exsudatmanagement. Erstmals wurde mit dem ‚World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) Consensus Document‘ ein Papier verabschiedet, das die Rolle des interdisziplinären Exsudatmanagements genauer beleuchtet. 

Exsudat versorgt die Wunde mit essentiellen Nährstoffen für die Zellstoffwechsel, stellt ein feuchtes Wundmilieu her und fördert die Trennung von totem oder beschädigtem Gewebe. Bei chronischen Wunden liegt ein höherer Anteil an Entzündungsmolekülen vor, so dass die Bildung von Proteinen beeinflusst wird. Erhöhte Proteasewerte stören den Heilungsprozess durch degradierende Wachstumsfaktoren. „Darum ist es unerlässlich, das Exsudat zu bewerten und ein individuell angepasstes Wundmanagement durchzuführen“, so die Expertin. 


Für jede Wunde die passende Wundauflage

Je mehr Exsudat in der Wunde vorhanden ist, desto häufiger muss der Verband gewechselt werden und die Saugfähigkeit der Auflage gewährleistet sein. „Wunden, die in der Regel eine hohe Exsudatproduktion aufweisen, sind der chronische Ulcus cruris venosum, dehydrierende chirurgische Wunden, Verbrennungen und entzündliche oder rheumatoide Geschwüre. Ischämische/arterielle Wunden oder neuropathische DFU haben hingegen ein niedrigeres Exsudataufkommen“, erklärte Probst. Da eine unzureichende Exsudatproduktion das autolytische Débridement verzögern kann und Verbände am Wundbett anhaften können, bedarf es Wundauflagen, die die Feuchtigkeit ausgleichen und somit auch Schmerzen vorbeugen wie etwa HydroClean®. Für eine schnelle Wundreinigung und ein effektives Débridement ist das Wundkissen mit Ringerlösung getränkt, während wundheilungsstörende Faktoren sicher im Saugkern gebunden werden. Bei hohem Exsudataufkommen kann HydroClean mit einem Superabsorber wie Zetuvit Plus Silicone kombiniert werden. Zetuvit Plus Silicone vereint hervorragendes Exsudatmanagement mit einfacher und atraumatischer Wundversorgung.2-6

Ist die Granulationsphase mit einem niedrigeren Feuchtigkeitsniveau erreicht, können Schaumverbände angewendet werden. Mit HydroTac® wird die Konzentration an Wachstumsfaktoren erhöht, der epitheliale Wundverschluss beschleunigt und die Behandlungszeit verkürzt. Dieser Effekt konnte unlängst in einer Studie unter 128 Patienten mit venösen Beinulcera bestätigt werden.7


Versorgungsprozesse optimieren

Doch die beste Wundauflage kann nicht wirken, wenn der Fachkräftemangel seinen Tribut fordert und die Patienten daher unterversorgt bleiben. „Ein Umdenken und Änderungen in der Arbeitssituation durch Substitution und Delegation können hier ein Weg in die richtige Richtung sein“, schlug Maik Stendera, Bissendorf, vor. Das Versorgungsmanagement könnte durch FallmanagerInnen optimiert werden. Diese sollten mit allen Beteiligten in Kontakt stehen und als kompetente, aber vor allem kontinuierliche Ansprechpartner das Verhalten der Betroffenen positiv beeinflussen sowie die Qualität der Versorgung absichern. So kann die interprofessionelle Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden durch die gegenseitige Information der Behandlungspartner und die aktive Einbeziehung der Betroffenen und ihrer Angehörigen sichergestellt werden.

Eines der vorgestellten Projekte zur Optimierung der Versorgungsqualität ist das Innovationsfondsprojekt VersorgungsManagement Wunde in Rheinland-Pfalz (VeMaWu RLP). Es hat zum Ziel, ein flächendeckendes Fallmanagement zur Begleitung von Menschen mit chronischen Wunden zu etablieren, um eine höhere Therapietreue und bessere Heilungsergebnisse zu erreichen. Dafür werden die Patienten und behandelnden Ärzte sektorenübergreifend durch Fallmanager als kompetente und kontinuierliche Ansprechpartner unterstützt. Auch soll die Übertragbarkeit der Versorgungslogik auf multimorbide und hochaltrige Menschen aufgezeigt werden, um eine Grundlage für die Finanzierung in der Regelversorgung zu schaffen. An dem Projekt können betroffene Versicherte aller gesetzlichen Krankenkassen teilnehmen.


 
 
Literatur

  1. Augustin M et al. Benefit evaluation in the therapy of chronic wounds from the patients´ perspective-development and validation of a new method. Wound Repair Regen 2012; 20:8-1
  2. SMTL - Report-5423.
  3. Evaluierung von Resposorb Silicone 21062017. 
  4. 165745-0002 _CER_ResposorbSilicone_Silicone Comfort_NAMSA_Final_31JAN2017. 
  5. 150924 bilan perf prod V3 Vf. 
  6. Eine Fallstudie zur Evaluierung der superabsorbierenden Wundkompresse RespoSorb Silicone Dr. M.G. Rippon, S. Simm.
  7. Mikosiński, J. et al. Clinical assessment of a foam dressing containing growth factor-enhancing hydrated polyurethanes. Journal of Wound Care 2018; 27(9).



Über die HARTMANN GRUPPE

Die HARTMANN GRUPPE ist einer der führenden europäischen Anbieter von Medizin- und Hygieneprodukten mit den Kompetenzschwerpunkten Wundbehandlung (z.B. Wundauflagen, UnterdruckWundtherapie, Fixierbinden, Pflaster), Inkontinenzversorgung (z.B. Einweg-Inkontinenzslips und -einlagen sowie Produkte zur Hautpflege bei Inkontinenz) und Infektionsschutz (z.B. OP-Komplettsets, OP-Bekleidung, OP-Einweginstrumente und Desinfektionsmittel). Ergänzt wird das Portfolio durch Produkte für die Kompressionstherapie, Erste Hilfe sowie Pflege- und Kosmetikprodukte. Darüber hinaus bietet HARTMANN innovative Systemlösungen für professionelle Zielgruppen im Medizin- und Pflegebereich. Weltweit ist das Unternehmen mit Sitz in Heidenheim, dessen Schwerpunktmarkt Europa ist, mit eigenen Gesellschaften marktnah aufgestellt. Im Jahr 2018 erwirtschafteten 11.027 Mitarbeiter in der HARTMANN GRUPPE einen Umsatz von 2,12 Mrd. EUR. 

Die PAUL HARTMANN AG in Heidenheim/Deutschland ist das Herz der Unternehmensgruppe. Sie gehört zu den ältesten deutschen Industriebetrieben und geht auf eine 1818 von Ludwig von Hartmann gegründete Textilfabrik zurück. 1873 begann unter dessen Sohn Paul Hartmann die Produktion von Verbandwatte, später wurde das Unternehmen weltweit zum Flaggschiff einer expandierenden Verbandstoffindustrie. Zur HARTMANN GRUPPE gehören neben zahlreichen Vertriebsgesellschaften im Ausland u.a. BODE Chemie (Hamburg), Karl Otto Braun (Wolfstein), Sanimed (Ibbenbüren) sowie KNEIPP (Würzburg).




Quelle: Paul Hartmann AG, 04.06.2019 (tB).