Zehn Jahre Biologika: Modernste, zielgenaue Medikamente gegen Rheuma – doch wer bezahlt sie?

Statement von PD Dr. med. Andrea Rubbert-Roth, Kongresspräsidentin DGRh

Köln (23. September 2009) – Biologika haben die Therapie der Rheumatoiden Arthritis, der Psoriasis-Arthritis und der ankylosierenden Spondylitis in den letzten zehn Jahren revolutioniert. Es sind proteinbasierte Medikamente, die gezielt gegen einzelne Immunbotenstoffe beziehungsweise ihre Rezeptoren oder Entzündungszellen gerichtet sind. Mit diesem breiteren und effektiveren therapeutischen Armentarium wird in der modernen Rheumatologie auch die Messlatte, was mit einer Therapie erreichbar sein kann, höher gelegt. So war früher das Therapieziel die Besserung der Beschwerden und eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung. Heute zielen wir bereits frühzeitig auf das Erreichen einer Remission, was praktisch eine Beschwerdefreiheit des Patienten mit Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bedeutet. Sind jedoch erst einmal strukturelle Schäden entstanden, so ist dies in der Regel irreversibel. Unter ökonomischen Aspekten wissen wir, dass das frühzeitige Erreichen einer Remission sinnvoll ist, um Arbeitskraft zu erhalten und langfristig Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Umgekehrt wissen wir, dass auch unter alleiniger Anwendung der nicht biologischen Basistherapeutika nicht wenige Patienten eine Remission oder niedrige Krankheitsaktivität erreichen.

Auf diesen Überlegungen basieren die Herausforderungen der Zukunft: Wir brauchen einerseits bessere Möglichkeiten zur Differenzierung, welcher Patient im Krankheitsverlauf Biologika benötigt, um diese rechtzeitig einzusetzen und strukturelle Schäden zu verhindern. Wir brauchen zudem Biomarker, die uns helfen, innerhalb der Biologika das Präparat auszuwählen, das mit der höchsten Wahrscheinlichkeit bei einem individuellen Patienten zum Erfolg führt.

Daher sind nicht nur Medikamentenstudien, sondern Strategiestudien erforderlich. Sie helfen uns, therapeutische Algorithmen zu entwickeln und Biomarker zu testen, um die heute verfügbaren Therapeutika optimal, auch in Zeiten limitierter Ressourcen, einsetzen zu können.

PD Dr. med. Andrea Rubbert-Roth ist Oberärztin für Klinische Immunologie und Rheumatologie an der Medizinischen Klinik I für Innere Medizin, Universitätsklinikum Köln.


Quelle: Pressekonferenz im Rahmen des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) am 23.09.2009 in Köln.

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