20. Oktober 2008: Global Day against Cancer Pain

Experten sind überzeugt: Zu viele Krebspatienten leiden unnötig

 

Bochum (17. Oktober 2008) – 336.100 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Krebs, Tendenz steigend. 37 % von ihnen leiden schon im Frühstadium an Schmerzen, in späteren Stadien 73 %. Auf ihr Leiden aufmerksam zu machen und es durch gezielte Information von Ärzten lindern zu helfen, ist Ziel des Global Day against Cancer Pain, den die Internationale Schmerzgesellschaft IASP (deutsche Sektion ist die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V.) am 20. Oktober ausruft.

"Wir können bei bis zu 95 % aller Tumorschmerzpatienten die Symptome lindern und ihnen Lebensqualität bis zum Schluss ermöglichen", so Prof. Dr. Stefan Wirz, Sprecher des Arbeitskreises Tumorschmerz der DGSS. "Ärzte müssen nur wissen wie, und sich die Zeit nehmen."

 

Tumorschmerztherapie kostet Zeit

Wirz wichtigster Hinweis an Ärzte und Krankenkassen: "Tumorschmerztherapie kostet Zeit". Jeder Patient muss in seiner Individualität betrachtet, beraten und behandelt werden. Sich diese Zeit zu nehmen, fällt Ärzten unter Sparzwang angesichts begrenzter Budgets immer schwerer. "Heute machen sich Hausärzte nachts um zwei für 18 Euro auf den Weg zu ihren Patienten nach Hause", so Wirz. "Das kann nicht sein. Tumorschmerztherapie muss angemessen vergütet werden", fordert der Spezialist.

Güte der Behandlung hängt vom Wissen des Arztes ab

Der 54 Mitglieder umfassende Arbeitskreis Tumorschmerz der DGSS engagiert sich darüber hinaus besonders für die Information von Ärzten. Erst vor kurzem hat er eine Kurzanleitung und ein Curriculum Tumorschmerz veröffentlicht (herunterzuladen unter http://www.dgss.org/index.php?id=62&L=0%A0). Günstiger Nebeneffekt: "Wer ein solches Grundwissen hat und nicht erst lange nachlesen muss, hat mehr Zeit für den Patienten", meint Wirz. Fortbildungsaktiväten, etwa Kompaktseminare, sind künftig geplant. Denn es hängt entscheidend vom Wissen des Arztes ab, wie gut oder schlecht die Behandlung ist. Gut informierte Ärzte wissen zum Beispiel, dass Opioide, richtig verabreicht, weniger Gefahren bergen als Aspirin. "Wir kämpfen immer noch gegen viele Vorurteile", so Wirz.

Hintergrund: Verschiedene Wurzeln des Schmerzes

Bestrahlung, Chemotherapie, das Tumorwachstum selbst oder Erkrankungen, die aus der allgemeinen Immunschwäche resultieren, können bei Krebspatienten Schmerzen auslösen. Bei den sog. nozizeptiven Tumorschmerzen werden intakte Schmerzrezeptoren durch Substanzen erregt, die aus dem Tumor freigesetzt werden. Neben diesen Nozizeptorschmerzen können chronische Tumorschmerzen entstehen, wenn das Nervensystem selbst durch den Tumor oder Substanzen, die mit ihm zusammenhängen, geschädigt wird. "Die Abgrenzung von anderen Schmerzformen ist sehr wichtig, da neuropathische Schmerzen einer speziellen Therapie bedürfen", erklärt Prof. Dr. Ralf Baron.

Leitlinien müssen verbreitet werden

Nervenschmerzen können mit vier Substanzgruppen behandelt werden, die in Deutschland allerdings nicht alle für die Behandlung von Schmerz bzw. Nervenschmerz zugelassen sind. Studienergebnisse dazu fehlen weitgehend noch. Obwohl es Leitlinien gibt, werden viele Tumorschmerzpatienten immer noch falsch behandelt. "Insbesondere besteht die Behandlung zu mehr als 40% aus nicht-opioid-Schmerzmitteln wie NSAID, Paracetamol und Metamizol, die bei Nervenschmerzen nachweislich nur wenig oder gar nicht wirksam sind", verdeutlicht Prof. Baron. "Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sind neuropathische Schmerzen dagegen opioidsensibel." Insbesondere bei Nervenschmerzen, die im Zusammenhang mit Tumorschmerzen auftreten, dringen die Experten daher auf die Verbreitung der verfügbaren Leitlinien.

 


 

Quelle: Presseinformation der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) vom 17.10.2008

 

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