Zukunftsbranche ohne Nachwuchs

Diakonie fordert zukunftsfähige Ausbildungsmodelle und die ideelle und finanzielle Aufwertung des Pflegeberufs

 

Berlin (30. Juli 2009) Die Pflegebranche ist ein Zukunftsmarkt, doch sie hat ein Imageproblem. Damit der Branche nicht der Nachwuchs ausgeht, setzt sich die Diakonie mit ihrer aktuellen Kampagne WEIL WIR ES WERT SIND dafür ein, die Ausbildung attraktiver zu machen – bei Einrichtungen und bei Schulabgängern. Geltende Finanzierungsregelungen und Ausbildungsangebote dürfen keinen Hinderungsgrund für die Ausbildung in der Altenpflege darstellen und bedürfen dringend Überarbeitung.


 

Mit großen Erwartungen starten zum Monatsbeginn mehr als 7.600 Schulabgänger ihre Ausbildung in diakonischen Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland. Engagiert und motiviert haben sie sich für einen sozialen Beruf entschieden, sie wollen mit Menschen arbeiten, ihnen helfen und etwas Sinnvolles tun. Doch leider denken zu wenige so wie sie und so geht der Zukunftsbranche der Nachwuchs aus. Denn um das Ansehen des Berufsfeldes in der breiten Öffentlichkeit ist es nicht gut bestellt – zu groß die physischen und psychischen Belastungen, zu gering der Personalschlüssel und vergleichsweise schlecht die Bezahlung. Seine berufliche Perspektive stellt sich so mancher junge Mensch anders vor. „Eine fatale Entwicklung“, befindet Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik. Denn die demografische Herausforderung ist immens. Bereits im Jahr 2050 wird die Zahl der Pflegebedürftigen auf vier Millionen steigen. Gleichzeitig leidet die Branche unter einem Fachkräftemangel. Vor diesem Hintergrund appelliert Kottnik an die Politik: „Wir müssen Karriere- und Ausbildungsmöglichkeiten verbessern, ebenso die gesellschaftliche Wertschätzung der Pflegeberufe. Mit unserer Kampagne WEIL WIR ES WERT SIND setzen wir uns daher für eine ausreichende Finanzierung und attraktive Ausbildungsgänge ein.“

 

Um die bestehende qualitativ gute Aus- und Weiterbildung in der Diakonie auch in Zukunft gewährleisten und weiter entwickeln zu können, fordert der Wohlfahrtsverband Verbesserungen bei der Förderung und Finanzierung der Ausbildung: Dazu zählen eine ausreichende Finanzierung der Altenpflegeschulen durch die Länder genauso wie die unbefristete Förderung der Umschulungen durch die Bundesagentur für Arbeit. Ferner müsse die Finanzierung der Ausbildungskosten über einen Ausgleichsfond der Pflegeversicherung erfolgen, so dass alle Beitragszahler gleichermaßen zur Altenpflegeausbildung beitragen, zugleich die Verwaltungskosten erheblich sinken und die Ausbildung insgesamt attraktiver wird.

 

Die zukünftigen Anforderungen in der Pflege erfordern zudem neue, attraktive Bildungs- und Berufskonzepte. Die Diakonie hat ein solches Modell entwickelt. Es sieht eine gemeinsame Grundausbildung für Altenpfleger, Heilerziehungspfleger sowie Kranken- und Gesundheitspfleger vor und bietet somit breite berufliche Entwicklungschancen.

Außerdem sollen die Akademisierung der Pflege sowie Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten den Pflegekräften neue attraktive Karrierewege eröffnen. Die Diakonie ruft die Politik auf, die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Ausbildungsreform und deren Finanzierung zu schaffen. Damit gute Pflege Zukunft hat.

 

Weil wir es wert sindMit der Unterschriftenaktion WEIL WIR ES WERT SIND macht das Diakonische Werk der EKD gemeinsam mit dem Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege und dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die Politik auf die schwierige Situation in der Pflegebranche aufmerksam. Pflegekräfte, Pflegebedürftige und Angehörige setzen sich gleichermaßen für eine ideelle und finanzielle Anerkennung der Pflege ein. Sie fordern verlässliche Rahmenbedingungen und die Anpassung der Sozialgesetzgebung, damit gute Pflege Zukunft hat. Mitmachen kann man unter www.weil-wir-es-wert-sind.de

 

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Diakonischen Werkes in der EKD vom 30.07.2009.

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