DGS 2012 in Frankfurt

Zwei Wirkmechanismen für eine effiziente Schmerztherapie

 

Frankfurt am Main (16. März 2012) – Chronische Schmerzsyndrome stehen im Mittelpunkt des Praxisalltags der Schmerztherapeuten. Ihre Aufgabe ist es, für die Patienten individuelle Lösungen für eine größtmögliche Schmerzlinderung zu finden und so gleichzeitig die Lebensqualität zu verbessern. Die Behandlung chronischer Schmerzen kann immer dann erfolgreich sein, wenn bei der Therapieauswahl die zugrundeliegenden Schmerzmechanismen berücksichtigt werden. Hier setzt der Wirkstoff Tapentadol (Palexia® retard) an, der zwei Wirkmechanismen in einem Molekül vereint, die beide synergistisch zur Analgesie beitragen: μ-Opioid-Rezeptor-Agonismus (MOR) und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung (NRI). Die bisherigen Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die guten Studienergebnisse. Vorteil der Substanz: Starke Wirkung und breite Einsetzbarkeit bei einem im Vergleich mit klassischen Opioiden sehr günstigen Verträglichkeitssprofil.

 

 

Tapentadol nutzt zwei Mechanismen der körpereigenen Schmerzhemmung

 

Als Agonist bindet Tapentadol an körpereigene präsynaptische und postsynaptische μ-Opioidrezeptoren und imitiert dabei die Wirkung körpereigener Opioide. Somit wird die Schmerzweiterleitung zum Gehirn gehemmt. Eine Eigenschaft, die die Substanz mit klassischen Opioiden gemeinsam hat und somit in der Schmerztherapie als etablierter Wirkansatz gilt. Doch bei Palexia® retard spielt auch die NRI-Komponente eine wichtige Rolle. Indem er die Noradrenalin-Konzentration erhöht, verstärkt der Wirkstoff die Effektivität der über diese Substanz vermittelten körpereigenen Schmerzhemmung.1,2 „Aufgrund der ergänzenden Schmerzhemmung durch die NRI-Komponente kommt Tapentadol mit einer vergleichsweise geringen Affinität am μ-Rezeptor aus und ist trotzdem genauso stark wirksam wie ein vergleichbares Opioid, beispielsweise Oxycodon. Gleichzeitig traten unter Tapentadol weniger opioid-typischen Nebenwirkungen auf“, erklärt Dr. med. Ulf Schutter, Marl. Bei der Einstellung auf Tapentadol sollte die Vormedikation immer berücksichtigt werden. Bei opioidnaiven Patienten ist zu Anfang in der Regel eine niedrige Dosierung (2 x 50 mg/d) zu empfehlen, die dann innerhalb von 3 Tagen gesteigert wird – angepasst an den Bedarf des Patienten. In Studien war die Minimaldosis der Patienten auf 2 x 100 mg festgelegt.3

 

 

Studienergebnisse sprechen für sich – Praxistest bestanden

 

Im Rahmen der Zulassung wurde die Wirksamkeit von Tapentadol in verschiedenen Indikationen mit dem starken klassischen Opioid Oxycodon verglichen. Die gepoolten Daten zweier Studien zum Arthroseschmerz und einer Rückenschmerzstudie zeigten eine vergleichbar starke Wirksamkeit wie Oxycodon CR bei einem überlegenen gastrointestinalen Verträglichkeitsprofil (z.B. Übelkeit, Erbrechen und Obstipation).4 „In den Studien war die Therapieabbruchrate unter Tapentadol sehr viel niedriger als unter Oxycodon (43,5 versus 61,7 Prozent). Ein Effekt, der sich in der Praxis bestätigt hat. Aufgrund der reduzierten Nebenwirkungen lässt sich die Therapie mit Tapentadol sehr gut in den Alltag der Patienten integrieren“, so Dr. med. Gerhard H.H. Müller Schwefe, Göppingen. Auch in der Metaanalyse erreichte die Substanz bei der Erfassung der Lebensqualität mit dem SF-36fast durchweg bessere Ergebnisse als Oyxcodon.4

 

In einer Phase IIIb Studie wurden Patienten mit chronischen Rückenschmerzen eingeschlossen. Anhand des painDETECT-Fragebogens wurde analysiert, ob es sich um nozizeptive oder neuropathische Schmerzen handelt – oder ob der Befund unklar ist, was auf gemischte Schmerzen hindeutet. Die Studienergebnisse haben gezeigt, dass Tapentadol unabhängig von der Schmerzart die Schmerzen signifikant reduziert. Vor allem die Patienten mit neuropathischen oder gemischten Schmerzen beurteilten die Therapie als sehr gut.5

 

„Abschließend kann man sagen, dass sich Tapentadol breit einsetzen lässt – sowohl bei nozizeptiven als auch bei neuropathischen Schmerzen – und somit auch ein guter Kandidat für die so genannten Mixed-Pain-Syndrome ist. In der Praxis ist es ganz klar in der Gruppe der stark wirksamen Analgetika einzuordnen, allerdings bei deutlich geringeren Nebenwirkungen“, fasst Dr. Müller-Schwefe zusammen.

 

 

Wie standardisiert wie individuell muss Therapie sein?

 

Für einen langfristigen Erfolg sollte die Therapie auf die Situation des Patienten zugeschnitten sein – das bedeutet, dass vorab die Kausalität und die Mechanismen des Rückenschmerzes differenziert erfasst werden müssen. Wichtig ist eine individuelle Zielvereinbarung mit dem Patienten. „Das Therapiekonzept muss dann multimodal aufgebaut sein und die Module sollten kontinuierlich auf ihr Effizienz geprüft werden“, empfiehlt Dr. med. Hermann Schwarz, niedergelassener Orthopäde aus Freudenstadt. Um effiziente Schmerztherapien auch großflächig durchführen zu können, sollte man nach seiner Einschätzung folgendes berücksichtigen: „Es gibt keine Standardtherapie des chronischen Rückenschmerzes, aber es gibt sehr wohl Standards zur individuellen Therapie.“

 

Abb.: Grünenthal 

 

 

Anmerkungen 

  1. Tzschentke et al. Drugs of today 2009, 45(7):483−496.
  2. Kress H. Eur J Pain 2010,781−783.
  3. Grünenthal GmbH. Fachinformation Palexia® retard. Stand: August 2010.
  4. Lange B et al. Adv Ther 2010, 27(6): 381−399.
  5. Gatti A et al. Patient Satisfaction With Tapentadol Prolonged Release Treatment for Severe, Chronic Low Back Pain With or Without a Neuropathic Component. Poster, Congress of the Italian Association for the study of pain, May 2011, Riccione, Italy.

Über Grünenthal

 

Die Grünenthal Gruppe ist ein unabhängiges, international tätiges, forschendes Pharmaunternehmen im Familienbesitz mit Konzernzentrale in Aachen. Aufbauend auf ihrer einmaligen Kompetenz in der Schmerzbehandlung ist es das Ziel, das patientenzentrierteste Unternehmen und damit führend in Therapie-Innovation zu werden.

 

Als eines der letzten fünf forschenden Pharmaunternehmen mit Konzernzentrale in Deutschland investiert Grünenthal nachhaltig in die Forschung und Entwicklung. Im Jahr 2011 betrugen diese Investitionen circa 25 % des Umsatzes. Die Forschungs- und Entwicklungsstrategie Grünenthals konzentriert sich auf ausgesuchte Therapiegebiete und modernste Technologien. Den Schwerpunkt bildet die intensive Suche nach neuen Wegen, um Schmerzen besser, nachhaltiger und mit weniger Nebenwirkungen zu lindern.

 

Die Grünenthal Gruppe ist in 26 Ländern weltweit mit Gesellschaften vertreten. Grünenthal-Produkte sind in mehr als 155 Ländern erhältlich und circa 4.500 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Grünenthal Gruppe. Der vorläufige Umsatz 2011 beträgt 947 Mio €.

 

 


Quelle: Symposium der Firma Grünenthal zum Thema “Tapentadol: zwei Wege – Ein  Ziel” am 16.03.2012 in Frankfurt am Main (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung