Deutschland ist Selenmangelland

Therapeutischer Einsatz von Selen gewinnt an Bedeutung

 

Winsen (11. Juni 2008) – Die Erforschung von Wirkmechanismen und klinischer Relevanz des Spurenelements Selen hat fundierte Anwendungsgrundlagen geliefert, aus denen sich konkrete Empfehlungen für die Praxis ableiten lassen. Zu diesem Ergebnis kam eine Gruppe von fünf Experten, die anlässlich eines Konsensusgesprächs in Hamburg die Studienlage und praktische Aspekte dieses Themas diskutierten. Die positive Wirkung einer Substitution von Selen ist insbesondere für die Krebstherapie und bei entzündlichen Schilddrüsenerkrankungen inzwischen wissenschaftlich erforscht und belegt. Vielversprechende Ansätze gibt es außerdem im Bereich der Herz-Kreislauf-Prävention. Darüber waren sich Dr. Martin Adler, Prof. Stefan Blankenberg, Uwe Gröber, Prof. George J. Kahaly und Dr. Stephan Wey einig.

 

"Die Ackerböden in Deutschland sind, verglichen etwa mit den USA, extrem selenarm. Entsprechend können Pflanzen und Tiere nur wenig Selen aufnehmen. So ist auch die Aufnahme von ausreichend Selen durch den Verzehr einheimischer Produkte kaum möglich", erläuterte Uwe Gröber, Pharmazeut aus Essen. Insbesondere Menschen mit Selen-konsumierenden Erkrankungen entwickeln schnell einen Selenmangel. Der Leiter der Akademie für Mikronährstoffmedizin sieht einen Spiegel von 130-140 µg/l im Vollblut und 95-100 µg/l im Blutplasma als ausreichend an. Die jüngst nach Herausgreifen eines Teilbereichs einer Studie mit Selen bei Hautkrebs aufgeworfene Annahme, dass Selen das Diabetesrisiko erhöht, hält er – wie die anderen Experten auch – für unbegründet. Vielmehr sei die Bauchspeicheldrüse auf eine ausreichende Selenversorgung angewiesen und die Insulinsekretion der Langerhans-Zellen lasse sich in vitro durch Selen dosisabhängig regulieren.

 

Für ausreichend hohe Selendosen im Krankheitsfall plädierte auch Dr. Martin Adler, Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren sowie Lehrbeauftragter der Universität Münster. Bei chronisch-entzündlichen Prozessen und Krebserkrankungen verbraucht der Körper deutlich mehr Selen. Basierend auf den Erkenntnissen zweier Praxisstudien empfiehlt Adler zu Therapiebeginn eine Gabe von 600 bis 900 µg Natriumselenit, um den Selenspiegel im Plasma auf mindestens 100 µg/l anzuheben. "Wir haben keine Nebenwirkungen gesehen. Bei einem Krankheitsprozess, der Selen verbraucht, ist diese Dosierung unbedenklich", erklärte Adler. Trotzdem sollten die Werte bei einer solchen Dosierung alle vier Wochen kontrolliert werden. Bei Dosierungen bis 300 µg ist eine solch engmaschige Kontrolle nicht erforderlich.

 

Als überaus erfolgreich hat sich die Gabe von Natriumselenit bei der Strahlen- und Chemotherapie erwiesen. Dr. Stephan Wey, Facharzt für innere Medizin und Naturheilverfahren mit einer Schwerpunktpraxis für komplementäre Onkologie, erläuterte, dass Selen dabei eine zellschützende und immunregulierende Wirkung hat. Außerdem wird durch Selen die Sensitivität von Tumorzellen für Strahlen und die meisten Zytostatika im Tierversuch nachweislich erhöht. Gleichzeitig konnten die Nebenwirkungen der Therapien verringert werden. Unter anderem Mamma- und Bronchialkarzinome, kolorektale, gastrointestinale, gynäkologische Tumoren sowie Prostatakrebs und maligne Lymphome werden mit einem Selenmangel in Zusammenhang gebracht.

 

Professor George J. Kahaly, Oberarzt mit Schwerpunkt Endokrinologie der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Klinikums der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, zeigte, dass bei einer Hashimoto-Thyreoiditis die Gabe von Selen zu einer Senkung des Antikörper-Titers und einer Verbesserung des Allgemeinbefindens führt. Ebenso deuten laut Kahaly erste Studien darauf hin, dass auch Patienten mit Morbus Basedow von einer Selensubstitution profitieren können. Hier ist vor allem der positive Einfluss auf die Entstehung bzw. das Fortschreiten einer endokrinen Orbitopathie zu nennen.

 

Vom aktuellen Forschungsstand der Korrelation von KHK-Mortalität und Selenversorgung berichtete Professor Stefan Blankenberg, Oberarzt und stellvertretender Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Klinikums der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Rahmen der Mainzer AtheroGene-Studie wurde der Nutzen einer Selensubstitution nach einem Herzinfarkt untersucht. Hier zeigte sich, dass Patienten mit einem niedrigen Selenspiegel und akutem Koronarsyndrom eine schlechte Prognose hatten. Selen steigert die Aktivität der Glutathionperoxidase, die schädliches Wasserstoffperoxid abbaut. "Damit werden alle Risikofaktoren abgeschwächt, die über die Glutathionperoxidase wirken", so Blankenberg.

 

Die Experten stimmten überein, dass die Therapie mit modernen Natriumselenit-Präparaten (z.B. selen-loges®) sicher ist. Der Selenspiegel im Serum sollte neuen Erkenntnissen folgend auf 120 µg/l angehoben werden.


 

Quelle: Presseinformation der Firma Dr. Loges + Co vom 11.06.08.

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung