Durch den Glauben das Wunderbare im Leben entdecken

 

Rom/Hannover (23. Januar 2011) – „Wir müssen nicht unbedingt Wunder sehen, um glauben zu können.“ In seiner Predigt in der Christuskirche in Rom am 23. Januar sagte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), ihn beschäftige die Frage, wie der christliche Glaube überzeugend und prägend wirken könne. „Nicht in erster Linie, weil der Bedeutungsverlust des Glaubens in unserer Gesellschaft in Zukunft Folgen haben könnte, die nur zu erahnen sind. Es nutzt nichts, früheren Zeiten hinterher zu weinen, in denen die Kirche scheinbar unzweifelhaft mitten im Dorf stand.

 

Unsere Gesellschaften haben sich verändert – oft zum Guten. Bildung und kritisches Denken haben dazu geführt, dass Kirche und Tradition hinterfragbar und auch fragwürdig geworden sind, auch werden mussten“, so Friedrich. Unter veränderten Bedingungen gehe es nach wie vor um die Frage, wie wir überzeugend weitergeben könnten, was wir glauben und in unserem Leben erfahren haben: „Dass unser Leben ein Ziel hat, unsere Hoffnung einen Sinn, unsere Sehnsucht einen Ort, an dem sie aufgehoben ist.“

 

Der Schlüssel liege wohl darin, „zu leben, was wir glauben und darauf zu vertrauen, dass diese Kraft ausstrahlt, auch in anderen anfängt zu leuchten. Vielleicht nicht unmittelbar, ist doch der Glaube ein Geschenk, das menschlichem Zwang und Verfügbarkeit entzogen ist, aber dennoch wirkt und nachwirkt.“ Er denke dabei an die friedliche Revolution 1989 in der DDR, die nur möglich gewesen sei, „weil Menschen aus ihrem Glauben heraus plötzlich den Mut hatten, ihren Mund aufzumachen, die Unfreiheit abzuschütteln und den aufrechten Gang einzuüben, weil Menschen aufgrund ihres Glaubens verantwortlich gehandelt haben und es schafften, friedlich und trotz aller Angst standhaft zu bleiben. Die große Kraft des Glaubens hat die Umstände völlig verändert und die scheinbar so Mächtigen ihrer Ohnmacht belehrt.“

 

„Der Glaube ist mehr als ein Gerüst, das unser Leben mehr schlecht als recht zusammenhält, er ist unser Leben selbst. Ob es für uns dazu Wunder braucht, kann jeder nur für sich selbst beantworten. Vielleicht ist es ja auch so, dass der Blick sich durch den Glauben ändert, wir durch ihn in unserem Leben immer wieder das Wunderbare erkennen“, betonte der Leitende Bischof. Es gebe auch heute Wunder. Und dies seien nicht nur naturwissenschaftlich nicht erklärbare Phänomene. Aber auch diese gebe es. Und warum solle nicht Gott, der Herr über Leben und Tod, auch Urheber solcher Wunder sein? Allerdings lasse sich dies nicht mit den Mitteln der Vernunft beweisen. „Aus diesem Grund habe ich auch meine Probleme mit dem gegenwärtig laufenden Seligsprechungsverfahren für Johannes Paul II. Er war ein außergewöhnlicher Christ und kann, auch für Nicht-Katholiken, durchaus ein Vorbild sein insbesondere was seinen Glauben in seinem Sterben betrifft. Dass für eine Seligsprechung allerdings scheinbar wissenschaftlich bewiesen werden muss, dass ein Mensch geheilt worden ist durch die Anrufung seines Namens, übersieht die Bedeutung Gottes als des Begründers aller Wunder.“

 


 

Quelle: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), 23.01.2011 (tB).

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