Fragt die Gläubigen

Katholiken plädieren für Anerkennung von Lebensrealitäten

 

Münster (19. August 2015) – Zunächst war es als kleiner Beitrag zur Umfrage-Initiative von Papst Franziskus "Fragt die Gläubigen!" gedacht, dann übertrafen die Reaktionen auf ihren Fragebogen allerdings alle Erwartungen: Mit mehr als 12.000 Rückmeldungen aus 42 Ländern zu Themen wie Zölibat und dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen bieten die Theologie-Studierenden Anna und Tobias Roth sowie Sarah Delere mit ihrer Umfrage einen umfassenden und interessanten Einblick in das Seelenleben vieler Katholiken.


Zunächst war es als kleiner Beitrag zur Umfrage-Initiative "Fragt die Gläubigen!" von Papst Franziskus gedacht. Schließlich übertrafen die Reaktionen auf ihren Fragebogen in puncto Umfang und Inhalt allerdings alle Erwartungen: Mehr als 12.000 Katholiken aus 42 Ländern reagierten auf die Umfrage von drei Theologie-Studierenden
zu Themen wie beispielsweise Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Zölibat und Diakonat der Frau – damit bieten Anna und Tobias Roth (Westfälische Wilhelms-Universität Münster, WWU) und Sarah Delere (Freie Universität Berlin, FU) einen umfassenden und interessanten Einblick in das Seelenleben vieler Katholiken.

Die Umfrage beziehungsweise Studie trägt den Titel: "Partnerschaftsethik und Familienbilder von Katholikinnen und Katholiken: eine interkulturell-komparative Studie zum Verhältnis von kirchlicher Lehre, gelebter Praxis und sozialisatorischen Parametern".

"Aufgrund ihrer herausragenden Teilnehmerzahl und des interkulturellen Forschungsdesigns an der Schnittstelle von Sozialwissenschaften und Theologie kann die vorliegende Studie als die größte ihrer Art eingestuft werden", unterstreichen die drei Studierenden. Die Untersuchung habe insbesondere für den innerkirchlichen Dialog eine "hohe Relevanz", da vor allem kirchlich aktive Katholiken angesprochen worden seien.

Die Antworten, rund 8.000 kamen allein aus Deutschland, sind nicht nur entsprechend vielfältig, sie sind vielfach auch erstaunlich. So stehen die christliche Erziehung, die kirchliche Hochzeit, der Gottesdienstbesuch weit höher im Kurs bei den Gläubigen, als es in der heutigen säkularen Zeit zu vermuten gewesen wäre. Die sehr deutlichen Plädoyers zugunsten eines offeneren Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen, mit dem Zölibat, mit dem Diakonat der Frau und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sind jedoch eindeutig als kollektives Votum der befragten Katholiken gegen die Lehre der katholischen Kirche zu verstehen.

Die in der Umfrage enthaltenen Aufforderungen an den Vatikan variieren in ihrer Vehemenz von Land zu Land. Während in Deutschland eine Öffnung der Kirche für bislang abgelehnte Themen gewünscht wird, sind in Bezug auf einige Fragen die Teilnehmer aus Polen, Südeuropa und Brasilien konservativer. So lehnt die Mehrheit in diesen Ländern die Segnung homosexueller Paare ab, während fast drei Viertel der deutschen Befragten sich diese Anerkennung wünschen.

Bei einem der meist diskutierten Themen in der katholischen Kirche, dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, ist eine grenzüberschreitende Kritik an der Lehrmeinung der Kirche feststellbar. Von der überdeutlichen Ablehnung (in Deutschland knapp 90 Prozent) des Ausschlusses dieser Paare von der Kommunion weichen die Umfrageergebnisse in anderen Ländern kaum ab (weitere Einzelheiten und einzelne Umfrageergebnisse finden Sie in der angehängten Ergebnis-Übersicht).

Ausgangpunkt der Studie, für die die drei im Rahmen einer Forschungsreise in zwölf Ländern unterwegs waren, waren die zwei päpstlichen "Familienumfragen" im Vorfeld der Familiensynode in diesem Herbst. Diese hatte der Papst gestartet, um zu erfahren, inwieweit die Lehre der Kirche und Lebensrealität der Gläubigen zueinanderpassen. Die Resonanz war in beiden Fällen überschaubar – in manchen Bistümern gingen deutlich unter 50 Antworten ein. Mit wissenschaftlicher Begleitung des renommierten Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften ("GESIS") und der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU erstellten die drei Studierenden einen eigenen, 26 Punkte umfassenden Fragebogen in sieben Sprachen.

Schon im Vorfeld der Untersuchung hatte das Team Unterstützung durch die Forschungsförderung SAFIR der WWU bekommen. Theologin Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften in Münster, machte sich von Anfang an stark für das "innovative und eigenständige studentische Forschungsvorhaben": "Die drei Studierenden haben eine sehr anspruchsvolle empirische Studie entworfen und durchgeführt. Sie haben damit einen innovativen und herausfordernden Beitrag zur theologischen Auseinandersetzung um die kirchliche Familienpastoral erarbeitet. Entgegen skeptischen Erwartungen, ob so etwas überhaupt gelingen könnte, hatte die internationale Fragebogenaktion einen grandiosen Rücklauf."

 

 

Weitere Informationen:

 

 

 

Anhang

 

 


 

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 19.08.2015 (tB).

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