Augen zu und durch!

BMG ignoriert nationales wie internationales Expertenvotum

 

Berlin (6. August 2008) – Der Bundesverband Managed Care (BMC) reagiert mit ernsthafter Sorge auf Medienberichte, wonach das Bundesministerium für Gesundheit das Methodenpapier des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Kosten-Nutzen-Bewertung in zentralen Punkten unterstützt. Große Teile der wissenschaftlichen Gemeinschaft, national wie international, hatte das Papier heftig kritisiert und als wissenschaftlich nicht akzeptabel eingestuft. „Mit seiner Zustimmung stellt das Ministerium nicht nur international anerkannte Expertise in Frage, sondern isoliert Deutschland in Fragen der wissenschaftlichen Bewertung von Kosten und Nutzen im Gesundheitswesen.“, erklärt der stellvertretende BMC-Vorsitzende Prof. Dr. Franz Porzsolt, Leiter der klinischen Ökonomik der Universität Ulm. „Ein Schlag ins Gesicht für den Wissenschaftsstandort Deutschland!“


 

Dies betrifft insbesondere das Bewertungskonzept der so genannten Effizienzgrenze. Der BMC hatte dieses Konzept bereits in seiner Stellungnahme zum Methodenpapier des IQWiG scharf kritisiert. Das Modell ist der theoretischen Volkswirtschaftslehre entlehnt und kann genutzt werden, um die Arbeit einer Fabrik zu optimieren. Seine Anwendung im Bereich „Gesundheit“ ist äußerst fragwürdig. In Indikationsgebieten, in denen es bereits generisch verfügbare Arzneimittel gibt, wird die Effizienzgrenze tendenziell dazu führen, dass Innovationen nur ein geringer Mehrpreis zugestanden wird, selbst wenn ihnen ein höherer Nutzen zuerkannt wird. Der Anreiz, verbesserte Produkte zu entwickeln, sinkt. Bei Krankheitsbildern mit vorhandenen aber noch nicht ausgereiften Therapien werden die Patienten vom Fortschritt abgekoppelt. Das widerspricht geltendem Recht.

 

Wenig plausibel wirkt aus Sicht des BMC auch die laut Ärztezeitung breite Zustimmung des IQWiG-Kuratoriums zum Methodenpapier. „Das hat schon einen faden Beigeschmack“, findet Porzsolt. Im Interesse des Erhalts der Glaubwürdigkeit unserer Gesundheitsadministration und des Vertrauens der Bürger in die ohnehin schwierigen Entscheidungen fehlt es hier an Transparenz über das Zustandekommen des Kuratoriums-Votums. „Der BMC als pluralistischer Verband hat die Aufgabe die Integrität dieser Entscheidung zu hinterfragen.“, so Porzsolt.

 

Im September will das IQWiG eine überarbeitete Version des Methodenpapiers vorlegen. Der BMC ist noch nicht davon überzeugt, dass sich die Wissenschaft international den Vorstellungen des IQWiG anschließen wird. Der BMC registriert auch mit Sorge, dass qualifizierte deutsche Wissenschaftler beginnen, ins Ausland abzuwandern. Dies ist nach Auffassung des BMC ein ernsthaftes Zeichen dafür, dass der Wissenschaftsstandort Deutschland an Attraktivität verliert. Der BMC fordert daher die Politik auf, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten, um eine Abwanderung von Know How in das Ausland zu verhindern. Die Zustimmung des BMG zu dem Methodenpapier des IQWIG ist in diesem Zusammenhang das falsche Signal.

 

Die Stellungnahme des BMC zum Methodenpapier des IQWIG ist im Wortlaut über die Homepage des BMC abrufbar unter: www.bmcev.de/Stellungnahmen.233.0.html


Quelle: Pressemitteilung des Bundesverband Managed Care e.V. (BMC) vom 06.08.2008.

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