Thromboseprophylaxe

Erster oraler, direkter Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban gewinnt den PZ Innovationspreis 2009

 

PZ-Innovationspreis 2009Düsseldorf (26. September 2009) – Auch in diesem Jahr war es für die Mitglieder der Jury des PZ Innovationspreises keine leichte Entscheidung – doch jetzt steht der Sieger fest: Rivaroxaban (Xarelto®), der erste orale, direkte Faktor-Xa-Inhibitor, gewinnt den 15. PZ Innovationspreis. Anlässlich der Expopharm nahmen nun Claudia Geis, Leiterin Geschäftseinheit General Medicine, und Dr. Eva Mühlhofer, Medizinische Leiterin im Bereich Herz/Kreislauf und Hämatologie, im Namen der Bayer Vital GmbH den Preis in Düssel­dorf entgegen.

Im vergangenen Jahr erteilte die EMEA Rivaroxaban die Zulassung zur Prophylaxe von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen. Professor Dr. rer. nat. Hartmut Morck, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung, Eschborn, antwortete auf die Frage, weshalb der Faktor-Xa-Inhibitor zum diesjährigen Champion unter den Neuzulassungen gekürt wurde: „Riva­roxaban ist der erste direkte, hoch selektive Faktor-Xa-Inhibitor, der per­oral appliziert werden kann. Bislang ist er nur zur Prophylaxe venöser Thromboembolien nach Hüft- oder Kniegelenkersatz-OP zugelassen. Mit Rivaroxaban existiert nun eine neue Option neben den Heparinen sowie den direkten Thrombininhibitoren und es bietet in Zukunft eventuell eine Alternative zu Phenprocumon.“


 

 

Innovationen, die einen Sprung nach vorn bedeuten

 

In der Zeit vom 1. Juli 2008 bis 30. Juni 2009 brachten die Pharmaunter­nehmen in Deutschland 26 Fertigarzneimittel auf den Markt, die einen neuen Arzneistoff enthielten. Die Mitglieder der Jury des PZ Innovations­preises mussten alle 26 beurteilen. Die Liste der vertretenen Indikations­gruppen war lang: Antibiotika, Zytostatika, Analgetika bzw. Antirheuma­tika, Antidota, Immunglobuline, Impfstoffe, sowie je ein Antiallergikum, Antiepileptikum, Antihämorrhagikum, Antihypertonikum, Antikoagulan­tikum, Antimykotikum, Dermatikum, Regulatorisches Peptid, Diätetikum, Koronarmittel, Lipidsenker, Psychopharmakum, Urologikum und ein Thrombozytenaggregationshemmer.

 

„Damit bei dieser Vielfalt überhaupt eine Entscheidung möglich war, ha­ben wir die Arzneimittel je nach Innovationstyp drei unterschiedlichen Bewertungsgruppen zugeordnet: den Sprunginnovationen, den Schrittin­novationen und den Scheininnovationen, entsprechend der Definition der DPhG/APV“, erläuterte Morck. Von den 26 neuen Arzneimitteln wurden zwölf den Sprunginnovationen zugerechnet. „In die nähere Auswahl ka­men schließlich Tocilizumab (RoActemra®), Rivaroxaban (Xarelto®) und Ustekinumab (StelaraTM).

 

 

Thromboseprophylaxe mit einfacher Anwendung

 

Mühlhofer freut sich über den Preis: „Der Bedarf an neuen Substanzen mit einer einfachen oralen Anwendung, einem weiten therapeutischen Fenster und einer zuverlässigen antithrombotischen Wirkung mit guter Sicherheit ist zurzeit immer noch hoch. Mit einem klinischen Studienpro­gramm, an dem mehr als 65.000 Patienten teilnehmen, ist Rivaroxaban der zurzeit am intensivsten erforschte orale, direkte Faktor-Xa-Hemmer weltweit.“ Allein in der Phase II wurden an die 8.000 Patienten in Dosis­findungs- und Dosisbestätigungs-Studien eingeschlossen. Rivaroxaban zeigte darin eine hohe Bioverfügbarkeit und eine Halbwertszeit von sie­ben bis elf Stunden. Der Wirkeintritt erfolgt schnell (Cmax 2 – 4 Stunden). Rivaroxaban hemmt den Gerinnungsfaktor Xa direkt mit einer hohen Se­lektivität, das heißt er benötigt keinen Kofaktor um seine Wirkung zu entfalten.

 

 

Rivaroxaban im Vergleich

 

Professor Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf, stellte die Ergebnisse der drei RECORD (REgulation of Coagulation in major Orthopedic sur­gery reducing the Risk of Deep vein thrombosis and pulmonary embo­lism) Phase-III-Studien vor: „Diese Studien untersuchten Rivaroxaban hinsichtlich seiner Wirksamkeit und Sicherheit bei der Prävention von venösen Thromboembolien nach einem elektivem Hüft- oder Kniegelenk­ersatz bei nahezu 10.000 erwachsenen Patienten. Der primäre Endpunkt für die Wirksamkeit war die Gesamtrate an VTE. Im Direktvergleich mit subkutanem Enoxaparin zeichnete sich Rivaroxaban in RECORD 1 und 3 durch eine überlegene Wirksamkeit bei vergleichbarem Sicherheitsprofil aus.“

 

Für eine übergreifende Auswertung wurden die Daten der drei RECORD-Studien gepoolt, um die Inzidenz der symptomatischen VTE und die Inzi­denz der Gesamtmortalität als kombinierter primärer Wirksamkeitsend­punkt zu bestimmten. Als primärer Sicherheitsendpunkt wurde die Inzi­denz von schweren Blutungsereignissen am Tag 12 ± 2 und bis zum Ende der geplanten Medikationsphase (primärer Sicherheitsendpunkt) ausge­wertet. „Das Pooling der Studien verbessert die statistische Präzision und ermöglicht eine bessere Überprüfung klinisch relevanter Endpunkte“, erläuterte Krauspe. „Bei gleicher Prophylaxedauer (12 ± 2 Tage) konnte die Rate der symptomatischen VTE und der Gesamtmortalität durch Riva­roxaban im Vergleich zu Enoxaparin signifikant gesenkt werden, ohne hierdurch das Blutungsrisiko signifikant zu erhöhen.“

 

Das Ergebnis im Detail: Rivaroxaban führte im Vergleich zu Enoxaparin zu einer signifikanten Reduktion des kombinierten primären Wirksam­keitsendpunktes am Tag 12 ± 2 [0,4 % vs. 0,8 %; Odds Ratio: 0,44 (95 % CI: 0,23 − 0,79), p = 0,005]. Das Blutungsrisiko wurde nicht erhöht [schwere Blutungen bis 2 Wochen 0,2 % (Rivaroxaban) vs. 0,2 % (Eno­xaparin), p = 0,662; schwere Blutungen bis zum Ende der geplanten Me­dikationsphase 0,3 % (Rivaroxaban) vs. 0,2 % (Enoxaparin), p = 0,305].

 

„Die überlegene Wirksamkeit von Rivaroxaban lässt hoffen, dass der Fortschritt in der Thromboseprophylaxe mit dieser Neueinführung weiter ausgebaut wird und somit zu einer Reduktion von tiefen Venenthrombo­sen, Lungenembolien und Todesfällen führt“, resümierte Krauspe. Das klinische Studienprogramm wird indessen weiter vorangetrieben, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban in der Thromboseprophy­laxe bei weiteren Indikationen zu dokumentieren. Dazu gehören unter anderem die Therapie venöser Thromboembolien (tiefe Beinvenenthrom­bosen und Lungenembolien), die Schlaganfallprävention bei Patienten mit Vorhofflimmern, die Sekundärprävention nach akutem Koronarsyndrom und die Vorbeugung von VTE bei hospitalisierten Patienten mit internisti­schen Erkrankungen. 

 

 

Abbildungen

 

 

Abb. 1: Verleihung des Innovationspreises 2009 der Pharmazeutischen Zeitung an das Team der Firma Bayer HealthCare für die Entwicklung von Rivaroxaban.

 

Abb. 1: Verleihung des Innovationspreises 2009 der Pharmazeutischen Zeitung an das Team der Firma Bayer HealthCare für die Entwicklung von Rivaroxaban. 

 

 

 

Abb. 2: Die Liste der Preisträger des PZ-Innovationspreises von 1995 bis 2009.

 

Abb. 2:  Die Liste der Preisträger des PZ-Innovationspreises von 1995 bis 2009.

 

 

 

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Quelle: Verleihung des Innovationspreises der Pharmazeutischen Zeitung am 26.09.2009 in Düsseldorf (tB).

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