Prof. Gerd Glaeske, Rede anlässlich des Jubiläums der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ). Photo: DAZJubiläum der Deutschen Apothekerzeitung (DAZ)

Glaeske: Beratungsauftrag unter Beweis stellen!

 

Berlin (1. Juli 2011) – Kritisch durchleuchtete Prof. Dr. Gerd Glaeske, Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, in seinem Vortrag auf dem DAZ-Jubiläumskongress die Stellung der Apotheken im heutigen Versorgungssystem. Nach seiner Auffassung müsste mehr Wettbewerb um Qualität und Effizienz stattfinden. Angesichts sich verändernder Rahmenbedingungen sollten die Apotheken die neuen Chancen wahrnehmen, z. B. in der geriatrischen Pharmazie. Apotheken müssen in Zukunft stärker ihren Beratungs- und Versorgungsvertrag unter Beweis stellen, so Glaeske auf dem Kongress am 1. Juli in Berlin.

 

Die Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem ändern sich: es wird mehr Transparenz gefordert, der Wettbewerb um Qualität und Effizienz steht mehr und mehr im Vordergrund. Die Patienten seien unzufrieden mit den Informationen von Hausärzten über Arzneimittel und deren Nebenwirkungen. Hier könnten Apotheken mehr tun. Nicht zuletzt auch wegen Rabattverträgen, notwendigen Anwendungsvorschriften und Interaktionen sieht Glaeske eine steigende Notwendigkeit für Erklärungen und Beratungen. Aber auch aufgrund des demografischen Wandels und damit einhergehend immer mehr ältere Patientinnen und Patienten sieht Glaeske neue Anforderungen für Apothekerinnen und Apotheker.

 

Ein notwendiger Mix der Heilberufe (Ärzte, Apotheker, pflegerische Berufe, Heil- und Hilfsmittelerbringer) verlangt nach interprofessionell erstellten Behandlungsempfehlungen. Und die evidenzbasierte Medizin muss stärker auf geriatrische Probleme und neue Therapiemöglichkeiten reagieren. Glaeske: "Die Arzneimittelfachleute Apotheker bekommen in diesem Zusammenhang mehr Felder für ihre Kompetenz und Qualifikation – sie müssen sie aber auch nachweisen!" Als guten Ansatz sieht er hier die Weiterbildung in geriatrischer Pharmazie – "das ist die Zukunft!".

 

Glaeske mahnte darüber hinaus eine aktivere Rolle der Apotheker im Bereich der Selbstmedikation an. Da es auf dem Selbstmedikationsmarkt – neben sinnvollen Angeboten – auch Produkte gibt, die bestenfalls nur teuer, schlechtestenfalls auch noch problematisch sind, könnten sich gerade hier die Apothekerinnen und Apotheker durch Bewertungen der Präparate in der Öffentlichkeit profilieren. Glaeske: "Wo ist die Liste ‚Die Apotheker empfehlen’?"

 

Apotheken sind ein wichtiger Teil des Versorgungssystems, sie können zu Optimierungsstrategien in der Arzneimittelversorgung beitragen, die pharmazeutische Betreuung der Patienten übernehmen und zu einer optimalen Ressourcennutzung im Gesundheitswesen beitragen. Dies setzt allerdings die Bereitschaft voraus, im Rahmen neuer teamorientierter Arbeitsformen zu einer Neuaufteilung der Tätigkeitsfelder entsprechend der Qualifikation zu kommen und die entsprechende Verantwortung zu übernehmen.

 

Beliebt zu sein, wie es in einer ABDA-Werbung für die Apotheker heißt, reiche nicht aus, "‚beliebt’ ist kein Qualitätskriterium", so Glaeske. Die Apotheken sollten eine Differenzierung und Qualitätsvergleiche als Herausforderung annehmen.

 

Und es müssen neue Ausbildungsstrategien wie klinische Pharmazie als Basis für die notwendige Weiterentwicklung und Grundlage für den notwendigen Platz im "Professionenmix" etabliert werden. Die Apotheker werden sich, so Glaeskes Prognose, in unserem System anders als bisher einrichten müssen.

 

Wenn Sie den Vortrag nacherleben wollen, klicken Sie bitte unter:

http://www.youtube.com/watch?v=6OBGughKQOI&feature=related

 

 


Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ), 01.07.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…