Photo: Merck SelbstmedikationVirale Mischinfektionen häufiger als vermutet

Frühzeitig therapieren mit Oxymetazolin

 

Darmstadt (6. Dezember 2011) – Langwierige Erkältungskrankheiten können durch einzelne Viren, aber auch durch mehrere, gleichzeitig auftretende virale Erreger bedingt sein. Moderne virologische Untersuchungen erlauben deren schnellen Nachweis. Bei Kindern, die wegen Erkrankungen des unteren Respirationstrakts im Krankenhaus behandelt werden müssen, treten bestimmte Erreger gehäuft auf. An der Spitze liegen respiratory syncitial virus (RSV), Rhinoviren und das erst kürzlich identifizierte humane Bocavirus (hBoV). Dabei beeinflussen die Art des Erregers wie auch die Viruslast die Schwere der Erkrankung, wobei die gleichzeitige Infektion mit mehreren Erregern sich eher negativ auszuwirken scheint.

 

Hat die Erkältung erst auf den unteren Respirationstrakt übergegriffen, sind die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt. Die frühzeitige Behandlung der Erkrankung mit Oxymetazolin solange noch die oberen Atemwege betroffen sind, kombiniert antivirale mit antientzündlicher und abschwellender Wirkung, und kann dem Etagenwechsel vorbeugen.

 

 

Die „Erkältung“ – durchaus nicht harmlos

 

Akute Infekte des Respirationstraktes sind die häufigsten Erkrankungen des Menschen. Jeder erlebt sie immer wieder und ist deshalb geneigt, sie als harmlose virale Infekte abzutun. Dies mag für eine kurze Rhinitis durchaus zutreffen, nicht jedoch für ihre Komplikationen und Folgeerkrankungen wie Sinusitis, Otitis media, Bronchitis, Bronchiolitis und Pneumonie. Gerade sehr junge Kinder erleben zuweilen schwere Verläufe, die sogar eine stationäre Aufnahme erfordern können.

 

Gemessen an der epidemiologischen Bedeutung der respiratorischen Infekte ist noch sehr wenig darüber bekannt, welche Viren sie wann und wie verursachen. Erst in letzter Zeit helfen moderne Untersuchungsverfahren wie die Echtzeit-PCR (polymerase chain reaction), hier genauere Erkenntnisse zu gewinnen.

 

 

Welche Viren befallen die Atemwege?

 

Typische ‚respiratorische’ Viren sind RSV, Rhinoviren, Influenza Typ A und B, Parainfluenza Typ 1, 2 und 3, Enteroviren und Adenoviren. In den letzten Jahren wurden zudem auch Coronaviren, das humane Metapneumonievirus (HMPV) und das humane Bocavirus (hBoV) als Erreger von Atemwegsinfektionen identifiziert. Dabei werden RSV und Rhinoviren mit besonders schweren Krankheitsverläufen in Verbindung gebracht.

 

Nicht selten können sogar zwei oder mehr Viren gleichzeitig bei einem Patienten nachgewiesen werden, wie mehrere Studien zeigen konnten. Die Häufigkeit einer solchen dualen oder multiplen Infektion wird mit 16 bis 20 % der Fälle angegeben. Die Autoren untersuchten Kinder, die wegen schwerer Atemwegsinfektionen im Krankenhaus behandelt werden mussten.

 

 

Virale Mischinfektionen

 

Zu den Auswirkungen einer viralen Mischinfektion zeichnet sich noch kein ganz klares Bild ab. Jedoch deuten verschiedene Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass die gleichzeitige Infektion mit mehreren Viren den Krankheitsverlauf verschlimmert. Besonders häufig sind RSV, Rhinoviren und hBoV an viralen Mischinfektionen beteiligt, die dann auch besonders häufig einen schweren Verlauf nehmen. Bei einer Differenzierung nach Krankheitsbild konnte bei 17 % der Kinder mit Bronchitis, bei 23 % derer mit Bronchiolitis und bei sogar 33 % der Patienten mit Pneumonie eine virale Koinfektion festgestellt werden (Bonzel et al., 2008). Franz et al. zeigen in ihrer aktuellen Studie zum Thema eine Beziehung zwischen Viruslast und klinischem Verlauf. Zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme war speziell bei viralen Koinfektionen die Viruslast hoch, zum Zeitpunkt der Entlassung (nach klinischer Besserung) dann deutlich niedriger. Interessanterweise fanden die Autoren auch einen Zusammenhang zwischen viraler und bakterieller Infektion. So trat bei einer viralen Koinfektion unter Beteiligung von RSV oder Rhinovirus überwiegend M. catarrhalis auf, wohingegen bei RSV oder Rhinovirus Einzelinfektionen überwiegend H. influenzae nachgewiesen werden konnte.

 

 

Therapeutische Konsequenzen

 

Die Therapie einer schweren viralen Atemwegsinfektion beschränkt sich in aller Regel auf symptomatische Maßnahmen, da gezielte antivirale Therapeutika nicht zur Verfügung stehen. Lediglich bei intensivpflichtigen Verläufen durch RSV kann eine Anwendung von inhalativem Ribavirin in Erwägung gezogen werden.

 

Daher sollte dem Beginn der Erkrankung besonderes Augenmerk geschenkt werden: Sind „nur“ die oberen Atemwege betroffen, besteht die Möglichkeit einer Therapie mit Oxymetazolin (z.B. Nasivin®). Das seit 50 Jahren bewährte Rhinologikum ist für seine abschwellende Wirkung bekannt. Als Nasenspray oder Nasentropfen steht es in altersgerechter Dosierung für alle Altersgruppen schon ab der 1. Lebenswoche zur Verfügung. In den letzten Jahren konnte das Wirkprofil von Oxymetazolin genauer entschlüsselt werden. So wurde eine antivirale Wirkung des a-Sympathomimetikums gegen Rhinoviren und Influenzaviren vom Typ A nachgewiesen. Gleichzeitig wirkt Oxymetazolin antientzündlich und immunmodulierend. Wird die Therapie mit Oxymetazolin frühzeitig begonnen, kann einer Ausbreitung in andere Kompartimente wirksam begegnet werden. Die Wiederherstellung der Belüftung der Nase beugt Sinusitis und Otitis media vor. Die gleichzeitige Verminderung der Viruslast ermöglicht dem Körper eine rasche Selbstheilung.

 

 

Literatur

 

  • J.H. Aberle et al.: Single versus dual respiratory virus infections in hospitalized infants. The Pediatric Infectious Disease Journal 2005; Vol. 24, Nr. 7, 605-610
  • E. Kanta Subbarao et al.: Detection of multiple viral agents in nasopharyngeal specimens yielding respiratory syncitial virus (RSV). Diagn Microbiol Infect Dis 1989; 12: 327-332
  • L. Bonzel et al.: Frequent detection of viral coinfection in children hospitalized with akute respiratory tract infection using a real-time polymerase chain reaction. The Pediatric Infectious Disease Journal 2008; Vol. 27, Nr. 7, 589-594
  • Franz et al.: Correlation of viral load of respiratory pathogens and co-infections with disease severity in children hospitalized for lower respiratory tract infection. J Clin Virol. 2010, article in press

 

 


Quelle: Merck Selbstmedikation, 06.12.2011 (tB).

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