Wissenschaftsrat spricht sich für eine partielle Akademisierung der Gesundheitsfachberufe aus

Neue Qualifizierungswege für Berufe der Gesundheitsversorgung

 

Köln (16. Juli 2012) – Fachpersonal, das in komplexen Aufgabenbereichen der Pflege, der Therapieberufe (Physio-, Logo- und Ergotherapie) und der Geburtshilfe tätig ist, soll künftig an Hochschulen ausgebildet werden. In primärqualifizierenden patientenorientierten Studiengängen sollen künftig zehn bis 20 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs mit einem Bachelor-Abschluss zur unmittelbaren Tätigkeit am Patienten befähigt werden. Die neu zu schaffenden Studienplätze sollten stärker als bisher an staatlichen Hochschulen und auch an Universitäten eingerichtet werden.

 

Mit diesen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe trägt der Wissenschaftsrat künftigen Entwicklungen im Gesundheitssystem Rechnung, das vor großen Herausforderungen steht. So wird vor allem der demographisch-epidemiologische Wandel eine wachsende Zahl multimorbider, chronisch erkrankter und pflegebedürftiger Patientinnen und Patienten zur Folge haben. Das heißt: Diese Menschen brauchen künftig nicht nur mehr, sondern auch qualitativ andere Versorgungsleistungen. Neue Möglichkeiten in der Diagnostik, Therapie, Prävention, Rehabilitation und Pflege verstärken die Anforderungen an die Gesundheitsfachberufe in ihrer Komplexität noch zusätzlich. Auf die daraus resultierenden neuen und gestiegenen Qualifikationserfordernisse für viele Berufe der Gesundheitsversorgung muss in der Ausbildung adäquat reagiert werden.

 

„Um die Qualität der Gesundheitsversorgung zu sichern, wird es immer wichtiger, dass auch Angehörige der Gesundheitsfachberufe vermehrt eigenständig und evidenzbasiert handeln und ihre professionelle Tätigkeit auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis reflektieren können. Deshalb halten wir es für erforderlich, diejenigen Angehörigen der Gesundheitsfachberufe, die komplexe Aufgaben wahrnehmen, an Hochschulen auszubilden“, erläutert der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Wolfgang Marquardt. „Die dafür notwendigen Mittel müssen bereitgestellt werden.“

 

Die verschiedenen Gesundheitsfachberufe als eigenständige wissenschaftliche Disziplinen zu etablieren, macht es darüber hinaus auch erforderlich, genuine Forschungsprogrammatiken zu entwickeln und wissenschaftliche Karrierewege zu schaffen. In enger Interaktion mit der Universitätsmedizin und anderen relevanten, an Universitäten angesiedelten Fächern ist dafür die Forschung weiter zu entwickeln.

 

Zur weiteren Verbesserung der ärztlichen und zahnärztlichen Ausbildung empfiehlt der Wissenschaftsrat, die Möglichkeiten zur Bildung individueller Studienschwerpunkte auszuweiten, das Studium stärker kompetenzorientiert, problemorientiert und patientenzentiert zu gestalten und die Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens stärker zu gewichten.

 

Im Interesse einer interprofessionellen Ausbildung, die angemessen auf eine Tätigkeit in einem stark arbeitsteilig und kooperativ organisierten Gesundheitswesen vorbereitet, misst der Wissenschaftsrat der Vernetzung der Qualifizierungswege für die Gesundheitsversorgungsberufe große Bedeutung bei. Deshalb schlägt er vor, an Fachhochschulen neu geschaffene Studiengänge unter dem Dach einer Fakultät für Gesundheitswissenschaften einzurichten. Diese sollten – im Sinne eines fakultäten- und hochschulübergreifenden ‚Gesundheitscampus’ – eng mit einer Universität mit Medizinischer Fakultät kooperieren. An Universitäten neu geschaffene pflege-, therapie- und hebammenwissenschaftliche Studiengänge sollen unter dem Dach eines Departments für Gesundheitswissenschaften etabliert werden, das der Medizinischen Fakultät angegliedert ist.

 


 

Quelle: Wissenschaftsrat, 16.07.2012 (tB).

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