Bösartige Hirntumore: Nutzen von PET und PET/CT zur Erkennung von Rückfällen nicht beurteilbar

 

Fehlende Studien könnten durch internationale Kooperationen in vertretbarer Zeit nachgeholt werden

 

Berlin (18. Januar 2011) – Maligne Gliome sind schnellwachsende Hirntumore, bei denen die Aussichten auf Heilung je nach Tumorstadium sehr beschränkt sind. Experten hoffen, dass die Untersuchung von Patienten mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) besser als andere Verfahren bei der Auswahl der richtigen Behandlung helfen könnte. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Nutzen der PET in der Erkennung von Rückfällen jetzt in einem Abschlussbericht untersucht. Danach sind zu den Vor- oder Nachteilen der PET keine belastbaren Schlussfolgerungen möglich.

 

 

Doppelte Fragestellung

 

Das Institut hat zwei Fragen untersucht. Die erste Frage lautete: Trägt die PET als Einzelgerät oder als Kombination aus PET und Computertomographie (CT) in einem Gerät (PET/CT) dazu dabei, dass Patienten mit Rückfällen von Gliomen länger überleben oder weniger Komplikationen durch ihre Krankheit und Behandlungen hinnehmen müssen? Diese Frage konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG nicht beantworten, weil sie in der Fachliteratur keine belastbare Studie fanden, die eine Aussage zum patientenrelevanten (Zusatz-)Nutzen zuließ.

 

Außerdem untersuchten sie noch eine zweite Frage: Kann man einen Rückfall eines Glioms nach einer Behandlung durch eine PET oder PET/CT-Untersuchung zuverlässiger erkennen als mit anderen Methoden? Zur PET fanden sich zwar 12 Studien aus über zwei Jahrzehnten, von Studie zu Studie schnitt das Verfahren jedoch so unterschiedlich ab, dass keine allgemeine Antwort gegeben werden kann. Zur PET/CT fand sich keine einzige Studie.

 

Dieser Mangel an guten Studien ist bedauernswert. Die PET wird bereits seit den frühen 1980er-Jahren bei Patienten mit Hirntumoren versuchsweise eingesetzt, es gab also genügend Zeit für aussagekräftige Studien. Das IQWiG plädiert deshalb dafür, die fehlenden Studien schnellstens nachzuholen. Weil Gliome relativ selten sind, müssten sich dazu mehrere Kliniken im Idealfall zu internationalen Kooperationen zusammenschließen, um in vertretbarer Zeit belastbare Daten zu gewinnen.

 

 

Wie funktioniert die PET?

 

Zur Diagnose von Hirntumoren werden Computertomographie (CT) (und Magnetresonanztomographie, MRT) eingesetzt. Mit diesen Geräten können ganze Organe dreidimensional dargestellt werden. Wenn ein Patient mit einem Hirntumor durch eine Bestrahlung behandelt wurde, lässt sich auf den Bildern des Gehirns aber oft nicht unterscheiden, ob es sich bei sichtbaren Überresten um aktives Tumorgewebe handelt oder um Gewebereste, die durch die Bestrahlung abgetötet wurden (Strahlennekrosen).

 

Die PET soll hier weiterhelfen. Dazu wird den Patienten ein Kontrastmittel gespritzt, das eine schwache und unschädliche radioaktive Strahlung abgibt. Da Tumorgewebe oft einen aktiveren Stoffwechsel als gesundes oder abgestorbenes Gewebe hat, reichert sich das strahlende Kontrastmittel dort an. Diese "leuchtenden" Gewebestellen im Körper können mit Hilfe der PET gemessen und in CT-Bilder eingeblendet werden, so dass Ärzte gleichzeitig die Lage und die Stoffwechselaktivität von Gewebeauffälligkeiten sehen können. In neueren Studien werden auch PET und MRT kombiniert.

 

Auch wenn die PET-Untersuchung mehr Informationen liefern würde, hieße das nicht zwangsläufig, dass Patienten davon einen Nutzen haben. Die entscheidende Frage ist, ob die PET oder PET/CT die Behandlung der Patienten verbessert, indem sie zum Beispiel den Ärzten hilft, die individuell beste Therapie auszuwählen.

 

 

Zum Ablauf der Berichtserstellung

 

Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG im Juli 2010 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im November 2010 an den Auftraggeber versandt. Die schriftlichen Stellungnahmen werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.

 

Einen Überblick über Hintergrund, Vorgehensweise und weitere Ergebnisse des Abschlussberichts gibt folgende Kurzfassung (PDF, 50 kB).

 

 


Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 18.01.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…
Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…