Brisante erste Ergebnisse einer Online-Umfrage

Ein Gesundheitssystem ist nur so stabil wie die Gesundheit des Pflegefachpersonals!

Berlin (12. Mai 2016) – Gesundheitssysteme müssen eine Antwort geben auf heutige und künftige Anforderungen – und diese sind vielfältig. Nur starke und ausreichend belastbare Systeme können die Lösung sein. Wo sie kollabieren, beispielsweise weil die nötige finanzielle Ausstattung fehlt oder die Fachkräfte aus schlechten Arbeitsbedingungen flüchten, bleibt die Bevölkerung unversorgt. Mit dem diesjährigen Motto „Improving health system`s resilience“ (Professionelle Pflege – Macht das Gesundheitssystem belastbar/er) setzt der Weltverband der Pflegeberufe ICN am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflegenden, deshalb ein Zeichen. „Pflegefachpersonen gehören der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens an.

Sie haben die Hauptlast der Versorgung kranker und pflegebedürftiger Menschen zu tragen – an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr. Ihrer Kompetenz und ihrem immensen Einsatz ist es zu verdanken, dass hilfesuchende Menschen in Krankenhäusern, Heimen und der häuslichen Versorgung Ansprechpartner haben und fachgerecht gepflegt werden. Es ist an der Zeit, dass diese Leistung endlich anerkannt und gewürdigt wird: durch angemessene Beteiligung an Entscheidungen im Gesundheitssystem, zuallererst aber durch gute und motivierende Arbeitsbedingungen,“ fordert DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein anlässlich des heutigen weltweiten Tags der Pflegenden.

„Ein Gesundheitssystem ist immer nur so belastbar wie die Fachkräfte, die es tragen. Um deren Resilienz zu erhalten und zu stärken, sind gesundheitsfördernde Arbeitsumfelder nötig, ein Faktor, der in Deutschland bei beruflich Pflegenden seit Jahren sträflich vernachlässigt wird. Immer mehr Arbeit soll von immer weniger und geringer qualifiziertem Pflegepersonal bewältigt werden, bei steigenden Qualitätsanforderungen. Arbeitsrecht und Arbeitsschutzbestimmungen werden dabei gern großzügig ausgelegt, immer auf Kosten der Beschäftigten. Die ersten Ergebnisse unserer Online-Umfrage „Mein Recht auf Frei“ zu Dienstplansicherheit und Pausen, die wir heute veröffentlichen, zeigen das Ausmaß der kontinuierlichen Überlastung und zahlreiche Verstöße gegen geltendes Recht sehr deutlich. Das scheint in vielen Einrichtungen längst Normalität geworden zu sein. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) wird dies nicht akzeptieren, sondern den Verantwortlichen kritische Fragen stellen und konsequente Änderungen einfordern“, so Bienstein weiter.

Im Rahmen seiner diesjährigen Aktion „Mein Recht auf Frei“ hat der DBfK von Anfang März bis Mitte April 2016 eine Online-Umfrage zur Dienstplanung und Pausenregelung für Pflegende in Kliniken, Heimen und der ambulanten Pflege durchgeführt. 3572 Antworten gingen ein und konnten in die Auswertung einbezogen werden, die momentan noch fortgesetzt wird. Aus Anlass des heutigen Internationalen Tags der Pflegenden werden erste Ergebnisse veröffentlicht. Sie werfen ein grelles Schlaglicht auf die problematische Situation vor Ort und die Arbeitsbedingungen, die langjährig Pflegende ausbrennen lassen und aus dem Beruf treiben. Beispielsweise berichtet knapp die Hälfte der UmfrageteilnehmerInnen, dass sie ein- bis zweimal im Monat kurzfristig Schichten übernehmen müssen, ein weiteres Drittel ist davon sogar drei- bis fünfmal pro Monat und weitere 9% quasi wöchentlich betroffen.

Dass Überforderung der verbliebenen Mitarbeiter keine gute Strategie gegen den Fachkräftemangel ist, sollte inzwischen wirklich bekannt sein. In vielen pflegerischen Einrichtungen wird es dennoch praktiziert. Die Umfrage zeigt, dass freie Tage und Urlaub häufig als kostenlose Rufbereitschaft betrachtet und die MitarbeiterInnen immer wieder kurzfristig zum Einspringen aufgefordert oder sogar genötigt werden. Gesetzlich vorgeschriebene Pausen entfallen, weil der Arbeitsdruck keine Pause zulässt. Die Folgen solcher Personalpolitik sind schon seit Jahren nicht zu übersehen: hohe Ausfallquoten, lange Krankheitsdauer, steigender Anteil belastungsbedingter psychischer Erkrankungen, Berufsflucht und innere Kündigung, schlechtes Berufsimage und sinkende Berufsverweildauer vor allem der jungen Generation.

Das alles sind keine guten Voraussetzungen, um den Pflegefachpersonenmangel zu beheben und den demografischen Wandel und damit verbunden steigenden Pflegebedarf zu bewältigen. Wer mehr Attraktivität für die Pflegeberufe will, darf nicht gleichzeitig schlechte Arbeitsbedingungen tolerieren. Diese Verantwortung tragen Politiker, Aufsichtsbehörden und Arbeitgeber gleichermaßen.

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Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK), 12.05.2016 (tB) Thomas Backe

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