Krankheit durch Armut oder umgekehrt

Bessere Hilfe durch interdisziplinäre Ansätze

 

Ulm (25. März 2011) – Wie kann kranken Menschen in Armut besser geholfen werden? Über die beteiligten Disziplinen hinweg will das Zentrum Medizin und Gesellschaft der Universität Ulm zu wirksameren Betreuungskonzepten beitragen. Eine von der Volkswagen Stiftung geförderte Tagung beschäftigte sich zu Beginn dieser Woche mit den Zusammenhängen zwischen Krankheit und der Verstetigung prekärer Lebensverhältnisse in Familien.

 

Es stellte sich heraus, dass die Konzepte der Anerkennung und Selbstkonstitution den Schlüssel zur fachübergreifenden Auseinandersetzung über die Probleme der Betroffenen bieten. „Unser Ziel ist nun ein breit angelegtes Forschungsvorhaben“, sagt der Sprecher des Zentrums, Professor Heiner Fangerau, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (GTE).

 

Viele Einflussfaktoren prägen die schwierigen Lebensverhältnisse der Betroffenen, darin sind die Wissenschaftler sich einig: Vom eigenen und dem angetragenen Rollenbild über genetische Faktoren bis hin zu Umwelteinflüssen. Insbesondere vielversprechende Pilotprojekte zeigen: „Es gibt einfache und gleichzeitig kostengünstige Ansätze, wie Menschen dem Teufelskreis von Arbeitslosigkeit, prekären Lebensumständen und deren gesundheitlichen Folgen entrinnen können“, berichtet Sebastian Kessler, Wissenschaftler in Fangeraus Institut und Koordinator der Tagung. Das Pilotprojekt „Arbeit und Gesundheit“ des Ulmer Psychosomatikers Dr. Heribert Limm etwa, ein Fitness-Programm für Langzeitarbeitslose mit greifbaren Erfolgen: Mehr Selbstwertgefühl, eine stabilere Gesundheit und höhere Vermittlungschancen schon innerhalb weniger Monate.

 

Die Tagung eröffnet die Möglichkeit zur weiteren gemeinsamen Beschäftigung mit der Problematik. „Uns war wichtig, eine gemeinsame Sprache zu finden, mit der wir über alle Disziplinen hinweg das Problemfeld in den Blick nehmen können.“ Dies sei durch die Vielzahl der vorgetragenen Erkenntnisse und Erfahrungen fraglos gelungen. Konsens bestand Fangerau und Kessler zufolge überdies in der Überzeugung, dass zahlreiche Fragestellungen nicht von einem Fachgebiet allein beantwortet werden können. „Wir müssen das Thema interdisziplinär angehen und dabei die geisteswissenschaftliche Perspektive einbeziehen“, so Heiner Fangerau. Das gelte insbesondere für den Grenzbereich von medizinischen und sozialen Problemen samt deren Folgen.

 

Das Tagungskonzept jedenfalls, eigene Kompetenzen plus externe Expertise durch mehrere namhafte Experten als Referenten, habe sich absolut bewährt. Dass die Ulmer Fachgebiete, von der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, über die Psychosomatik und Psychologie bis zur Philosophie (Humboldt-Studienzentrum) ausnahmslos durch ihre Chefs und Geschäftsführer vertreten worden seien, unterstreiche zudem den Stellenwert des Projekts. „Eine außergewöhnliche Konstellation“, freut sich Heiner Fangerau, sie zeige die besondere Stärke des Zentrums Medizin und Gesellschaft wie der Universität insgesamt. „Auf dieser Basis können wir bei diesem für die Entwicklung moderner Gesellschaften sehr wichtigen Thema eine wesentliche Rolle übernehmen.“

 

 


Quelle: Universität Ulm, 25.03.2011 (tB).

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