Langzeitinvestition ins Glück

 

Junge Eltern werden mit jedem Kind unzufriedener. Werden sie jedoch älter, übersteigt ihr Lebensglück das von Kinderlosen

 

Rostock (10. März 2011) – Je mehr Kinder ein junges Paar hat, desto weniger zufrieden ist es. Ab dem Alter von 40 Jahren ist es jedoch anders herum: dann bedeuten mehr Kinder mehr Lebensglück. Das gilt unabhängig von Geschlecht, Einkommen und Beziehungsstatus, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) und der University of Pennsylvania in einer Studie mit Befragungsdaten von über 200.000 Frauen und Männer für 86 verschiedene Länder belegen.

 

„Kinder können eine Langzeitinvestition ins Glück sein“, sagt Mikko Myrskylä vom MPIDR. Der Demograf ist neben Rachel Margolis von der University of Pennsylvania in Philadelphia, USA, Autor der Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „Population and Development Review“ erschienen ist. Der globale Trend: Während für Eltern unter 30 Jahren das Glücksniveau ab dem ersten Kind mit jedem weiteren sinkt, sind schon 30 bis 39-jährige Eltern mit bis zu drei Kindern genau so glücklich wie Kinderlose. Mit dem vierten Baby werden sie unglücklicher. Ab 40 fühlen sich Eltern wohler als Kinderlose – es sei denn, sie haben vier oder mehr Kinder. Über 50-jährige Mütter und Väter sind in jedem Fall glücklicher als Gleichaltrige ohne Kinder, unabhängig von deren Anzahl.

 

 

Je älter, desto glücklicher

 

Die Studie klärt erstmals auf belastbarer Datenbasis den Widerspruch zwischen der verbreiteten Ansicht, dass Kinder glücklich machen, und der Tatsache, dass die Forschung bisher keinen, oder nur einen negativen Zusammenhang zwischen Kinderzahl und Lebensglück feststellen konnte. „Dass wir den Alterstrend unabhängig von Geschlecht, Einkommen, Beziehungsstatus und auch der Geburtenrate feststellen, zeigt, dass man ihn aus Sicht des jeweiligen Lebensalters erklären muss“, sagt Demograf Myrskylä, der am MPIDR die Max Planck Forschungsgruppe „Dynamik des Lebensverlaufes und demografischer Wandel“ leitet. In der ersten Zeit der Elternschaft sind die positiven Aspekte von Kindern und Familie überdeckt von negativen Erfahrungen wie wenig Schlaf, Sorge um die Kleinen oder finanzielle Beschrän¬kungen. Doch je älter Mütter und Väter werden, desto weniger belastet sie ihr Nachwuchs, der gleichzeitig älter und damit selbstständiger wird. Wenn Kinder erwachsen werden, profitieren die Eltern, die dann zwischen 40 und 60 Jahren alt sind, von ihnen finanziell und emotional. So steigt die Zufriedenheit von Eltern ab 40 in ehemals sozialistischen Staaten besonders stark mit der Kinderzahl. In diesen Ländern ist das Sozialsystem eher schwach ausgebaut und Eltern sind stärker auf finanzielle Unterstützung der eigenen Kinder angewiesen.

 

 

Hilft der Staat, fühlen sich junge Eltern wohler

 

Der Staat kann dem Glück nachhelfen: In ehemals sozialistischen Staaten wie Russland, Polen oder Ungarn, die junge Eltern eher wenig unterstützen, fällt die Zufriedenheit der Mütter und Väter besonders deutlich mit steigender Zahl der Kinder – verglichen mit gleichaltrigen Kinderlosen. In stärker ausgebauten Wohlfahrtsstaaten wie West¬deutsch¬land, Österreich oder der Schweiz ist die Kurve dagegen flach: Eltern und Kinder¬lose empfinden hier in jedem Alter eine ähnliche Zufriedenheit. Dabei nimmt der Glück spen¬dende Einfluss von Nachwuchs offenbar zu: In der Erhebungsperiode von 1997 bis 2005 gaben die Eltern weltweit an, sich wohler zu fühlen als im Zeitraum von 1981 bis 1996 – unabhängig vom Alter. Die Ergebnisse der Studie basieren auf den Angaben von mehr als 200.000 über 15-jährigen Frauen und Männern im Rahmen des World Value Surveys (WVS) in den Jahren 1981 bis 2005. Der WVS ist die weltweit größte Erhebung, die Fragen zu Kindern und Lebensglück beinhaltet.

 

 

Über das MPIDR

 

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) untersucht die Struktur und Dynamik von Populationen. Von politikrelevanten Themen des demografischen Wandels wie Alterung, Geburtenverhalten oder der Verteilung der Arbeitszeit über den Lebenslauf bis hin zu evolutionsbiologischen und medizinischen Aspekten der Alterung. Das MPIDR ist eine der größten demografischen Forschungseinrichtungen in Europa und zählt zu den internationalen Spitzeninstituten in dieser Disziplin. Es gehört zur Max- Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaft. www.demogr.mpg.de

 

 

 

  • Originalartikel: Rachel Margolis, Mikko Myrskylä, „A Global Perspective on Happiness and Fertility“ in: Population and Development Review; DOI: 10.1111/j.1728-4457.2011.00389.x

 

 


Quelle: Max-Planck-Institut für demografische Forschung, 10.03.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…