Stellungnahme von DGPPN, DGKJP und DGN gegen Ultimative Fighting

Brutalisierung und Verharmlosung von Gewalt in unserer Gesellschaft keinen Vorschub leisten

Berlin (11. Juni 2009) – Die geplanten Ultimate Fighting-Kämpfe am kommenden Samstag, den 13. Juni 2009, in der Lanxess-Arena in Köln betrachtet die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapie (DGPPN) mit großer Sorge. Gemeinsam mit den anderen wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) warnt die DGPPN vor einer schleichenden Brutalisierung und Verharmlosung von Gewalt in unserer Gesellschaft, der mit dieser extremen Kampfsportart Vorschub geleistet werde.


 

Ultimate Fighting, eine US-amerikanische Variante des Boxens, wird mit dem Kampf in Köln auch in Deutschland seinen Einzug halten. Der Auftritt stellt nur den Auftakt für weitere bundesweit folgende Kampfsportveranstaltungen in Deutschland dar. Angefeuert von johlenden Fans prügeln Kämpfer in einem Drahtkäfig aufeinander ein. Nahezu unbegrenzte Freiheit von Regeln, Aggression ohne gesellschaftliche Grenzen und der Verzicht auf menschliche Tabugrenzen lässt die Zuschauer den Atem anhalten. Die fast nackte Hand ersetzt den Boxhandschuh und eine multikulturelle Mischung von Kampftechniken löst die Trennung von Boxen, Ringen und Karate sowie die damit verbundenen Regularien auf.

DGPPN, DGKJP und DGN vertreten als wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften mit mehr als 10.000 Mitgliedern sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Angehörige anderer Berufgruppen, die in Deutschland auf den Gebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Nervenheilkunde und Neurologie arbeiten. Zu ihren Aufgaben gehört es, sich für die Belange psychisch und neurologisch kranker Menschen jeglichen Alters einzusetzen. Wie in allen medizinischen Fächern kommt dabei auch der Prävention eine entscheidende Rolle zu. Nach wie vor gehört Gewalt im privaten und im öffentlichen Bereich zu den ursächlichen Faktoren von psychischen Störungen und Erkrankungen. Soziales Lernen vollzieht sich an Vorbildern und Modellen. Für psychische Gesundheit und eine positive Entwicklung menschlichen Verhaltens sind deshalb positive und gewaltfreie Erfahrungen und Erlebnisse entscheidend.

DGPPN, DGKJP und DGN weisen in ihrer gemeinsamen Stellungnahme mit Nachdruck darauf hin, dass in unserer Gesellschaft die öffentliche Darstellung von Gewalt in Form von Computerspielen und in Filmen schon lange ein sehr bedenkliches Ausmaß erreicht hat. Als Live-Darstellung verleiht Ultimate Fighting diesem Trend nun eine neue Dimension, indem Brutalität in die Nähe tolerabler Verhaltensnormen gerückt sowie körperliche Agressivität und die Inszenierung von Gewalt durch Kampf als quasi heroisches Handeln stilisiert werden. Die Fachgesellschaften warnen ausdrücklich vor einer solchen Inszenierung von Gewalt.

Auch aus medizinischer Sicht ist Ultimate Fighting äußerst gefährlich: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Sportart mehr Verletzungen provoziert als das klassische Boxen. Gewalt und Verletzungen während des Kampfes werden von den Veranstaltern nur zu oft verharmlost. Die Möglichkeit von schwersten Kopfverletzungen stellt jedoch ein unvorhersagbares Risiko dar.

In ihrer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sich DGPPN, DGKJP und DGN als wissenschaftliche und medizinische Fachgesellschaften daher gegen öffentliche Gewaltdarstellungen und Gewaltinszenierungen wie das Ultimate Fighting aus und hoffen in ihrem Bemühen auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens, der einer Kultur der Toleranz und Gewaltlosigkeit in unserer Gesellschaft das Wort redet.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vom 11.06.2009.

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