Bürger fragen – Wissenschaftler antworten

Das IQWiG legt vier neue Themen für HTA-Berichte fest

 

Köln (23. Januar 2019) – Depressionen bei Kindern, mHealth-Lösungen bei Multipler Sklerose, Elephantiasis und Schmerzen bei Endometriose – Fragen zu diesen vier medizinischen Themen hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in diesem Jahr aus den Vorschlägen von Bürgerinnen und Bürgern für die wissenschaftliche Bewertung in Form von HTA-Berichten ausgewählt. Externe Sachverständige werden nun den Fragen der Bürgerinnen und Bürger nachgehen und dann jeweils eine wissenschaftliche Bewertung von medizinischen Verfahren und Technologien (engl. Health Technology Assessment = HTA) erstellen. Diese Bewertung wird dann als sogenannter HTA-Bericht beim ThemenCheck Medizin des IQWiG veröffentlicht.

 

Die jetzt ausgewählten Themenvorschläge im Einzelnen:

 

  • Leichte Depressionen bei Kindern und Jugendlichen: Führen verhaltens- und psychotherapeutische Verfahren im Vergleich zu anderen Verfahren zu besseren Ergebnissen?
  • Multiple Sklerose: Verbessern mHealth-Lösungen (z. B. Medizin-Apps) das Selbstmanagement der Betroffenen?
  • Elephantiasis (unförmiges Anschwellen von Körperteilen mit Hautveränderungen): Lassen sich durch nichtmedikamentöse Verfahren die Symptome lindern?
  • Schmerzen bei Endometriose (Neubildung der Gebärmutterschleimhaut): Helfen anstelle von Schmerzmedikamenten auch andere Verfahren?

„Unser Ziel ist es immer, aus den eingereichten Vorschlägen diejenigen auszuwählen, die für die Patientenversorgung in Deutschland besonders relevant sind“, erläutert Sarah Thys, die im IQWiG-Bereich Versorgung den ThemenCheck Medizin betreut. „Ich denke, das ist uns auch diesmal gelungen: Der Leidensdruck der Patientinnen und Patienten bei den ausgewählten Fragestellungen ist zweifellos groß und viele sind betroffen. Jede noch so kleine Versorgungsverbesserung hilft hier weiter.“

Bei der Auswahl kommen sowohl Bürgersicht und Patientenperspektive wie auch die wissenschaftliche Bedeutung der Themen zum Tragen: In der ersten Stufe trifft der Auswahlbeirat mit Bürgerinnen und Bürgern, Patientenvertreterinnen und -vertretern zunächst eine Vorauswahl. Die Mitglieder des erweiterten Fachbeirats (u. a. Vertreter der Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen und des Bundesgesundheitsministeriums) unterstützen das IQWiG dann in der zweiten Auswahlstufe dabei, die für HTA-Berichte geeigneten Themen zu bestimmen.

 

Von der Frage zum HTA-Bericht

Im nächsten Schritt werden über öffentliche Vergabeverfahren Teams von externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gesucht, die zunächst die Basisberichte zu den ausgewählten Themen erstellen. Dabei folgen sie den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin und berücksichtigen auch ökonomische, soziale, ethische, organisatorische sowie rechtliche Aspekte. Der vollständige HTA-Bericht umfasst den Basisbericht und einen Herausgeberkommentar des IQWiG. Eine leicht verständliche Kurzfassung im Basisbericht gibt Bürgerinnen und Bürgern eine kompakte Antwort auf ihre Frage an die Wissenschaft.

Den ersten vorläufigen Basisbericht beim 2016 gestarteten ThemenCheck Medizin – Musiktherapie bei Krebs – hat das IQWiG Anfang 2019 veröffentlicht. Die HTA-Berichte zu den vier neuen Themen werden beim ThemenCheck Medizin voraussichtlich ab Mitte 2020 zu finden sein. Alle HTA-Berichte leitet das IQWiG an Institutionen und Akteure weiter, die über Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und die Ausgestaltung des Gesundheitswesens entscheiden.

 

Nächste Themenauswahl: Sommer 2019

Das nächste Verfahren zur Themenauswahl startet im Sommer 2019. Aus allen bis dahin eingegebenen Vorschlägen werden weitere HTA-Themen für die nächsten Berichte ausgewählt. Themen vorschlagen geht ganz einfach online – auch ohne Fachkenntnisse: Geben Sie beim ThemenCheck Medizin Ihre Fragestellung und Hintergrundinformationen direkt in ein Formular ein. Offene Punkte klärt das IQWiG-Team direkt mit Ihnen. Alle Vorschläge, aus denen sich eine HTA-Fragestellung formulieren lässt, veröffentlicht das IQWiG in der Themenliste auf www.themencheck-medizin.iqwig.de.

 

Weitere Informationen beim IQWiG

 


Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 23.01.2019 (tB).

Schlagwörter:

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung