Abb. 1: Mithilfe des neuartigen Reanimationseinsatzfahrzeugs sollen die Überlebensraten bei plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand gesteigert werden können. Photo: Uniklinik RegensburgNeuartiges Reanimationsfahrzeug

Wenn jede Sekunde zählt

 

Regensburg (26. September 2014) – Spezialisten des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) realisieren ein neuartiges Reanimationsfahrzeug. Im Rahmen von Notarzteinsätzen soll damit die Überlebensrate bei plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand verbessert werden können. Jährlich erleiden in Deutschland circa 150.000 Menschen einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Statistisch überleben drei bis acht von 100 Betroffenen. Ursächlich für diese geringen Überlebensraten sind zum einen die Dauer, bis Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden, und zum anderen deren Qualität bzw. Kontinuität.


Dem interdisziplinären ECMO-Zentrum des UKR ist es unter Federführung der Klinik für Anästhesiologie und in Kooperation mit dem Rettungszentrum Regensburg sowie den Unternehmen Audi und Sorin gelungen, ein neuartiges Reanimationseinsatzfahrzeug einzurichten, mit dem betroffene Patienten schneller und besser behandelt werden können. Das Fahrzeug ist mit einer transportablen Herz-Lungen-Maschine (ECMO) ausgestattet und wird von einem Spezialistenteam, bestehend aus Anästhesist und Kardiotechniker, betreut.


Das Reanimationsmobil in der Praxis

„Die Herz-Lungen-Maschine kann unmittelbar am Einsatzort am Patienten angeschlossen werden. Damit lässt sich eine umgehende und ausreichende Sicherstellung der Herz-Kreislauf-Funktion und der Sauerstoffversorgung des Körpers erzielen. Der Patient kann unter stabilen Bedingungen transportiert und weiterversorgt werden. Zusätzliche mechanische Reanimationsmaßnahmen während des Transportes werden dann unnötig“, erläutert Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKR, die Vorteile des Reanimationseinsatzfahrzeugs.

 

Durch den frühzeitigen Anschluss an die ECMO-Therapie erhoffen sich die Regensburger Spezialisten, die Überlebensrate beim plötzlichen Herzstillstand steigern zu können.

Daneben löst das Reanimationsfahrzeug ein weiteres Problem, denn vor allem der Patiententransport birgt bei Notarzteinsätzen ein gewisses Risikopotential. Die Wiederbelebungsmaßnahmen können dabei oft nicht ohne Unterbrechung erfolgen. Pausen ergeben sich beispielsweise beim Umlagern auf die Notfallliege oder beim Ein- und Ausladen des Patienten im Rettungsfahrzeug. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft sind vor allem diese Pausen für die Gesamtprognose der Patienten entscheidend. „Mit der extrakorporalen Herz-Kreislauf-Unterstützung kann der Patient unter fortwährenden Wiederbelebungsmaßnahmen transportiert werden. Weil dadurch die Sauerstoffversorgung des Gehirns nicht unterbrochen wird, können neurologische Folgeschäden reduziert werden“, so Dr. Dirk Lunz, Oberarzt in der Klinik für Anästhesiologie des UKR.

Am 26. September 2014 wurde das Reanimationseinsatzfahrzeug in Anwesenheit von dessen Schirmherren Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Tanja Schweiger, Landrätin des Landkreises Regensburg, offiziell vorgestellt.

Werbung

Das Reanimationsmobil steht für Stadt und Landkreis Regensburg zur Verfügung und kann bei Fällen von plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand durch die Rettungsleitstelle parallel zum Notarzt alarmiert und an die Einsatzstelle geschickt werden, was wiederum wertvolle Zeit spart.

Auch wenn das Reanimationseinsatzfahrzeug schnelle Hilfe bei Herz-Kreislauf-Stillstand verspricht, können aber Schädigungen des Patienten nicht vermieden werden, die aufgrund von verzögerten Wiederbelebungsmaßnahmen entstanden sind. Der entscheidende Schritt bei einem Herzstillstand ist daher immer, sofort mit der Wiederbelebung zu beginnen.


Hintergrundinformation: ECMO in Regensburg

Das ECMO-Verfahren wird bereits erfolgreich in der modernen Intensiv- und Notfallmedizin eingesetzt. Durch ECMO wird die Herz-Lungen-Funktion außerhalb des Körpers unterstützt. Über ein Schlauchsystem wird das sauerstoffarme Blut des Patienten in eine künstliche Lunge außerhalb des Körpers abgeführt, wo es mit Sauerstoff angereichert und Kohlendioxid entfernt wird. Anschließend wird das Blut dem Körper mittels einer Pumpe über das Schlauchsystem wieder zugeführt.

Durch intensive Forschung und jahrelange klinische Erfahrung konnten die Regensburger ECMO-Spezialisten bereits einige Innovationen im Bereich der Intensivmedizin international etablieren. So gelang es ihnen 2012 im Rahmen eines Notarzteinsatzes, weltweit erstmals ein Leben mittels einer tragbaren Mini-Herz-Lungenmaschine zu retten. Das ECMO-Zentrum des UKR hat dadurch eine Vorreiterrolle in der Miniaturisierung der mobilen Herz-Lungen-Maschine für den Transport schwerstkranker Patienten und wurde für seine besonderen Leistungen erst kürzlich international mit dem ELSO Award for Excellence in Life Support 2014 ausgezeichnet.

 

 

Weitere Informationen

 

 

 

 

Abb. 1 (oben): Mithilfe des neuartigen Reanimationseinsatzfahrzeugs sollen die Überlebensraten bei plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand gesteigert werden können. Photo: Uniklinik Regensburg

 

 

Herzstück des Reanimationseinsatzfahrzeugs ist die transportable Herz-Lungen-Maschine, mit der Patienten in Fällen von Herz-Kreislauf-Stillstand schneller und besser versorgt werden können. Photo: Uniklinik Regensburg

 

Abb. 2: Herzstück des Reanimationseinsatzfahrzeugs ist die transportable Herz-Lungen-Maschine, mit der Patienten in Fällen von Herz-Kreislauf-Stillstand schneller und besser versorgt werden können. Photo: Uniklinik Regensburg

 


Quelle: Universitätsklinikum Regensburg, 26.09.2014 (tB).

MEDICAL NEWS

COVID-19 pandemic sees increased consults for alcohol-related GI and liver…
The eyes offer a window into Alzheimer’s disease
Ventilating the rectum to support respiration
Screening for ovarian cancer did not reduce deaths
Fatigue, mood disorders associated with post-COVID-19 syndrome

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung
Cannabidiol gegen Hirntumore
Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie

MULTIPLE SKLEROSE

Neue S2k-Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose
Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…
Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit