sovika3_kl.jpgNeueinführung des sovika® Kühlsystems

 

Rotenburg a.d. Fulda (11. Oktober 2010) – Mit sovika® stellte die HVM Medical GmbH aus Rotenburg a.d. Fulda heute eine neuartige mobile Kopfkühlung zur schnellen und frühzeitigen Neuroprotektion bei Reanimation vor. Bereits seit 2005 wird die therapeutische milde Hypothermie für reanimierte Patienten nach Herzstillstand empfohlen. Jetzt ist ein praktisches, wieder verwendbares Hilfsmittel verfügbar. Damit wird die Kühlung bereits am Ort der Reanimation ermöglicht.

 

 

Kühlung nach Reanimation – Theorie und Praxis

 

Gemäß den seit 2005 geltenden internationalen Leitlinien des ECR ERC (European Resuscitation Council) sowie des ILCOR (International Liaison Committee on Resuscitation) muss der Patient nach erfolgreicher kardiopulmonaler Reanimation gekühlt werden, unabhängig von der Ursache des Kreislaufstillstandes. Ein Anstieg der Körpertemperatur über 37°C in den ersten 72 Stunden nach dem Ereignis ist durch Einleitung einer milden Hypothermie (32-34°C) zu vermeiden. Doch längst nicht jeder reanimierte Patient kommt in den Genuss dieser Therapie. Laut einer Untersuchung von Wolfrum et. al werden in Deutschland und Großbritannien nur 23,5 % der Patienten nach einem Herzstillstand gekühlt. Auch beginnt die Kühlung, wenn sie denn angewendet wird, in der Regel erst in der Klinik, auf der Intensivstation.

 

 Mit sovika® kann die Kühlung bereits wesentlich früher in der Rettungskette einsetzen. Das mobile System wird in einer speziellen Tasche mit Kühlakkus angeboten, die in jedem Rettungswagen mitgeführt werden kann. Alternativ lässt sich das NEF mit einer speziellen Kühlbox ausrüsten (Informationen über HVM). So kann der Notarzt oder Sanitäter bereits am Ort der Reanimation beginnen, den Patienten zu kühlen. Die flexible Haube passt sich der individuellen Kopfform an und wird mit Klettbändern fixiert. Auch der Hals wird in die Kühlung mit einbezogen. Durch die Kühlung des Kopfes sowie der großen zuführenden Gefäße (A. carotis) sinkt die Körpertemperatur (nach 25 Minuten Kühlung bereits um 0,5°C). Wenn der Patient in der Klinik eintrifft, hat die Kühlung bereits deutlich eingesetzt. So wird wertvolle Zeit gewonnen. Die Haube kann ohne Probleme während des Transport es am Patienten belassen  werden . Ohne sovika® bliebe der Patient in dieser Zeit ungekühlt und damit ungeschützt gegen Schädigung und Verlust von Hirnzellen. Bei Eintreffen in der Klinik kann dann mit einer frischen Kühlhaube weiter gekühlt werden, bevor anschließend auf der Intensivstation eine kontrollierte Hypothermiebehandlung beginnt.

 

 

Schnelle Kühlung schützt das Gehirn

 

Empirisch ist der positive Einfluss der Kälte auf den Erhalt der Gehirnfunktion nach lebensbedrohenden Situationen lange bekannt. Speziell Wiederbelebungen von in eiskaltem Wasser Ertrunkenen haben dafür immer wieder Hinweise gegeben. Teilweise konnten Menschen, die über eine Stunde ischämisch waren, schadensfrei weiterleben. Im Jahre 2002 wurde dann erstmalig mit der HACA-Studie (Hypothermia after cardiac arrest) dieser Zusammenhang systematisch untersucht. Bestimmt wurde das neurologische Outcome von 275 Patienten, die durch Kammerflimmern oder pulslose Kammertachykardie einen Kreislaufstillstand erlitten hatten, präklinisch reanimiert werden konnten, aber komatös blieben. 137 der Patienten wurden auf eine Temperatur von 32-34°C gekühlt, die anderen Patienten blieben ungekühlt. Es zeigte sich bei 55 % der gekühlten Patienten ein gutes neurologisches Ergebnis, im Gegensatz zu nur 39 % in der Normothermie-Gruppe. Auch die Mortalität sechs Monate nach dem Kreislaufstillstand war bei den Hypothermie-Patienten deutlich geringer. Die Ergebnisse dieser Studie, die in einer australischen Untersuchung bestätigt werden konnten, führten zur Aufnahme der Hypothermie-Behandlung in die Leitlinien zur Reanimation.

 

 

Wie wirkt die milde Hypothermie?

 

Sofort nach Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr zum Gehirn setzt ein schädlicher Prozess ein, der zur Nekrose von Gehirnzellen führt. Dabei werden Neurotransmitter freigesetzt, die Blut-Hirn-Schranke wird gestört, Nervenzellen und Zellmembranen gehen zugrunde, Sauerstoffradikale werden produziert. Wird die Hirnperfusion wieder hergestellt, bildet sich ein Hirnödem und durch die damit verbundene Druckerhöhung entsteht weiterer Schaden. Mit der Reperfusion beginnt dann eine systemische Entzündungsreaktion, die sich negativ auf die Mikrozirkulation auswirkt. Es kommt zum Postreanimationssyndrom (Sepsis-like-Syndrome). Dabei werden vermehrt inflammatorische Zytokine (Interleukine, CRP) und exzitatorische Aminosäuren ausgeschüttet, die D-Dimere steigen an als Ausdruck einer Mikrozirkulationsstörung und es werden freie Radikale produziert. Ferner kommt es zu Kalziumverschiebungen, die wiederum Schäden an den Mitochondrien zur Folge haben. Dies führt zur Apoptose, dem programmierten Zelltod.

Die milde therapeutische Hypothermie unterdrückt alle diese schädlichen Reaktionen auf Kreislaufstillstand und Wiederbelebung. Die so verbesserte metabolische Gesamtsituation kann anhand von Messungen des Laktatwertes und der Sauerstoffextraktion belegt werden. Je früher sie einsetzt, desto effektiver kann den zerstörerischen Mechanismen des Postreanimationssyndroms entgegengewirkt werden.

 

 

sovika - mobiles Kühlsystem 

 

sovika® – das  mobile Kühlsystem

 

Doch sovika® bietet mehr als nur die Kühlhaube zur Anwendung im präklinischen und klinischen Bereich. Auch die rechteckigen Pads in den Größen M (35 x 50 cm), L (50 x 50 cm) und XL (50 x 70 cm) können zur Kühlung von Körperstamm und Extremitäten eingesetzt werden. Die sovika® Pads sind weich und hautfreundlich. Sie werden auf 4°C (normale Kühlschranktemperatur) gekühlt, Erfrierungen beim direkten Hautkontakt sind daher nicht zu befürchten. Vielmehr bleibt sogar die periphere Zirkulation weitgehend erhalten. In der gekammerten Polyurethanfolie befindet sich ein spezielles Gel mit einer hohen Wärmeaufnahmekapazität. Bei Umlagerung passen sich die Pads automatisch den veränderten Konturen an, da die Kompartimente miteinander kommunizieren. Sovika® kann gereinigt und desinfiziert  werden und ist daher wieder verwendbar – ein besonderer Preisvorteil.

Die Pads können auch zur Lagerung verletzter Extremitäten verwendet werden, zum Beispiel in Arm- oder Beinschalen, dabei verhindert die Kühlung  ein zu starkes Anschwellen des betroffenen Körperteils. Ohne Kühlung helfen die Pads bei der Druckentlastung. Auch Wadenwickel können mit den Pads einfach und trocken angelegt werden.

 

 

Indikationen

 

Die Einsatzmöglichkeiten für das sovika® System sind vielfältig. An erster Stelle steht zweifellos die Einleitung der therapeutischen milden Hypothermie noch am Ort der Reanimation. Aber auch die Weiterführung der Kältebehandlung präklinisch durch den Rettungsdienst mit gekühlten Infusionen oder auf der Intensivstation mit anderen Kühlmethoden kann durch sovika® unterstützt werden, sowohl mit der Kopfkühlung als auch mit den großen Pads. Auch Fieber und Traumata der Extremitäten gehören zu den gesicherten Indikationen für sovika®. Andere logisch erscheinende Anwendungsmöglichkeiten wie Verdacht auf Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und unklare Bewusstlosigkeit bedürfen noch der Absicherung und werden derzeit untersucht. Sicher ist jedoch, dass das sovika® System auch zu Wärmebehandlung eingesetzt werden kann. Die Pads können bis auf 50°C erwärmt werden (nicht in die Mikrowelle geben!) und beispielsweise physiotherapeutische Behandlungen unterstützen.

 

Weitere Informationen: www.hvm-medical.com

 

 

Literatur

 

  • 1. ERC-Leitlinien 2005; www.grc-org.de
  • 2. Wolfrum,S., Radke, P.W., Pischon, T., Willich, S.N., Schunkert, H., Kurowski, V. (2007) Mild therapeutic hypothermia after cardiac arrest – a nationwide survey of the ILCOR guidelines in German intensive care units. Resuscitation 72: 207-213
  • 3. Holzer, Michael (2002) Mild therapeutic hypothermia after cardiac arrest (The Hypothermia after Cardiac Arrest Study Group, HACA). N Engl J Med 2002; 346: 549-556
  • 4. Bernard, S.A., Gray, T.W., Buist, M.D., Jones, B.M., Silvester, W., Gutteridge, G., Smith, K. (2002) Treatment of comatose survivors of out-of-hospital cardiac arrest with induced hypothermia. N Engl J Med 2002; 346: 557-563

 

 


Quelle: HVM Medical GmbH, 11.10.2010 (Media Concept) (tB).

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