7-Tage-Schmerzpflaster als Analgetikum der ersten Wahl

Bei Niereninsuffizienz und Dialysepflicht Schmerzen richtig therapieren

 

München (4. Dezember 2012) – Viele betagte und hochbetagte Menschen leiden unter chronischen Erkrankungen, die oft mit Schmerzzuständen assoziiert sind. Mit zunehmendem Alter steigt deshalb auch die Zahl der eingenommenen Medika­mente und damit das Risiko für Arzneimittelinteraktionen und -nebenwirkungen. Zugleich ist das Flüssigkeitsvolumen vermindert und die Creatinin-Clearance sinkt. In der Folge reagieren ältere Patienten empfindlicher auf Arzneimittel, was die Schmerztherapie betagter und hochbetagter Patienten erschwert. Insbesondere die abnehmende Nierenfunktions­leistung, die bis zur Niereninsuffizienz und Dialysepflicht führen kann, stellt in der Schmerztherapie dieser Patientengruppe eine große Herausforderung dar. Arznei­stoffe, die vollständig oder zu einem sehr hohen Anteil über die Niere ausgeschieden werden, sind oft kontraindiziert oder müssen in der Dosis angepasst werden. Eine Ausnahme bildet das Buprenorphin-haltige 7-Tage-Schmerzpflaster (NORSPAN®). Buprenorphin wird hauptsächlich unverändert über den Stuhl ausgeschieden oder über die Leber verstoffwechselt.(1) Die Substanz kann so bei Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion ohne Dosisanpassung eingesetzt werden.(1,2,3)

 

 

Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz: Welche Schmerztherapie, wann und für wen?

Mehr als 25 Prozent der betagten und hochbetagten Menschen leiden unter chronischen Schmerzen, die behandlungsbedürftig sind.(4) Zugleich nimmt mit dem Alter die Funktions­leistung der Niere ab. Erkrankungen wie beispielsweise eine arterielle Hypertonie oder ein Diabetes mellitus, die im Alter ebenfalls vermehrt auftreten, können zu einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktionsleistung führen. Experten schätzen die Zahl der von einem Nierenschaden betroffenen Personen in Deutschland auf bis zu 6 Millionen, mehr als 60.000 Menschen werden dauerhaft dialysiert. „Seit 1995 ist die Zahl der Dialyse­patienten um 53 Prozent und die der Nierentransplantierten um 78 Prozent gestiegen – ein Anstieg, der ausschließlich in der Altersklasse der über 65-Jährigen erfolgt ist“, erklärte Professor Rudolf Likar, Klagenfurt. Liegt die glomeruläre Filtrationsrate unter 30 ml/min, seien NSAR in der Schmerztherapie kontraindiziert, führte Likar weiter aus. Laut Likar sind die renalen Nebenwirkungen von NSAR erheblich: So könne der Einsatz von NSAR die renale Prostanoidsynthese hemmen, den renalen Blutfluss und die glomeruläre Filtrationsrate reduzieren. Akutes Nierenversagen, eine Natrium- und Wasserretention sowie eine Hyperkaliämie können folgen.

 

 

Buprenorphin als Frontline-Analgetikum bei Patienten mit Dialysepflicht?

Opioide sind im Gegensatz zu NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac nicht nephrotoxisch. Allerdings werden nahezu alle klassischen Opioide überwiegend über die Niere ausge­schieden. Ist die Nierenfunktionsleistung eingeschränkt, können diese Substanzen kumulieren, so Dr. Norbert Grießinger, Erlangen. Dadurch steige das Risiko für uner­wünschte Arzneimittelwirkungen. Die Kumulation aktiver Metabolite (z.B. Morphin, Tramadol), verlängerte Halbwertzeiten (z.B. Oxycodon, Tramadol) oder eine Akkumulation bei kontinuierlicher Gabe von Fentanyl erschweren deswegen den Einsatz dieser Substanzen. Bei Opioiden wie z.B. Tramadol oder Fentanyl ist in der Regel bei einer Einschränkung der Nierenfunktion eine Dosisanpassung erforderlich.(5,6) Laut Grießinger werde zudem unterschätzt, dass viele der dauerhaft dialysierten Patienten unter muskulo­skelettalen, peripher-vaskulär/ischämischen oder Dialyse-assoziierten Schmerzen und Polyneuropathien leiden. Grießingers Einschätzung zufolge seien Schmerzen bei mehr als der Hälfte der Hämo­dialysepatienten ein signifikantes Problem und werden nicht aus­reichend behandelt.

 

Als Analgetikum der ersten Wahl bei Patienten mit Niereninsuffizienz und Dialysepflicht sprachen sich beide Experten für das Buprenorphin-haltige 7-Tage-Schmerzpflaster (NORSPAN®) aus. Buprenorphin habe eine besondere Indikationsstellung, weil zum einen keine pharmakologisch aktiven Metabolite entstehen und zum anderen der Hauptmetabolit Norbuprenorphin biliär ausgeschieden wird. Buprenorphin werde überwiegend hepatisch metabolisiert und zu einem großen Teil über die Fäzes eliminiert.(1) Die Substanz könne so bei Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion ohne Dosisanpassung eingesetzt werden.(2,3,5) Selbst bei terminaler Niereninsuffizienz seien keine erhöhten Plasma­konzen­trationen von Buprenorphin und Norbuprenorphin nachweisbar.(7) Aufgrund pharmako­kinetischer und pharmakodynamischer Veränderungen im Alter forderte Grießinger eine individuelle Dosistitration („start low, go slow“), eine engmaschige Therapiekontrolle und eine Reduktion der Polymedikation. Buprenorphin sei im Hinblick auf Patienten mit Niereninsuffizienz und Dialysepflicht eines der sichersten Opiode und sollte als First-Line-Analgetikum bei dieser Patientengruppe eingesetzt werden, so das Fazit Grießingers.

 

 

Über Grünenthal

 

Die Grünenthal Gruppe ist ein unabhängiges, international tätiges, forschendes Pharma­unternehmen im Familienbesitz mit Konzernzentrale in Aachen. Aufbauend auf ihrer einmaligen Kompetenz in der Schmerzbehandlung ist es das Ziel, das patientenzentrierteste Unternehmen und damit führend in Therapie-Innovation zu werden. Als eines der letzten verbliebenen fünf forschenden Pharmaunternehmen mit Konzernzentrale in Deutschland investiert Grünenthal nachhaltig in die Forschung und Entwicklung. Im Jahr 2011 betrugen diese Investitionen circa 25 % des Umsatzes. Die Forschungs- und Entwicklungsstrategie Grünenthals konzentriert sich auf ausgesuchte Therapiegebiete und modernste Technologien. Den Schwerpunkt bildet die intensive Suche nach neuen Wegen, um Schmerzen besser, nachhaltiger und mit weniger Nebenwirkungen zu lindern. Die Grünenthal Gruppe ist in 26 Ländern weltweit mit Gesellschaften vertreten. Grünenthal-Produkte sind in mehr als 155 Ländern erhältlich und circa 4.200 Mitarbeiter arbeiten heute weltweit für die Grünenthal Gruppe. Der Umsatz 2011 betrug 947 Mio. €.

 

Weitere Informationen unter: www.grunenthal.de

 

 

Referenzen 

  1. Likar R, Ther Clin Risk Manage (2006) 2 (1): 115-125
  2. Tegeder I et al., Schmerz (1999) 13: 183-195
  3. NORSPAN® Fachinformation (03/2009)
  4. Schweizerische Gesundheitsbefragung (2002), zitiert nach Dr. Not-Rupprecht Siegel, Norspan-Symposium „Was bedeutet Altern für die Schmerztherapie?“, DGS 2011
  5. Durogesic® SMAT Fachinformation (Stand 09/2012)
  6. Tramal® Fachinformation (Stand 11/2011)
  7. Filitz J et al., Eur J Pain. 2006 Nov;10(8):743-8. Epub 2006 Jan 19. [JPSM 2006, e-published: www.Europeanjournalpain.com]

 


 

Quelle: V. Norspan®-Hintergrundgespräch „Schmerztherapie bei Niereninsuffizienz und Dialysepflicht im Alter. Worauf kommt es an?“, 4. Dezember 2012, München (hB).

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