Ärzteschaft und Pflegepersonal haben Schlüsselrolle bei Prävention und Intervention in Fällen von häuslicher Gewalt

Stuttgart (17. Juli 2008) – „Ärzteschaft und Pflegepersonal werden häufig als erste neutrale Personen mit den Folgen von häuslicher Gewalt konfrontiert und nehmen daher bei der Prävention und der Intervention eine Schlüsselrolle ein“, sagte Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz am Donnerstag (17.7.) in Heilbronn beim Kongress „SIGNAL – Hilfe bei häuslicher Gewalt“. „Von häuslicher Gewalt gehen erhebliche Gesundheitsrisiken für Frauen und Kinder aus. Häusliche Gewalt gilt weltweit als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen und Kinder“, führte die Ministerin weiter aus. Häufig seien Einrichtungen des Gesundheitswesens – insbesondere niedergelassene Ärzte und Kliniken – die erste Anlaufstelle für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Sie begrüßte es, dass die SLK-Kliniken Heilbronn dieses Themas angenommen und das Projekt „SIGNAL“ initiiert haben. Ziel des Projekts, das von Ministerium für Arbeit und Soziales mit 40 000 Euro gefördert wird, ist die Befähigung des Klinikpersonals für ein sensibles Ansprechen der Verletzungsursachen, das abschätzen des Gefährdungspotenzials und die Information der Betroffenen über Schutz- und Beratungsangeboten.

Die Ministerin betonte die Schlüsselrolle der Ärzteschaft und des Pflegepersonal bei der Intervention gegen häusliche Gewalt. Leider seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser aber häufig unsicher, wie sie mit einer solchen Situation umgehen sollten. Die betroffenen Frauen würden den Gewalthintergrund ihrer Verletzungen aus Angst vor weiterer Misshandlung, aber auch aus falsch verstandener Scham oder Solidarität mit dem Täter häufig verschweigen oder zu verschleiern versuchen. Für Ärzte und Pflegekräfte stelle sich in solchen Fällen die Frage, ob und wie sie das Opfer gezielt ansprechen, wie sie den Fall dokumentieren und sich und das Opfer vor dem Täter schützen sollten. „Das erfordert eine besondere Sensibilisierung und Schulung, die eine gezielte Hilfestellung für die betroffenen Frauen ermöglicht“, so die Ministerin.

Im Rahmen des Projektes werden die Ärzteschaft und das Pflegepersonal über das sensible und komplexe Thema häusliche Gewalt informiert. Dabei wird ein Schwerpunkt auf das Erkennen und Dokumentieren gewaltbedingter Verletzungen und den richtigen Umgang mit Betroffenen gelegt. Die Initiative für das Projekt sei vom „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“ ausgegangen. Im Zuge der landesweiten Einführung des Platzverweisverfahrens sind in den meisten Stadt- und Landkreisen Arbeitskreise oder Runde Tische entstanden. „Die bislang gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, dass der Erfolg solcher Kooperationsgremien maßgeblich von einer möglichst breit gefächerten und interdisziplinären Zusammenarbeit abhängt“, so Stolz. Deshalb werde sie die von den SLK-Kliniken erarbeiteten Handlungsansätze zur strukturierten Fortbildung des Personals allen runden Tischen gegen häusliche Gewalt zur Verfügung stellen und bei den Krankenhäusern für eine entsprechende Schulung des Personals werben. Ziel muss es nach den Worten der Ministerin sein, „eine adäquate Versorgung der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen im Land sicherzustellen. Das Projekt SIGNAL ist hierfür ein wichtiger Baustein.“

Entwickelt wurde das Projekt S.I.G.N.A.L. vom Universitätsklinikum Benjamin-Franklin in Berlin.

Der Name S.I.G.N.A.L. steht für die einzelnen Schritte des Interventionsprojekts:

  • Sprechen Sie die Patientin an, signalisieren Sie Ihre Bereitschaft
  • Interview mit konkreten einfachen Fragen
  • Gründliche Untersuchung alter und neuer Verletzungen
  • Notieren und dokumentieren Sie alle Befunde und Angaben, so dass sie gerichtsverwertbar sind
  • Abklären des aktuellen Schutzbedürfnisses
  • Leitfaden mit Notrufnummern und Unterstützungsangeboten anbieten


Quelle: Presseinformation des Baden-Württembergischen Ministeriums für Arbeit und Soziales vom 17.07.2008.

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