Neue nicht-medikamentöse Therapie hilft Menschen mit Demenz im Alltag

Aktiver und froher leben bei Demenz

 

Berlin (23. September 2010) – Mithilfe einer gezielten nicht-medikamentösen Aktivierungstherapie, MAKS aktiv, können alltagspraktische und geistige Fähigkeiten von Menschen mit Demenz längere Zeit stabilisiert sowie ihre Stimmung und ihr soziales Verhalten deutlich verbessert werden. In einer wissenschaftlich aufwendigen, kontrolliert-randomisierten Studie wurde die Wirksamkeit von MAKS aktiv bei Menschen mit Demenz in Pflegeheimen jetzt erfolgreich nachgewiesen.

 

Allein in Deutschland leiden zirka 1,1 Millionen Menschen an Demenz, meistens handelt es sich um die so genannte Alzheimer-Demenz. Scheinbar unaufhaltsam verlieren die Betroffenen nicht nur ihr Gedächtnis, sondern auch ihre Fähigkeit, sich im Alltag versorgen zu können. Dazu kommen oft depressive Stimmungen und Verhaltensauffälligkeiten.

 

Medikamente können die Verschlechterung der Krankheit um etwa sechs Monate verzögern, eine Ursachentherapie wurde jedoch bis heute nicht gefunden. Jetzt gibt es allerdings neue Hoffnung für die Betroffenen, ihre Angehörigen sowie Pflegekräfte: Die nicht-medikamentöse Therapie MAKS aktiv, entwickelt vom Bereich Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen, hält nicht nur geistige und alltagspraktische Fähigkeiten nachweislich über zwölf Monate stabil, sondern hilft auch, Stimmungen und Sozialverhalten der Betroffenen zu verbessern. MAKS aktiv schafft damit eine insgesamt bessere Lebenssituation für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen.

 

Im Gegensatz zu anderen nicht-medikamentösen Therapien, die meist nur auf eine Eigenschaft zielen, fördert MAKS aktiv mehrere geistige und körperliche Fähigkeiten. Dabei werden neben klassischen Gedächtnistrainingsaufgaben Aktivitäten angeboten, die unmittelbar der bisherigen Lebenserfahrung der Betroffenen entsprechen. So wird das handwerkliche Geschick zum Beispiel durch das Bauen eines Vogelhauses und die Motorik durch Wassergymnastik und Aufwärmübungen angeregt. Zur Erhaltung der alltagspraktischen und kognitiven Fähigkeiten kommt bei MAKS aktiv auch der PC zum Einsatz: Die Betroffenen nutzen unter Anleitung den PC unter anderem für Sprach-, Zähl- und Gedächtnisübungen.

 

Für die Studie erhielten in fünf Pflegeheimen je zehn Bewohnerinnen und Bewohner mit Gedächtniseinbußen sechs Monate lang sechs Tage die Woche für je zwei Stunden Förderung in den vier MAKS-Bereichen: alltagspraktische Fähigkeiten, Kognition, Motorik und spirituelles Empfinden. 50 weitere Personen bildeten die Kontrollgruppe. Nach Ablauf des ersten halben Jahres wurde die Studie für nochmals sechs Monate weitergeführt. Insgesamt konnten die Daten von 129 Personen für den 6-Monats-Zeitraum und von 70 Bewohnern für den 12-Monats-Zeitraum in die Auswertung einbezogen werden. Bereits nach sechs Monaten hatten die durch MAKS aktiv geförderten Personen erkennbar mehr Freude an ihrem Leben, waren besser gestimmt, sozial stärker eingebunden und zeigten weniger demenztypische Verhaltensauffälligkeiten als die herkömmlich versorgten Personen. Während bei unbehandelter Demenz geistige und alltagspraktische Fähigkeiten kontinuierlich abnehmen, konnten die geförderten Bewohnerinnen und Bewohner ihre Fähigkeiten über ein ganzes Jahr hinweg stabil halten.

 

Erstmals ist damit nachgewiesen, was manche Praktiker bereits vermuteten: Gezielte und intensive Aktivierungstherapie hilft mindestens ebenso gut wie die derzeit besten Medikamente. So liegt die vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beurteilte durchschnittliche Wirksamkeit von Acetylcholinesterase-Hemmern im gleichen Bereich wie die der MAKS aktiv-Therapie.

 

Bereits ab dem nächsten Jahr soll die MAKS aktiv-Therapie Pflegenden und interessierten Angehörigen nähergebracht werden: Mit einem ausführlichen Handbuch wird diesen Personengruppen so die Möglichkeit gegeben, die Therapie selbständig anzuwenden.

 

 

Zitate

 

Prof. Dr. Elmar Gräßel, Wissenschaftlicher Leiter von MAKS aktiv, Psychiatrische und Psychotherapeutische Universitätsklinik Erlangen:

 

„Dass bei einer ganzen Gruppe das geistige und alltagspraktische Niveau ein Jahr lang gehalten werden konnte, ist wirklich bahnbrechend. Mit MAKS aktiv als nichtmedikamentöser Therapieform gehen keine Nebenwirkungen einher. Im Gegenteil: Sogar Stimmung und Sozialverhalten verbessern sich.“

„Im nächsten Schritt wollen wir untersuchen, wie diese Ergebnisse möglicherweise noch gesteigert werden können. Vielleicht bewirkt eine Kombination von MAKS aktiv und den derzeit besten Medikamenten ja sogar noch eine zusätzliche Verbesserung.“

 

 

Stephan M. Abt, Heimleiter des Sigmund-Faber-Heims in Hersbruck, Diakonie Neuendettelsau:

 

„Wir haben die Therapie bei uns in der Praxis umgesetzt und konnten förmlich sehen, wie die Menschen aufblühten. Auch für die Therapeutinnen war es eine wunderbare Erfahrung, ihre Zeit so intensiv einer Gruppe von Bewohnern widmen zu können.“

 

 

MAKS aktiv

 

MAKS aktiv ist ein Forschungsprojekt der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen in Kooperation mit der Diakonie Neuendettelsau und der Katholischen Fachhochschule Mainz, in dem die Wirkung einer multimodalen nicht-medikamentösen Aktivierungstherapie für Menschen mit Demenz erforscht wurde. Die Abkürzung MAKS aktiv steht für motorische, alltagspraktische, kognitive und spirituelle Aktivierungstherapie für Menschen in Pflegeheimen, die von Gedächtnisstörungen betroffen sind. MAKS aktiv wurde als eines von 29 „Leuchtturmprojekten Demenz“ vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt.

 

Weitere Informationen unter www.maks-aktiv.de

 

 

Download

 

  • Prof. Dr. med. Elmar Gräßel "Kognitive und alltagspraktische Fähigkeiten bleiben stabil – wissenschaftliche Ergebnisse von MAKS aktiv"
    Abstract: Abstract_Graessel.pdf Abstract_Graessel.pdf (24.61 KB)

 

 

 

 

 


Quelle: Pressegespräch der Initiative MAKS aktiv zum Thema „Neue Hoffnung für Menschen mit Demenz: Mehrkomponenten-Aktivierungstherapie wirkt nachweislich auf kognitive und alltagspraktische Fähigkeiten“ am 23.09.2010 in Berlin (Euro RSCG ABC) (tB).

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