Antibiotikatherapie bei Intensivpatienten

Mit Tigecyclin kalkuliert behandeln

 

Neue Studienergebnisse, aktuelle ICAAC-Daten und das Update der PEG-Empfeh­lungen unterstreichen den Stellenwert des ersten Vertreters der innovativen Glycylcycline bei schweren und komplizierten Infektionen

 

Berlin (9. November 2010) – Tigecyclin (Tygacil®) ist auch bei massiv vorerkrankten und erfolglos vorbehandelten Patienten ein gut wirksames Antibiotikum. Das belegt eine aktuelle Studie, in der das Antibiotikum gegen komplizierte Infektionen des Bauchraums, der Haut und der Weichgewebe verabreicht wurde. Tigecyclin erzielte dabei als Mono- oder Kombinationstherapie Heilungs- oder Besserungsraten bis zu 82 Prozent und zeigte eine hohe in-vitro-Aktivität selbst gegen mehrfach resistente Erreger.

 

An der Studie nahmen 658 Patienten aus 99 deutschen Kliniken teil.(1) „Sie waren mehrheitlich älter als 60 Jahre und mit hoher Wahrscheinlichkeit Träger multiresistenter Erreger, 93 Prozent hatten mindestens eine Begleiterkrankung und ihr durchschnittlicher APACHE-II-Score lag bei 19,1“, sagte Privatdozent Dr. Christian Eckmann, Peine. „Ein Kollektiv, wie es für Intensivstationen in deutschen Kliniken typisch ist.“

 

Die Patienten litten an komplizierten intraabdominellen Infektionen (41 Prozent), komplizier­ten Haut- und Weichgewebsinfektionen (16 Prozent), Infektionen mit mehreren Lokalisationen (13 Prozent) oder anderen schweren Infektionen (31 Prozent). Sie erhielten – entsprechend der zugelassenen Dosierung – initial 100 mg Tigecyclin i.v., gefolgt von zweimal täglich 50 mg i.v. 51 Prozent der Patienten wurden ausschließlich mit Tigecyclin behandelt, 49 Prozent in Kombination mit anderen Antibiotika. „Bei 55 Prozent wurde die Behandlung eingeleitet, weil eine vorausgegangene antibiotische Therapie versagt hatte, bei 45 Prozent, weil resistente Keime vermutet oder nachgewiesen wurden“, berichtete Eckmann.

 

 

Gute klinische und antimikrobielle Wirksamkeit

 

In die Studienauswertung gingen die Behandlungsdaten von 656 Patienten ein. „Die Raten für eine klinische Heilung oder Verbesserung durch die Tigecyclin-Therapie betrugen 75 Pro­zent bei intraabdominellen Infektionen, 82 Prozent bei Infektionen der Haut und der Weichgewebe, 67 Prozent bei Mehrfachinfektionen und 76 Prozent bei Infektionen anderer Gewebe“, so Eckmann.

 

Diese gute klinische Wirksamkeit spiegelte sich auch in den Ergebnissen der mikrobiolo­gischen Untersuchungen wider. „94 Prozent der isolierten Erreger waren gegenüber Tigecyclin sensibel, darunter auch multiresistente Keime wie MRSA (Methicillin resistenter Staphyllococcus aureus), VRE (Vancomycin resistenter Enterococcus) und ESBL (extended-spectrum-Beta-Laktamasen) produzierende Bakterien“, sagte Eckmann. Dabei wurde das Glycylcyclin insgesamt gut vertragen. Unerwünschte Ereignisse mit einem Zusammenhang zur Therapie traten nur bei 6,7 Prozent der Patienten auf, wobei am häufigsten Erbrechen und Übelkeit beobachtet wurden. „Mit dieser Studie ließen sich die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von Tigecyclin erstmals auch bei schwer erkrankten Patienten belegen“, schloss Eckmann.

 

 

Kaum Optionen gegen multiresistente Gram-negative Erreger

 

Wie wichtig breit und gut wirksame Antibiotika sind, machte Professor Dr. Wolfgang Heizmann, Berlin, deutlich. „Die möglichen Konsequenzen einer Therapie mit nicht mehr wirksamen Substanzen reichen von einer verlängerten Krankheitsdauer bis zu einer erhöhten Letalität.“

 

Klinisch bedeutsam seien neben Methicillin-resistenten Stämmen von S. aureus mittlerweile auch Vancomycin-intermediär-empfindliche Stämme (VISA), sagte Heizmann mit Blick auf aktuelle Daten der Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy (ICAAC).(2)  „Im Zweifel sollte bei schweren Infektionen durch MRSA/VISA -Stämme daher nicht mit Vancomycin, sondern mit Alternativen wie Linezolid oder Tigecyclin behandelt werden“, sagte Heizmann.

 

Auch bei Infektionen durch Gram-negative Erreger scheint sich die Situation zuzuspitzen. Mittlerweile steigt selbst in Deutschland die Zahl der Stämme, die unterschiedliche β-Lakta­masen bilden.(3) „Viele dieser ESBL-Bildner tragen auf dem Plasmid auch Resistenzgene für andere Antibiotikaklassen, zum Beispiel für Aminoglykoside oder Chinolone“, erläuterte Heizmann. Bislang standen in diesen Fällen immer noch Antibiotika der Carbapenem-Gruppe zur Verfügung. Mittlerweile treten aber auch gegen diese Antibiotika vermehrt Resis­tenzen auf.(4, 5) „Infektionen mit Carbapenem-resistenten Klebsiella pneumoniae wurden in­zwischen auch in Deutschland beobachtet“, so Heizmann.

 

Gegen derart multiresistente Erreger stehen Heizmann zufolge erschreckend wenige Substanzen zur Verfügung. „Einzig Tigecyclin besitzt ein ausreichend breites Wirkspektrum, um bei schweren Infektionen mit unbekannten oder möglicherweise multiresistenten Erregern allein oder in Kombination eingesetzt werden zu können.“

 

 

Hoher Empfehlungsgrad für Tigecyclin

 

Diese breite Wirksamkeit von Tigecyclin schlägt sich auch in den gerade aktualisierten Antibiotika-Empfehlungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft nieder.(6) Wie Dr. Klaus-Friedrich Bodmann, Eberswalde, ausführte, erhält Tigecyclin den Empfehlungsgrad A für die kalkulier­te Initialtherapie der sekundären und tertiären Peritonitis sowie für die kalkulierte Therapie von intraabdominellen Infektionen durch vermutlich oder nachweislich resistente Erreger. Weiter wird Tigecyclin zur kalkulierten Initialtherapie bei mittelschweren und schweren Haut-­ und Weichgewebsinfektionen empfohlen, bei polymikrobiellen Infektionen mit MRSA-Beteiligung wiederum mit dem Empfehlungsgrad A.

 

 

Literatur

 

  1. Eckmann C et al. Jahrestagung der PEG 2010: F9
  2. Maor Y et al. ICAAC, 2010: K-1703
  3. Koerber-Irrgang B et al. ICAAC 2010: C2-678
  4. Castanheira M et al. ICAAC 2010: D-743
  5. Poulou A et al. ICAAC, 2010: D-746
  6. Vogel F et al. Chemotherapie Journal 2004; 13(2): 46-105 (aktualisierte Fassung)

 

Download 

 

PD Dr. Christian Eckmann: "Antibiotika-Strategien bei schwerkranken Patienten: Neue Ergebnisse einer großen prospektiven nicht interventionellen Studie mit Tygacil®"

Abstract: Abstract_Eckmann.pdf Abstract_Eckmann.pdf (97.59 KB)

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Dr. Klaus-Friedrich Bodmann: "Der Stellenwert von Tygacil®"

Abstract: Abstract_Bodmann.pdf Abstract_Bodmann.pdf (163.68 KB)

Folien:    Charts_Bodmann.pdf Charts_Bodmann.pdf (1.00 MB)

 

Prof. Dr. med. Wolfgang Heizmann: "Resistenttrends: Im Fokus die IAAC-Daten 2010"

Abstract: Abstract_Heizmann.pdf Abstract_Heizmann.pdf (90.91 KB)

Folien:    Charts_Heizmann.pdf Charts_Heizmann.pdf (1.96 MB)

 

 


Quelle: Pressegespräch der Firma Pfizer zum Thema „Antibiotikatherapie bei Intensivpatienten: Aktuelle Studiendaten zu Tygacil® aus dem klinischen Alltag“ am 09.11.2010 in Berlin (Medizin und Markt) (tB).

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